Rotkätzchen
09.05.2008, 11:23
Kurzbeschreibung vom Klappentext/Amazon:
Deutschland zur Zeit von Kaiser Barbarossa: Weil sein Sohn tot geboren wurde, will Burgherr Wulfhart der jungen Hebamme Marthe Hände und Füße abschlagen lassen. Nur mit knapper Not gelingt ihr die Flucht aus dem Dorf. Um zu überleben, schließt sich das Mädchen einer Gruppe Siedler an, die ostwärts ziehen, um sich in dem noch unerschlossenen Gebiet ein neues, freies Leben aufzubauen. Angeführt werden sie von dem edlen Ritter Christian, der sofort von Marthe fasziniert ist. Doch ihre Schönheit und ihre besondere heilende Gabe haben auch die Aufmerksamkeit von Randolf erregt, Christians erbittertstem Feind ...
Bin gerade durch mit dem Roman. Allmählich muss ich feststellen, dass Historische Romane offenbar immer in ganz ähnlichen Fahrwassern schwimmen. Es gibt in dem Sinne keinen roten Faden in dem Buch, also sprich eine bestimmte Aufgabe oder ein klar definiertes Problem, das es zu lösen gilt, sondern es ist halt einfach Mittelalter angesagt. Und so treten nacheinander die verschiedensten Probleme/Sorgen/Gefühle/ Intrigen ins Leben der Heldin Marthe. Es passiert dies und das, es wird gereist, ein Dorf gegründet, Erz geschürft und mit Heilkräutern schwangeren Frauen (eine Markgräfin) und verwundeten Männern geholfen. Dazu gibt es sehr edle aber auch hundsgemeine Ritter, nette Dorffrauen und neidische, feige Dorfleute und mutige, verzogene Kinder und anständige.
Alles in allem war das Buch ein überzeugenderer Ausflug ins Mittelalter als meine kürzliche (wiederholte) Iny-Lorentz-MA-Reise. Dennoch wird auch hier mit den üblichen Stilmitteln gearbeitet: Ein junges Mädchen, deren Geschicke von einer harten Welt mal ins extrem Negative, mal ins Positive verkehrt werden. Es wird vergewaltigt, gebrandschatzt, gefoltert und aufgehängt, ich bin fast versucht zu sagen typisch Mittelalter. :rolleyes:
Das in Marthe (und anderen), die noch nicht einmal 14 Jahre alt ist, ein Mädchen von hünenhaften Rittern mehrfach vergewaltigt wird, ist schon mal etwas, was ich nicht lesen will. Die Schwarz-Weiß-Malerei wie die Charaktere aufgebaut sind (böse ist nur und immer böse, gut ist nur und immer gut und edel) gefällt mir auch nicht. Das viele von Kopf zu Kopf springen unter den Charakteren ist auch etwas, das mir nicht gefällt. Als Leser liest man mal die Gedanken dieser Person, dann wieder jener Person. Aber man kennt sie letztendlich nicht einmal von der Hauptagierenden so gut, dass man als Leser sagen könnte "Ja, diese Marthe habe ich begriffen." Völlig unverständlich zum Beispiel warum sie herumschreit, dass Christian noch lebt (obgleich sie das gar nicht wissen kann), als der böse Hartwick im Dorf seine Ansprüche erhebt. Dieses unsinnige Verhalten war scheinbar nur deshalb eingeführt, damit Marthe zur Gejagten wird und nebenbei auch ihr Zwangsangeheirateter halbwegs plausibel herausgeschrieben werden kann.
Tja, und das Fehlen eines roten Fadens ist auch nicht mein Ding, wobei dies bei Historischen Romanen ganz etabliert scheint. Es werden einfach Ereignisse aneinander gereiht, und im Zuge derer treffen die Charaktere aufeinander, trennen sich wieder, reisen hierhin und bleiben eine Weile dort. Zu gute halten muss ich Sabine Ebert, dass sie "zufällige Aufeinandertreffen" weitaus weniger strapatziert wie Iny Lorentz es tut. Da reisen die Protagonisten zwischen Böhmen, Passau und Wien hin und her und treffen so gaaaaaanz rein zufällig immer wieder und überall auf die gleichen Leute.
Es gibt auch eine Fortsetzung zur Hebamme, die heißt Die Spur der Hebamme, eine weitere Fortsetzung ist für Oktober 2008 angekündigt.
Das Ende des ersten Buches ist schließlich auch ganz klar so ausgelegt, dass eine Fortsetzung kommen muss (oder zumindest kann):
Der große, böse vergewaltigende Erzfeind des männlichen Helden Ritter Christian wird nämlich weder getötet noch eingesperrt, sonder nur für eine Weile nach Jerusalem geschickt. Und es ist natürlich klar, dass er irgendwann mit seinen vergewaltigenden Spießgesellen zurück kehren wird und wieder sein Unwesen treiben wird.
Die Fortsetzungen werde ich sicher nicht lesen. Noch mehr Vergewaltigungen, noch mehr Intrigen, noch mehr Ungerechtigkeit, noch mehr Terrorismus der Ritter gegenüber der Bauern. Das jedenfalls verraten die Kunden-Rezensionen bei Amazon. Weitere typische MA-Zutaten finden ebenfalls ihren Einsatz, Stichwort Hexenverfolgung. Seltsamerweise gab es im 12 Jahrhundert noch gar keine Hexenverfolgung, die setzte erst später ein. *eek*
Deutschland zur Zeit von Kaiser Barbarossa: Weil sein Sohn tot geboren wurde, will Burgherr Wulfhart der jungen Hebamme Marthe Hände und Füße abschlagen lassen. Nur mit knapper Not gelingt ihr die Flucht aus dem Dorf. Um zu überleben, schließt sich das Mädchen einer Gruppe Siedler an, die ostwärts ziehen, um sich in dem noch unerschlossenen Gebiet ein neues, freies Leben aufzubauen. Angeführt werden sie von dem edlen Ritter Christian, der sofort von Marthe fasziniert ist. Doch ihre Schönheit und ihre besondere heilende Gabe haben auch die Aufmerksamkeit von Randolf erregt, Christians erbittertstem Feind ...
Bin gerade durch mit dem Roman. Allmählich muss ich feststellen, dass Historische Romane offenbar immer in ganz ähnlichen Fahrwassern schwimmen. Es gibt in dem Sinne keinen roten Faden in dem Buch, also sprich eine bestimmte Aufgabe oder ein klar definiertes Problem, das es zu lösen gilt, sondern es ist halt einfach Mittelalter angesagt. Und so treten nacheinander die verschiedensten Probleme/Sorgen/Gefühle/ Intrigen ins Leben der Heldin Marthe. Es passiert dies und das, es wird gereist, ein Dorf gegründet, Erz geschürft und mit Heilkräutern schwangeren Frauen (eine Markgräfin) und verwundeten Männern geholfen. Dazu gibt es sehr edle aber auch hundsgemeine Ritter, nette Dorffrauen und neidische, feige Dorfleute und mutige, verzogene Kinder und anständige.
Alles in allem war das Buch ein überzeugenderer Ausflug ins Mittelalter als meine kürzliche (wiederholte) Iny-Lorentz-MA-Reise. Dennoch wird auch hier mit den üblichen Stilmitteln gearbeitet: Ein junges Mädchen, deren Geschicke von einer harten Welt mal ins extrem Negative, mal ins Positive verkehrt werden. Es wird vergewaltigt, gebrandschatzt, gefoltert und aufgehängt, ich bin fast versucht zu sagen typisch Mittelalter. :rolleyes:
Das in Marthe (und anderen), die noch nicht einmal 14 Jahre alt ist, ein Mädchen von hünenhaften Rittern mehrfach vergewaltigt wird, ist schon mal etwas, was ich nicht lesen will. Die Schwarz-Weiß-Malerei wie die Charaktere aufgebaut sind (böse ist nur und immer böse, gut ist nur und immer gut und edel) gefällt mir auch nicht. Das viele von Kopf zu Kopf springen unter den Charakteren ist auch etwas, das mir nicht gefällt. Als Leser liest man mal die Gedanken dieser Person, dann wieder jener Person. Aber man kennt sie letztendlich nicht einmal von der Hauptagierenden so gut, dass man als Leser sagen könnte "Ja, diese Marthe habe ich begriffen." Völlig unverständlich zum Beispiel warum sie herumschreit, dass Christian noch lebt (obgleich sie das gar nicht wissen kann), als der böse Hartwick im Dorf seine Ansprüche erhebt. Dieses unsinnige Verhalten war scheinbar nur deshalb eingeführt, damit Marthe zur Gejagten wird und nebenbei auch ihr Zwangsangeheirateter halbwegs plausibel herausgeschrieben werden kann.
Tja, und das Fehlen eines roten Fadens ist auch nicht mein Ding, wobei dies bei Historischen Romanen ganz etabliert scheint. Es werden einfach Ereignisse aneinander gereiht, und im Zuge derer treffen die Charaktere aufeinander, trennen sich wieder, reisen hierhin und bleiben eine Weile dort. Zu gute halten muss ich Sabine Ebert, dass sie "zufällige Aufeinandertreffen" weitaus weniger strapatziert wie Iny Lorentz es tut. Da reisen die Protagonisten zwischen Böhmen, Passau und Wien hin und her und treffen so gaaaaaanz rein zufällig immer wieder und überall auf die gleichen Leute.
Es gibt auch eine Fortsetzung zur Hebamme, die heißt Die Spur der Hebamme, eine weitere Fortsetzung ist für Oktober 2008 angekündigt.
Das Ende des ersten Buches ist schließlich auch ganz klar so ausgelegt, dass eine Fortsetzung kommen muss (oder zumindest kann):
Der große, böse vergewaltigende Erzfeind des männlichen Helden Ritter Christian wird nämlich weder getötet noch eingesperrt, sonder nur für eine Weile nach Jerusalem geschickt. Und es ist natürlich klar, dass er irgendwann mit seinen vergewaltigenden Spießgesellen zurück kehren wird und wieder sein Unwesen treiben wird.
Die Fortsetzungen werde ich sicher nicht lesen. Noch mehr Vergewaltigungen, noch mehr Intrigen, noch mehr Ungerechtigkeit, noch mehr Terrorismus der Ritter gegenüber der Bauern. Das jedenfalls verraten die Kunden-Rezensionen bei Amazon. Weitere typische MA-Zutaten finden ebenfalls ihren Einsatz, Stichwort Hexenverfolgung. Seltsamerweise gab es im 12 Jahrhundert noch gar keine Hexenverfolgung, die setzte erst später ein. *eek*