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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Hitzkammer - von Wolf Serno


Rotkätzchen
15.05.2008, 11:10
So! Nach etlichen mehr oder minderen Enttäuschungen in Sachen "Historische Romane" habe ich mit Die Hitzkammer (wurde in einer späteren Auflage in Die Hexenkammer umbenannt) endlich mal wieder ein Buch gefunden, das ich vorbehaltlos empfehlen kann.

Kurzbeschreibung aus der Amazonredaktion:

Der Alchemist Lapidius ist der Einzige, der der jungen Kräuterhändlerin Freyja helfen kann. Das schwer kranke Mädchen ist der Hexerei angeklagt, und Lapidius bleibt nicht viel Zeit, die Unschuld seines Schützlings zu beweisen ... Kirchrode im Harz im Jahre 1547: Hier wird der Alchemist Lapidius um medizinische Hilfe in einem diffizilen Fall gebeten. Das junge Kräuterweib Freyja Säckler, das der Hexerei angeklagt wird, ist unter der Folter zusammengebrochen. Lapidius ahnt, dass Freyja mit der Syphilis infiziert ist, die in jenen Tagen ganz Europa wie eine Seuche überzieht. Lapidius ist nicht nur überzeugt, dass die junge Frau zu Unrecht angeklagt ist, er weiß auch, wie er sie heilen kann: durch eine Kur in seiner Hitzkammer. Man gewährt ihm drei Wochen, doch die Zeit wird knapp, als Frauenleichen gefunden werden, in deren Körper Freyjas Initialen eingeritzt sind ...

Wie soll ich sagen... das Buch und seine Geschichte wirkte einfach authentisch auf mich! Hier wird nichts reinem Zufall oder schicksalhafter Willkür überlassen (wie bei Iny Lorentz), der Autor Wolf Serno erzählt seine Geschichte spannend und zu jedem Zeitpunkt verständlich - verständlich sowohl was die Gemütsbewegungen der Figuren angeht als auch in den Schlussfolgerungen, die der Alchemist Lapidius aufwirft. Ich fand es sehr faszinierend, wie dieser Alchemist mit vergleichbar primitiven Mitteln mehr oder weniger Leichen obduziert und daraus seine Schlüsse zieht. Die Spannung kommt auch nicht zu kurz. Das Buch fühlte sich einfach "echt" an, nicht gekünstelt auf böse Intrigen und tapfere Mädchen geeicht, wo seltsamste Zufallsereignisse aneinander gereiht werden (wie ich es mittlerweile ausreichend genug von Iny Lorentz kenne).

Wer mal Lust verspüren sollte ins Deutschland des 16 Jhds. einzutauchen, nach Kirchrode im Harz, wo finstere Teufelsschergen ihr Unwesen treiben, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen.

Ollowain
23.05.2008, 12:34
XD Der erste und einzige historische Roman, den ich je gelesen habe.

Ich fand ihn sehr gut geschrieben und vor allem spannend. Außerdem war er... durchgeplant, aber so, dass man nicht schon am Anfang wusste, was passieren wird.
Erschienen ist er ja, wenn ich mich recht erinnere vor ein paar Jahren - bevor sich dieser Mittelalterromanerausch entwickelte, bzw. in seinen Anfängen.

Rotkätzchen
23.05.2008, 17:53
Ja, stimmt, das Buch hat schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und ist demnach auch nicht in diesem Rausch entstanden. Diesem Rausch von Mittelalterromanen ist es vermutlich dann auch zu verdanken, warum das Buch später in Die Hexenkammer umbetitelt worden ist. Denn solche Schlagwörter wie HEXEN hatten dann plötzlich Publikum. :rolleyes: ò.ó

Naja, dieser Rausch legt sich bereits, habe ich das Gefühl, und das finde ich auch gar nicht schlecht. In letzter Zeit habe ich mehrere gelesen, aber wirklich gut oder interessant waren wenige. Sobald so ein Boom abgeklungen ist, kann man sich wenigstens drauf verlassen, dass veröffentlichte Bücher auch wirklich Qualität haben und nicht einfach in irgenwelchen Fahrwassern mitschwimmen.

Hathor
22.11.2009, 19:12
Ich habe das Buch unter dem neuen Titel erworden und nun endlich gelesen, nachdem es wochenlang geduldig auf dem SUB gewartet hat:

Hexenjagd im Harz
Kirchrode im Harz im Jahre 1547: Die Kräuterhändlerin Freyja steht unter einem schrecklichen Verdacht. Sie ist der Hexerei angeklagt. Dem zudem schwer kranken Mädchen kann nur einer helfen: der Alchemist Lapidius, der sie bei sich aufnimmt, um eine neue Heilmethode an ihr auszuprobieren. Er hat nicht viel Zeit, die Unschuld seines Schützlings zu beweisen ...

Ich kann mich Rotkätzchens Rezension nur anschließen. Auch ich fand Wolf Sernos Buch sehr gut und freue mich, endlich wieder einmal einen guten historischen Roman gelesen zu haben. Die Handlung und die Charaktere wirken authentisch. Schon sehr rasch kommt Spannung auf, die bis zum Schluss gehalten wird und dann noch eine Überraschung bereithält.

Manchmal musste ich schon schlucken bei der drastischen Schilderungen der "Obduktionen".
Sowohl Meister Lapidius als auch Freya Säckler sind interessante, sympathische Charaktere, die aber auch ihre Schattenseiten haben. Gut so, denn ich kann diese "glatten" Protagonisten, die alles wissen und können, nicht leiden.

Die Umbenennung von "Hitzkammer" in "Hexenkammer" mag ja verkaufsfördernd sein, aber ich finde sie überflüssig wie einen Kropf.