Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : mit Autor Martin & Maho Clauß - Die Saat der Yôkai (Seiten 098-207)
Kapitel 11-18
Japan im 8. Jahrhundert: Ein unheimlicher Schatten zieht durch das Kaiserreich und droht, es ins Chaos zu stürzen. Eine kleine Gruppe Verwegener soll dem schrecklichen Treiben Einhalt gebieten. Ihr gehört auch der Junge Hayate an, auf den das größte Abenteuer seines Lebens wartet: Er lernt bizarre Zauberwesen kennen, muss hinter Masken schauen, Feinden vertrauen und vieles revidieren, was er für wahr und richtig hielt.
Oh, wie peinlich, ich hab das Thema noch gar nicht geöffnet:o Ähm... Sry, wenn ihr auf mich warten musstet.
Sehr schön, langsam fügen sich die Handlungsstränge zusammen, nichts anderes hatte ich erwartet. Jetzt ist klar, wer die drei Onmyôji sind. Rekapitulieren wir einmal: Die in grau und braun haben dem Kaiser die Vorzüge Nagaokas gepriesen und damit Unheil über ihn gebracht. Der in veilchenfarben war der dritte, der davon abgeraten hatte, dennoch wurde er wie die anderen verbannt. Alle drei kennen das Wissen des geheimnissvollen Buches. Der im (tee-)braunen Gewand stahl die Eier/Kugeln und säte die Yôkais, der im lila Gewand gründete die Sora-no-me, um sie zu bekämpfen und der Dritte im Bunde? Er ist nun mit seinem Geisterschiff in einer weit im Norden gelegenen Eiswüste gelandet und ich bin gespannt, was er dort zu finden erhofft. Herrlich, ich mag Bücher, hinter denen eine Logik steckt, Handlungsfäden, die man beim Lesen im Hintergrund verweben muss.
Und erst diese erfrischenden Antihelden.
Ein Onmyôsei der fast gar nichts kann und obendrein auch noch in dem Moment dem Sake verfällt, als er am dringendsten benötigt wird. Fast erinnert er mich an Schmendrick aus dem letzten Einhorn, nur nicht ganz so sympathisch.
Urara, die so stumpf(sinnig) ist, dass selbst schärfste Klingen an ihr abprallen. Ein sehr interessanter Charakter. Zum einen bin ich überzeugt, dass sie viel intelligenter ist, als es den Anschein hat. Zum anderen bringt sie in ihrer hilflos naiven Art den Beschützer in mir hervor und ich kann gut nachvollziehen, dass Hayate sie nach überstandener Begegnung mit dem Gasha-Dokuro einfach nur umarmen wollte.
Überhaupt die Yôkais. So anders, als westliche Fantasy-Fabelwesen. Besonders gefallen hat mir die Vorstellung eines Lampions mit Zähnen:D. Bin mal gespannt, welch unvorstellbaren Wesen da noch auf uns zukommen. Der Papieryôkai aus Teylens Gewinnerbild würde jedenfalls wunderbar in diese Reihe passen.
Hayate hat mich nun auch überzeugt. So spitzbübisch und frech, wie er ist, wenn die Gefahr vorüber ist, so konzentriert und vernünftig ist er, wenn er sich ihr stellt. Kein Wunder, dass der "böse" teefarbene Onmyôji sich für ihn interessiert. Böse? Nun, sicher nicht, denn das entspricht nicht asiatischer Philosophie. Doch noch liegen seine Motive, Yôkai im Land zu säen, im Dunklen. Aber ich denke nicht, dass es sich dabei nur um Rache handelt. Gegen wen kämpft er, dass er so überzeugt ist, dass Hayate dereinst auf seiner Seite stehen wird?
Das Ende dieses Abschnittes hätte ich nicht besser wählen können. So ein schöner Cliffhanger. Iso ist wieder da! Ich konnte es ja schon erahnen, welche Person in einem Fischerdorf wohl die besondere Begabung erfahren würde, dennoch habe ich mich gefreut, als sie es wirklich war. Eigentlich würde ich jetzt gerne gleich weiterlesen.
Zu den "Kleinigkeiten":
Was ist eine intelligente Nase?:)
Interessant finde ich die Formulierung "an 800 Stellen", die sich zweimal im Text findet. Warum gerade 800 und nicht 1.000?
Ich hatte etwas Schwierigkeiten, mir die Brücke vorzustellen. Habe ich das richtig verstanden, der Boden war ein Netz und das "Geländer" zwei Seile?
Fazit: Weiterhin vier Sterne mit Tendenz zum fünften^^
Warin hat ja schon fast alles gesagt, bleibt wenig anzumerken ;)
Ja, "Antihelden" trifft es wirklich. Ich nenne die drei für mich den Club der Verlierer: ein unfähiger Magier, eine doofe Nuss und ein naseweises Kind. Stimmt, ich formuliere wieder mal überspitzt. Im Gegensatz zu Warin mag ich die anderen beiden viel lieber als Hayate. Er nervt :p
So langsam gewöhne ich mich an die langsame Erzählweise und die nebeneinanderlaufenden Erzählstränge. Habe ich im ersten Abschnitt die sorgfältige Sprache erwähnt? Wenn ja, dann verdient sie es, gleich nochmals gelobt zu werden.
Da fallen unnötige Beiwörter gleich unangenehm auf wie "Nein", sagte ich trotzig. (S.166) Ob die Reaktion trotzig ist oder nicht (in meinen Augen ist sie es nicht), könnt ihr getrost den LeserInnen überlassen ;) Wie ist Warins Motto? Show, don't tell.
Auch mich würde interessieren, wie man den Intelligenzgrad einer Nase misst. Darüber habe ich eine Weile meditiert, meine eigene Nase vermessen und begutachtet, eine repräsentative Umfrage innerhalb der Familie durchgeführt - Ergebnis gleich Null :D
Ich mag Gedichte... Darum habe ich mich sehr gefreut, ein besonders schönes auf Seite 181 zu lesen. Ich mag diese Kurzformen. Ich blamiere mich jetzt vielleicht, aber: Ist das ein Tanka? Ich kenne nur Tanka und Haiku als japanische Gedichtformen. Ein Haiku ist es jedenfalls nicht.
RickyLee
23.05.2008, 20:21
Also ich finde Hayate schlicht seeehr amüsant und nun, da er in Aktion tritt, mag ich ihn noch viel lieber *hayate-fan-fähnlein-wedel?*
Mir fällt auf, dass die Charaktere, ebenso wie die Landschaften im Buch, kurz, aber sehr eindrücklich skizziert werden.
Urara ist mir jedoch nicht so sympathisch... warum müssen Mädchen in Japan immer doof sein? (Ich verweise auf das Oberschülerinnen-Klischee in Mangas. Alle wunderhübsch, aber nunja... öfters ziemliche Dumpfbacken...)
Glücklicherweise häufen sich nun auch die witzigeren Stellen im Buch, noch mehr ehrwürdige Atmosphäre mit noch ehrwürdigeren Zauberern hätte ich nicht ertragen...
Auch einer der Gründe, weshalb ich zB House of flying Daggers oder den Film Shinobi nicht so sehr mag: Künstlerisch sehr hohes Niveau, aber todernst.
Weder Komödien noch diese Martial Arts Filme stellen das Leben zufriedenstellend dar: Das Leben ist sowohl ernst, als auch komisch, das sollte man auch bei hochwertiger Literatur nicht vergessen. Und mit anspruchsvoller Literatur Lach- und nicht Kummerfältchen zu zaubern, ist schwerer, als es scheint. Oder weshalb haben die alten Römer zu 70% Tragödien verfasst?
Aber ich schweife ab...
Meine komischen Favoritenstellen bisher:
Die Stelle mit dem Wasserzauber... wuhahaha XD
Sehr gefallen hat mir auch eine spezielle Beschreibung, nämlich als der "Kopf" schluckt: "Es klang, als habe er ein kleines Kriechtier zertreten." Klasse ^^
Auch die "hintenrum beschriebene" Spannerszene am Wasserfall... köstlich. Allein das Bild in meinem Kopf, wie sich Hayate, der sich ja ein wenig für etwas besseres hält und , der sich EBENFALLS für etwas besseres hält UND eigentlich der ältere von beiden ist, sich am Wasserfall treffen, hinter den Büschen versteckt...
Und dann ungefähr folgender Dialog stattfindet:
"Okay... ich hab dich nicht gesehen, du hast mich nicht gesehen..."
Hihihi
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Die Sache mit den Kleiderfarben hatte ich auch nachgeschlagen und gewisse Parallelen gezogen, aber dass teefarben = braun ist und der Onmiyoni auf dem Schiff der im grauen Gewand ist, hatte ich zwar vermutet, aber vorerst... "zur Seite gelegt".
Ich finde es allerdings echt gut, sich die Sachen hier einmal aufzuschreiben, da kommt man viel mehr in Genuss des Buches, als dass man es hinunterschlingt...
Martin & Maho Clauß
24.05.2008, 16:16
Okay, während wir eure Kommentare genießen, müssen wir wieder etwas arbeiten und einige Fragen beantworten. Aaaalso:
@ Warin:
1. Wenn es vorwitzige oder freche Nasen gibt, dann auch intelligente, nicht wahr? Kein Witz jetzt: Meinem Vater wurde einmal von einem Arzt versichert, er habe eine "intelligente Nase". Vielleicht wirft jeder mal kurz einen Blick in den Spiegel. Meine ist eher ... äh ... na ja ... krumm ist besser als dumm, oder?
2. Die Zahl 800 kommt im Roman öfters mal vor. Das ist Absicht, denn 800 steht im Japanischen für "sehr viel". In buddhistisch geprägten Ländern ist die 8 eine wichtige und Glück bringende Zahl.
3. Habe ich mich bei der Brücke schlecht ausgedrückt? Ein Netz ist nach meiner Auffassung eine Struktur aus sich regelmäßig überschneidenden und verknoteten Schnüren. Und da man auf so einer Brücke nicht frei balancieren kann, braucht man rechts und links ein Seil zum Festhalten. So was kenne ich vom Kinderspielplatz (leider nicht von einer Recherchereise;) )
@ Hathor: Jau, das ist ein Tanka. Fünf Zeilen mit 5-7-5-7-7 Silben - die Silbenzahl habe ich nicht eingehalten. Auf Deutsch kommt man damit schlecht hin.
Vielleicht wirft jeder mal kurz einen Blick in den Spiegel. Meine ist eher ... äh ... na ja ... krumm ist besser als dumm, oder?same with me:)
2. Die Zahl 800 kommt im Roman öfters mal vor. Das ist Absicht, denn 800 steht im Japanischen für "sehr viel". In buddhistisch geprägten Ländern ist die 8 eine wichtige und Glück bringende Zahl.ah, deshalb, danke für die Info, genau so was habe ich vermutet.
3. Habe ich mich bei der Brücke schlecht ausgedrückt?Nein, überhaupt nicht, ich hab's ja dann doch richtig verstanden. Ich kenne von Spielplätzen allerdings nur Wackelbrücken (wo also miteinander verbundene Holzlatten als "Steg" dienen) oder dicke Taue mit zwei Seilen links und rechts als Geländer. So'n Netzteil ist mir noch nicht untergekommen, so habe ich es mir allerdings anhand der Beschreibung vorgestellt.
Das Schriftzeichen im Hintergrund ist das "yô" von "yôkai" und bedeutet ungefähr "dämonisch, unheimlich", in speziellen Zusammensetzungen auch "verführerisch". Letztere Bedeutung hat mit unserem Roman natürlich nichts zu tun. Wer ruft da "leider"?Wirklich nicht? Iso kommt mir stellenweise, zumindest für Hayate, schon ziemlich verführerisch vor*grins*
Wenn es vorwitzige oder freche Nasen gibt, dann auch intelligente, nicht wahr? Kein Witz jetzt: Meinem Vater wurde einmal von einem Arzt versichert, er habe eine "intelligente Nase".
Was eigentlich nur zweierlei beweist:
es gibt auch sprachlich unbegabte Ärzte
der Arzt deines Vaters ist so einer - oder ein Witzbold :D
Entschuldigt, wenn ich auf einer Nase rumreite, aber die Argumentation kann ich einfach nicht so stehen und schon gar nicht gelten lassen. Nasen können groß, klein, dick, knollig, spitz, zart, schön, hässlich, hübsch, auffällig, winzig, riesig, klassisch, braun, blass, schwarz, gerötet, sonnenverbrannt, gerade, krumm, gebrochen sein. Meinetwegen sogar auch vorwitzig, frech oder lustig anzusehen.
Aber intelligent? Dann müsste es auch dumme, gebildete, dämliche, naturblöde, kluge oder grenzdebile Nasen geben :D
Du kannst gerne sagen:
Hathor ist intelligent. Aber wenn du sagst: Hathor hat eine intelligente Nase, erhebe ich Einspruch.
Du darfst auch sagen:
Hathor ist dumm. Aber ich wehre mich dagegen, wenn du sagt: Hathor hat eine dumme Nase :p
Martin & Maho Clauß
25.05.2008, 12:23
Hathor, deine Argumentation ist absolut korrekt, und es spricht für deine Sprachbeherrschung, wenn du über solche Formulierungen stolperst. In diesem Fall ist es aber eine bewusst gewählte poetische Freiheit (parallel zu "freches Stupsnäschen", "entschlossenes Kinn", "sinnliche Lippen", etc.), kein Versehen. Es bleibt letztlich Geschmackssache, ob man solche sprachlichen Ungezogenheiten mag oder nicht. Ich freue mich meistens, wenn ich so etwas lese, stimme dir aber zu, dass man vorsichtig damit sein muss.
Tja, dann beenden wir die Nasendiskussion wohl an dieser Stelle ;) Eigentlich wollte ich sie gar nicht so vertiefen. Aber wenn es keine anderen Kritikpunkte gibt, klammert man sich eben an jede Nase...
Um langsam wieder in ernsthafteres Fahrwasser zu kommen: endlich erkenne ich, dass euer Buch eine ganz hübsche Portion Humor enthält. Mehr dazu aber in der Besprechung des dritten Abschnitts.
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