Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Für einen fairen Umgang zwischen Verlag und Autor
Für einen fairen Umgang zwischen Verlag und Autor
Zum Welttag des Buches am 23.4. haben sich namhafte Autorenverbände aus D, A und CH an die Öffentlichkeit gewandt. Das Aktionsbündnis für faire Verlage wendet sich mit der Erklärung gegen die schwarzen Schafe in der Verlagsbranche.
Interessant an der ganzen Geschichte: Schon im Vorfeld wollte eine wohlbekannte Frankfurter "Dienstleister"-Verlagsgruppe gegen die Unterzeichner klagen.
Unter http://www.literaturcafe.de/fairlag-erklaerung/ gibts den Artikel und die Fairlag-Erklärung
Danke für den Beitrag.
Ich kann dies nur unterstützen. Es ist sicher schon so schwer genug, einen Verlag zu finden, der bereit ist, dass Buch zu veröffentlichen. Hilfreich ist es dannn sicher nicht, wenn man dann noch die Druckkosten übernehmen muss. Man selber hat ja keine Ahnung, ob das eigene Werk bei den Käufern ankommt, weiß nicht, wie und ob überhaupt der Verlag sich bemüht, das Werk an den Leser zu bringen. Ein wenig Vertrauen wäre schon schön, deswegen unterstütze ich auch diese Erklärung. Niemanden bringt einem ein Verlag, der genau weiß, dass es mit großen Verkaufszahlen, sowieso nichts wird.
Ich kannn nur hoffen, dass diese schwarzen Schafe ganz schnell verschwinden und Fairness wieder allgegenwertig ist.
Antigone
24.04.2008, 19:05
So, jetzt hat es die Erklärung also auch in dieses Forum geschafft!
Jedenfalls ist das eine höchst unterstützungswerte Aktion!
lg, A.
Diese Frankfurter Verlagsgruppe hat's inzwischen sogar in den Lokalteil unserer Zeitung geschafft. Bitte auf keinen Fall den Namen nennen, die haben sicherlich "scharfe" Abmahner und ich denke, wir wissen auch so, wer gemeint ist.
Die wollten sogar einen 14-jährigen abzocken.
T€ 3,5 wollten sie für 500 Exemplare, die er selbst hätte vertreiben müssen, T€ 9 für das "Komplettpaket".
Wobei ich sagen muss, wer da noch drauf reinfällt, ist selbst Schuld.
Mad Bull
04.05.2008, 19:59
Ich habe schon aus anderen Quellen erfahren das Zuschussverlage nicht seriös sein sollen.
Ich denke, es hat auch Vorzüge.
Eine Beziehung zwischen Autoren und Kritikern kann man ja gewissermaßen als Hassliebe bezeichnen. Mit Kritiken kann man schon wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Es gibt aber auch ein paar der Autoren die das gar nicht gerne haben (Narzistenquote bei Künstlern).
Ich bin mir auch sicher, das die seriösen Verlage auch ein Wörtchen zu der Geschichte mitreden. Denn schlieslich investieren Verlage ja auch bares Geld.
Der Vorteil bei Zuschussverlagen ist, das der Autor sich nicht erklären muss.
Nur sich selbst. Denn es ist ja auch sein Geld.
Wenn dem Autor sich das Risiko bewusst ist, ist das für mich in Ordnung.
Richtig unseriös wird es wenn der Autor richtig heiss gemacht wird das Geld locker zu machen. Da bin Ich auch bereit mit der Fairlaggruppe an einem Strang zu ziehen.
Auch haben Zuschussverlage den Nachteil das der Anreiz geschwächt wird das Buch auch zu vertreiben. Den der Zuschussverlag hat das Geld ja schon. Der Anreiz das Buch zu vertreiben ist nur dann da, damit der Autor wiederkommt und weiteres Geld für ein neues Buch bringt.
Zuschussverlage sind unseriös, daran kann man nichts wegdiskutieren. Überlege doch mal: Die schieben das ganze Risiko auf den Autor. D. h. denen ist es egal, ob es sich bei dem Buch um einen ernsthaften Roman oder über ein Tagebuch diverserer Toilettenbesuche handelt. Da sieht man auch gleich das Problem: Der Zuschussverlag wird kaum Anstrengungen unternehmen das Buch zu vermarkten. Wieso auch, er hat ja auch kaum was davon. Also sind selbst die Verlage, die nur eine Kostenausgleich verlangen, unseriös.
Aber die Zuschussverlage verdienen sich goldene Nasen mit der Gutgläubigkeit anderer. Man gaukelt den hoffnungsvollen "Schriftstellern" vor, ein Werk geschaffen zu haben, das nun ein Buch ist. In Wirklichkeit hat er/sie dann zwar was Gedrucktes, was er/sie selber bezahlen und dann mühevoll unters Volk bringen muss. Seriös ist sowas wirklich nicht. Und fair auch nicht.
Bevor ich sowas in Anspruch nehmen würde, würde ich meine literarischen Beiträge lieber irgendwo online stellen. Ist wesentlich billiger ;)
Da hast du völlig recht!
Im Internet ist zumindest die Chance, dass es irgendjemand liest, relativ hoch - höher jedenfalls, als wenn man mühsam die paar Bücher an den Mann bringen will.
Außerdem bekommt man da (glaube ich) auch mehr Rückmeldung, selbst wenn das Werk nur Mittelklasse ist.
Ich denke, es hat auch Vorzüge.
mhh, wenn ich ganz ehrlich bin, seh ich nicht wirklich viele Vorzüge.
Wenn man sich unbedingt veröffentlicht sehen will, gibt es doch auch andere (günstigere) Wege.
Da gibt es die Möglichkeit zum Eigenverlag, POD, diverse Dienstleisterverlage sind ebenfalls günstiger und suggerieren nicht, dass sie sich um den Absatz kümmern würden.
Bei den schwarzen Schafen wird aber explizit mit den Hoffnungen der Autoren gespielt. Da werden irrsinnige Auflagen festgesetzt, weil so ein tolles Werk verkauft sich ja quasi von alleine. Da wird einem versprochen, dass das Buch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt wird (nur in welcher Form). Da wird damit geworben, das man Kontakte zu Elke Heidenreich & Co. hätte und das Buch in diversen Sendungen besprochen würde.
Und natürlich ist man ja total von dem Buch überzeugt, nur ist ausgerechnet 5 Minuten vorher das Budget ausgegangen, so dass der Verlag ausgerechnet das Buch, was wahrscheinlich zum Weltbestseller mutiert, überhaupt nicht vorschießen kann.
Wenn dem Autor sich das Risiko bewusst ist, ist das für mich in Ordnung.
Dazu gehört aber auch, dass der Verlag auf diese Risiken (geringer Absatz, Vertrieb hauptsächlich durch den Autor, geringe oder keine Akzeptanz durch Autorenverbände, Nichtgewährung von Stipendien, etc.) aufmerksam macht.
Wenn der Verlag aufklärt und der Autor unterschreibt trotzdem, dann ist es ok (und diese Verlage sind mit der Erklärung auch nicht gemeint.)
Richtig unseriös wird es wenn der Autor richtig heiss gemacht wird das Geld locker zu machen.
Um genau diese "Vereine" geht es bei der Fairlag-Erklärung.
Bevor ich sowas in Anspruch nehmen würde, würde ich meine literarischen Beiträge lieber irgendwo online stellen. Ist wesentlich billiger
Oder, wenns denn gedruckt sein soll, einen POD-Dienstleister in Anspruch nehmen und auf Bedarf drucken...
Mad Bull
06.05.2008, 16:14
Dazu gehört aber auch, dass der Verlag auf diese Risiken (geringer Absatz, Vertrieb hauptsächlich durch den Autor, geringe oder keine Akzeptanz durch Autorenverbände, Nichtgewährung von Stipendien, etc.) aufmerksam macht.
Wenn man es generell mit Fremden zu tun hat, muss man immer damit rechnen über den Tisch gezogen zu werden. Auf die Ehrlichkeit des anderen zu bauen ist nicht immer eine gute Idee.
Adam Smith war es der die Grundlagen für die freie Marktwirtschaft geschaffen hat. Die besagt, das die Abwicklung von Geschäften aus einem gegenseitigen Ausnutzen besteht.
Es werden egoistische Ziele verfolgt, wovon die ganze Gesellschaft profitiert.
Ich bin auch ein Befürworter von Rechtschaffenheit.
Aus pragmatischen Gründen finde aber Ich die Lehre von Adam Smith besser.
Denn nicht jeder spielt fair.
Natürlich ist es populär das viele Autoren jetzt bei solchen "Geschäftsleuten" richtig die Zähne zeigen. Betrüger gehören zu der Elite der Kriminellen.
Während der Mörder in den 20Uhr Krimis die Hauptrolle spielt, ist es der Betrüger der in den Kriminalstatisken ganz weit oben steht.
Gut ist schonmal, das in diesem Thread dank treogen erwähnt wird wie diese Schlauberger arbeiten. Ich meine, Schriftsteller sind ja in der Regel schon Menschen mit einem gewissen Bildungsstand. Und selbst die werden aufs Kreuz gelegt.
Darum finde Ich es für vernünftig die unerfahrenen Schreiberlinge gründlich aufzuklären wie solche Gauner in der Regel vorgehen.
Es liefert außerdem Stoff für eine gute Geschichte.
Meine Frage: Soll zum Thema Betrug ein neuer Thread geföffnet werden?
Auf die Ehrlichkeit des anderen zu bauen ist nicht immer eine gute Idee.
Das Problem ist in dem Falle wohl, das man einen Vertrag erhält, von den man glaubt, dass er eingehalten wäre, man es aber nicht wirklich überprüfen kann. Wie überprüft man, ob das Lektorat, für das man gezahlt hat, auch wirklich ein Lektorat und nicht nur eine Rechtschreibkorrektur ist?
Wie überprüft man, ob das hochwertige Werbepaket, das man (natürlich kostenpflichtig) dazubuchen kann, auch wirklich sinnvoll ist und daraus Verkäufe generiert werden?
Wie überprüft man, ob das Versprechen auf Rezensionen in Fernsehen und großen Magazinen auch eingehalten wurde.
Es gibt da so viele Punkte, die man beachten muß (vor allem, wenn man zuzahlt).
Ich meine, Schriftsteller sind ja in der Regel schon Menschen mit einem gewissen Bildungsstand. Und selbst die werden aufs Kreuz gelegt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass sich bei manchen der rationale Menschenverstand kurzfristig verabschiedet, wenn er die netten "Annahmezeilen" liest. Bei einigen kehrt der Menschenverstand vielleicht wieder, wenn sie von 4- und 5-stelligen Beträgen lesen, bei anderen blitzen vielleicht die $-Zeichen, wenn sie lesen, dass ausgerechnet ihr Werk garantiert der neue Bestseller werden wird, wenn sie sich nur entschließen könnten, dieses Kleckerle vorzuschießen.
Meine Frage: Soll zum Thema Betrug ein neuer Thread geföffnet werden?Nö;)
Betrug im rechtlichen Sinne ist es oft vermutlich auch nicht. Die werden sich im "Kleingedruckten" schon ordentlich absichern. Marktwirtschaftliche Ausnutzung von Unerfahrenheit, würde ich es eher nennen.
Aber wenn einer viel Kohle hat und seinen Bekanntenkreis unbedingt mit seinen Machwerken erfreuen will, warum sollte es dafür nicht Dienstleister geben, die ihm genau das geben, was er haben will?
Was mich wirklich stört, sind die ganzen Jubelartikel in der Lokalpresse: "Hannah M. hat mit erst 13 Jahren ein Buch geschrieben." "Pensionierter Studiendirektor veröffentlicht seinen ersten Gedichtband", bla, bla, bla. Mindestens einmal im Monat steht sowas in der Zeitung. Klar, das kann vorkommen. Aber nicht so häufig und vor allem nicht, wenn die Bücher nie in einem Buchladen auftauchen oder bei Amazon auf Rang 999.999 - unendlich stehen. Des wegen würde ich es begrüßen, wenn sich die Presse dem Aufruf anschließen würde und Zuschußverlag-Produkte künftig auch im Lokalteil ignorieren würde. Denn sonst werden noch mehr "Eiskunstlaufeltern" (und weiß Gott, ich kenne diese Leute, sie wohnen in Scharen um mich herum*mph*) ihre Sprößlinge zum Buchschreiben quälen, da ihr Kind natürlich auch kann, was andere können. Und da ihr Kind natürlich besser ist, als andere, wird beim Zuschußverlag gleich das "Super-Komfort-Paket" im fünfstelligen Bereich gebucht. So sieht's doch aus.
Der unten von mir erwähnte Artikel war daher für mich ein positives Signal in die richtige Richtung.
Schade, dass die Presse nicht dem Bündnis beitritt:(
Wenn heute in der Westdeutschen Zeitung halbseitig im überregionalen Kulturteil über eine 15-jährige berichtet wird, die ihren Fantasy-Roman in einem DKZ-Verlag veröffentlicht hat, dann finde ich das sehr bedenklich...
Was soll das mit dem 15-jährigen. Der ist eh nicht voll Geschäftsfähig und die Eltern sollten dass zumindest beobachtet haben. Ich glaube auch nicht, dass so ein Vertrag ohne Unterschrift der Eltern zustande kommt.
Ne klar, es ging schon aus dem Artikel hervor, dass die Eltern den "Zuschuss" gezahlt haben.
Was mich stört, ist die undifferenzierte Darstellung, die den Werbebotschaften der DKZ-Verlage folgt. Im Tenor des Artikels
war es eine Leistung, dass das Mädel bei diesem Verlag angenommen wurde. Angeblich erhält der Verlag jährlich 5.000 Manuskripte, von denen bis zu 250 zum Buch werden (nämlich die, deren Autoren bereit sind, den horrenden Preis zu zahlen)
haben die Eltern nur einen "Kostenzuschuss" gezahlt, der sich "individuell nach dem Aufwand für die Herstellung des Buches" richtet. Tatsächlich sind nach meiner Recherche bei diesem Verlag mehrere Tausend Euro fällig, also weit mehr als die reinen Druckkosten
würden die Kosten einer zweite Auflage komplett vom Verlag getragen. Verschwiegen wurde allerdings, dass eine zweite Auflage so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto ist. Zwischen den Zeilen erwähnt wurde allerdings, dass der Verlag jetzt schon nichts tut, um die erste Auflage von 500(!) Stück zu vertreiben. Hierfür haben die Eltern Bekannte, Verwandte, Lehrer, Mitschüler bis hin zum Bäcker um die Ecke angesprochen, Pressemitteilungen versandt und sogar einen Termin auf der Buchmesse gemacht. Engagement im Vertrieb würde sich dieser Verlag m.W. mit weiteren Tausendern entlohnen lassen.
hat sich der Verlag auf noch unbekannte Nachwuchs-Autoren spezialisiert (haha, unbedarfte würde es wohl besser treffen)
Natürlich kann man jetzt sagen, dass es diese "Eiskunstlaufeltern" selbst schuld sind. Schenken sie ihrer Tochter statt eines Pferds halt ein eigenes Buch zu Weihnachten, so what?
Der Sinn und Zweck von "Fairlag" ist jedoch den Anfängen zu wehren. Wenn sich dieses Geschäftsmodell durchsetzt, wird es irgendwann zur Selbstverständlichkeit, dass nur noch derjenige erstveröffentlichen kann, der das Geld mitbringt, von wenigen Stipendiaten vielleicht mal abgesehen.
DKZ-Verlage sind wirtschaftlich extrem erfolgreich, ihre Bilanzen im Vergleich zu denen traditioneller Verlagshäuser goldgerändert, ein Verdrängungswettbewerb droht. Besonders perfide finde ich, das DKZ-Verlage wie das... ich nenne es jetzt mal Geldfresserchen... sogar schon Schulklassen als Kunden aquirieren, erforderliche Mindestabnahme: 750 Exemplare.
Die Presse sollte das Thema daher m.E. sensibler behandeln und den DKZ-Verlagen nicht nach dem Mund reden. Dieses Jahr habe ich bestimmt fünf oder sechs derartiger Artikel, vornehmlich im Lokalteil, entdeckt, von denen sich nur einer kritisch mit dem Thema DKZ-Verlag auseinandersetzte. Ich habe das zum Anlass genommen, den Chefredakteur der WZ anzumailen und auf die Ziele und Ideen von Fairlag hinzuweisen, auch wenn ich nicht glaube, dass das viel nutzt.
Antigone
31.12.2008, 10:13
Der Sinn und Zweck von "Fairlag" ist jedoch den Anfängen zu wehren. Wenn sich dieses Geschäftsmodell durchsetzt, wird es irgendwann zur Selbstverständlichkeit, dass nur noch derjenige erstveröffentlichen kann, der das Geld mitbringt, von wenigen Stipendiaten vielleicht mal abgesehen.
Dem kann ich mich nur anschließen. Schaut euch mal um in den diversen Schriftstellerforen. Gerade unter den jungen Autoren hält sich hartnäckig die Mär, man MÜSSTE einem Verlag IMMER war zahlen, um veröffentlicht zu werden. Und egal, wie sehr man auf sie einredet: sie glauben es einfach nicht. Und das sind nicht (nur) blauäugige Naivlinge.
Das ist sicherlich eine der Schattenseiten des Internets. Als ich begann, mich für das Schreiben zu interessieren, gab es das noch gar nicht. Aber somit wär ich auch nie auf die Idee gekommen, es gäbe Verlage, die Geld NEHMEN, anstatt es zu ZAHLEN.
lg, A.
Also ich habe mich heute hier mal umgeschaut und als ich das Fairlag-Banner unten gesehen habe, ist das Fantasy-Forum gleich mal in meiner Achtung gestiegen.
Dass sich solche "Verlage" jetzt schon an Minderjährige ranmachen, finde ich total schlimm. Ich muss nur mal denken, was ich in so einem Alter von 16 noch für Vorstellungen hatte ... Und es ist tatsächlich so, dass in einigen Jugendforen da massiv die Meinung vorherrscht, den Weg des Bezahlens zu gehen, wäre der Weg für eine erfolgreiche Autorenkarriere. Die Beiträge sind dann auch so, dass die Leute nicht generell ein Problem mit dem System haben, sondern damit, die gewünschte Summe aufzubringen. Oft gibts dann noch blauäugig gestartete Themen in der Art von: "Ich suche einen Sponsor."
(Ja, klar, die Welt ist ja voller Sponsoren, die Foren nach jugendlichen Autoren abklappern, um ohne Gegenleistung Verlagszuschüsse zu zahlen. Ich verstehe auch nicht, dass den Leuten nicht klar ist, dass dieser Vorschlag mit den Sponsoren ja auch nur dahingesagt ist - klar, egal, wohin man kommt: Es wird demjenigen logischerweise schnurzegal sein, ob man selbst, die Oma oder irgendein ominöser "Sponsor" - den man sich selbst organisieren müsste - Geld rüberwachsen lässt.)
Ich habe auch mal so was in einem Forum gelesen - von einer 14jährigen, die davon überzeugt war, den großen Wurf damit gelandet zu haben. Ich habe dann nichts drunter geschrieben, Vertrag war ja schon unterzeichnet und ich hätte nur mehr den Buhmann spielen können.
Ich würde den Eltern da auch keine "Schuld" geben, diese Unternehmen haben nun mal Argumente, die für jemanden, der sich nicht näher mit dem Literaturbetrieb beschäftigt, durchaus plausibel sind. Meine eigene Mutter, die auch normal nicht so leichtgläubig ist, hat auch mal zu mir gesagt: "Hast du gesehen, der Stand beim Eingang von der Buchmesse hat ein Schild: Manuskripte gesucht! Finde ich voll nett, dass da mal einer den Jungen eine Chance gibt."
(Das ist auch ein hartnäckiges Gerücht, dass man auf großen Buchmessen als Autor mal eben so einem Lektor am Verlagsstand sein Manuskript vorstellen kann.)
Nun, ich habe ihr dann erklärt, was für eine Art Verlag das ist und danach wars natürlich auch für sie schnell klar, dass das durchaus kein Beweis edler Gesinnung ist.
Aber gerade das ist auch so perfide, dass da teilweise suggeriert wird, dass die Eltern den Kindern da irgendwelche Chancen verbauen, wenn sie nicht zahlen. Weil ja in den Rückschreiben so getan wird, als hätte der Verlag ein zeitlich begrenztes Interesse genau an dem Manuskript - weil es so gut ist und genau das, was er gerade sucht.
Das ist auch der Unterschied zu Druckereien etc., die machen halt, was man will und zahlt. Das ist nicht so der große Unterschied, ob man jetzt Fotogrußkarten oder ein Buch drucken lässt - und es wird jetzt eben nicht die Hoffnung geweckt, dass man sich da automatisch auf dem Markt damit durchsetzt.
Und viele Eltern sind ja, wie gesagt wurde, froh, wenn das Kind kein eigenes Pferd will. Oder irgendeine neue Spielekonsole. Da wird das mit dem "eigenen Buch" (obgleich nicht ganz billig) sicher von manchen Eltern direkt als Erleichterung gesehen. Macht keinen Dreck und keinen Lärm und vielleicht bringt es ja was für die Zukunft und die Bildung des Kindes. Und immerhin besser, man kann den Verwandten, die sich nach dem Kind erkundigen, erzählen, dass es ein Buch geschrieben hat, als dass man unter Seufzen hervorbringt, dass die Noten schlecht sind und es den ganzen Tag nur am Computer hockt.
Aber da gibt es natürlich bessere Möglichkeiten, ein Kind zu fördern. Über Texte zu reden (wenn gewünscht, will natürlich auch nicht jeder Jugendliche) und Ermutigen, bei Jugendschreibwettbewerben (wobei man da heutzutage auch schon aufpassen muss) mitzumachen, bringt sicher mehr. Und für ein paar "eigene Werke" zum Angeben im Freundeskreis kann man durchaus günstig auch ein paar Einzelbücher machen lassen, wo Preis und Leistung überschaubar sind. Da brauchts nicht die ohnehin unverkäufliche, große Auflage. (Wobei es da noch das zusätzliche Problem gibt, dass es im Einzelfall schwer überprüfbar ist, ob der sg. Verlag tatsächlich so viele Exemplare wie angegeben gedruckt hat.)
Heute war es wieder so weit und die Westdeutsche Zeitung musste, diesmal auf einer halben Seite im Lokalteil, einem DKZ Verlag wieder mal das Wort reden.:rolleyes:
Da ist bei einem 13-jährigen von "Wunderkind" und "auf dem Weg zum Literaturstar" die Rede. Schließlich hat er ja schon eine Lesung seines Fantasyromas (was auch sonst?) auf der FBM hinter sich. Sogar das ZDF wäre dagewesen und in ein paar Wochen tritt er bei Menschen 2009 auf - und das alles nur, weil: Durch einen Zufall stieß XXX Mutter auf einen Verlag, der das Buch einer 14-jährigen veröffentlicht hatte, und bot den Text dort an. Noch am gleichen Tag, an dem Verlags-Chefin XXX das Buch erhielt, meldete sie sich bei XXX und sagte zu, das Buch zu verlegen.Nein, so ein Zufall. Für wieviel Euronen? Stand da nicht.
Wer wissen will, wessen Geistes Kind die Verlegerin ist, kann das auf literatina.de (http://www.literatina.de/bb3/forum/ank%C3%BCndigungen/news-infos-aus-der-b%C3%BCcherwelt/7659-von-kindern-f%C3%BCr-kinder/) nachlesen.
Was mich ärgert, ist die undifferenzierte Darstellung seitens der Presse. Meine mail hat der Chefredakteur natürlich nie beantwortet. Fairlag ist in den Redaktionen offenbar kein Thema.
denen ist es egal, ob es sich bei dem Buch um einen ernsthaften Roman oder über ein Tagebuch diverserer Toilettenbesuche handelt.
Letzteres dürfte gar nicht mal so eine kleine Zielgruppe haben :-D
Zum Thema:
Mir raubt dieses Konzept mal wieder ein weiteres Stück meines Glaubens an die Menschheit. Wie doof muss man denn bitteschön sein um sich bei der Wahl zwischen
a) Druckkosten übernehmen und den Verlag am (eventuellen) Gewinn beteiligen
b) Druckkosten übernehmen und dem Verlag den Stinkefinger zeigen
tatsächlich für a) zu entscheiden?
Irgendwem Geld für keinerlei Dienstleistung hinterherzuschmeissen ist doch dermassen far beyond, daß ich fast schon wieder eine Art perfider Bewunderung dafür entwickle, daß dieses Konzept entgegen jeglicher Logik tatsächlich in die Tat umgesetzt wurde.
Warum haben mir meine Eltern eigentlich so viel Anstand und Moral anerzogen, daß ich lieber 40 Stunden/Woche malochen gehe, anstatt mir von den Deppen dieser Welt die Schubkarren voller Penunzen vor meiner Villa anliefern zu lassen?
Heute war es wieder so weit und die Westdeutsche Zeitung musste, diesmal auf einer halben Seite im Lokalteil, einem DKZ Verlag wieder mal das Wort reden.:rolleyes:
Ich glaube es wird doch mal Zeit für meine seit geraumer Zeit angedachte DKZ-Kolumne ... *teufel*!
Ich glaube es wird doch mal Zeit für meine seit geraumer Zeit angedachte DKZ-Kolumne ... *teufel*!
Letztes Jahr wurde es nichts mehr ... aber dieses Jahr gleich als erstes:
http://www.fantasyguide.de/9814.0.html
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
Darauf hab ich schon eine ganze Weile gewartet.
Vielen Dank für diesen tollen Beitrag.
Darauf hab ich schon eine ganze Weile gewartet.
Danke :)!
Die Kolumne ist wirklich gelungen... insbesondere die Szenarios. Führen das Ganze ad absurdum und machen das Paradoxon der Zuschussverlage deutlich.
Leider fallen ja viele darauf rein.
Ich werde diese Kolumne auf jeden Fall auch mal verlinken ^^
Ich werde diese Kolumne auf jeden Fall auch mal verlinken ^^
Verlinken wo?
Bookrix. Ist so eine Community für (Möchtegern-)Autoren.
Da sind solche Verlage auch immer wieder Thema
vBulletin® v3.8.4, Copyright ©2000-2010, Jelsoft Enterprises Ltd.