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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Krimi- und Thriller-Literatur


Rotkätzchen
15.05.2008, 18:55
Da ich aufgrund des Ohne ein Wort-Threads weiß, dass es noch andere Krimileser unter den hiesigen Fantasy-Freunden gibt, dachte ich mal, es wäre vielleicht ganz angebracht, einen allgemeinen Thriller-Thread zu eröffnen. Ich lese immer wieder mal welche zwischendurch, um mich geistig wieder aus Vampirgruften und Fantasy-Welten herauszuhieven. Man will nicht irgendwo mal stecken bleiben. ;)

Was ich z. B. sehr gerne lese, sind die Island-Krimis von Arnaldur Indridasson. Sie haben einen ganz besonderen Charme, der mir gefällt. Island an sich ist mit ca. 350.000 Einwohnern ohnehin ziemlich überschaubar, und so verhält es sich auch mit den Institutionen und Einrichtungen. Sowas wie Universitäten, wissenschaftliche Einrichtungen, Theater und Kriminallabors, all das findet sich in Reykjavik zusammen, was ebenso auch für die Schattenseiten gilt, vom organisierten Verbrechen bis hin zu Einzeltätern. Kommissar Erlendur hat es mir angetan. Er ist Anfang 50 und führt eigentlich ein ziemlich ramponiertes Leben. Er ist kein Alkoholiker, aber trinkt zuviel, seine geschiedene Frau hingegen IST Alkoholikerin und ihr gemeinsamer Sohn hat denselben Weg eingeschlagen. Die Tochter ist drogenabhängig und hat auch immer wieder Rückfälle, was dann auch eine Totgeburt nach sich zieht. Erlendur weiß, dass er als Vater ziemlich versagt hat, tut deshalb jetzt alles für seine Tochter und vergräbt sich natürlich auch in seine Arbeit.
Indridasson erzählt beharrlich und ohne Eile. Action ist sehr selten und man vermisst sie auch nicht. Wäre sogar oftmals völlig Fehl am Platz. Man fühlt sich teilweise richtig anwesend, auf dieser grünen Insel, auf der "Hektik" noch klein geschrieben wird und sich die Menschen pauschal duzen. Mein Fave: Der Tote von Nordermoor.

Ansonsten lese ich auch gerne Donna Leon, weil ich die Kulisse von Venedig sehr mag. Auch bei Donna Leon wären wilde Schießereien oder Autojagden fast schon undenkbar. Sie würden einfach nicht passen. Es sind Geschichten über polizeiliche Ermittlungsarbeit, wobei auch das Privatleben von Commissario Brunetti und seiner Familie immer wieder darin eine Rolle spielt.

Vor ein paar Wochen habe ich auch mal einen Henning Mankell gelesen, es war mein erster. Die fünfte Frau ist der deutsche Titel. Nun ja, ich war ein wenig enttäuscht, ehrlich gesagt. Die Geschichte ist zwar schon ganz interessant mit den Verbindungen zu schwedischen Söldnereinheiten und einem Mord bzw. einem Verschwinden das Jahrzehnte zurück liegt, aber gepackt hat mich das ganze dann doch nicht. Streckenweise hat sich das alles ein wenig gezogen. Naja, ich glaub ich bleib vorerst den Isen und Italienern treu. :D

Aber ich bin auch immer aufgeschlossen für Neues.

Yovril Vandros
15.05.2008, 19:31
Also ich lese auch ganz gerne Krimis und Thriller. Zum Besispiel fand ich die Bücher von Adam Fawer ("Null" und "Gnosis") recht spannend. Zwar stellenweise abstrus, aber spannend. Von Mankell habe ich "Vor dem Frost" gelesen. Das hat mich schon ziemlich gefesselt. Dabei geht es um eine Extremsekte in Schweden.

Ein für Fantasyfans witziger Krimi ist "Glenkill" von Leonie Swann . Dabei geht es um die Aufklärung des Todes eines Schäfers durch dessen Schafherde (aus der Sicht der Schafherde).

Zur Zeit lese ich den "Kirschblütenmord" Laura Joh Rowland. Dabei handelt es sich um einen Krimi im alten Edo. Ich bin da erst am Anfang und kann darüber noch nicht soviel sagen.

Liathano
15.05.2008, 20:09
Krimis lese ich nur noch selten, irgendwie finde ich, dass sich 90% einfach irgendwo ähneln.

Wer mal einen netten Mix aus Fantasy, Historienschinken und Krimi lesen will, dem sei Komplott der Zauberer von Gordon Randall Garrett empfohlen.

Nett ist auch der Fantasykrimi Ghosts in Snow von Tamara S. Jones - jedenfalls was ich bisher davon gelesen hab.

Ansonsten hab ich mal Ian Rankin und Mankell angetestet, war aber nicht begeistert.

Yovril Vandros
15.05.2008, 20:14
Ich habe da noch ein paar die Mischung aus Fantasy und Krimi sind:

Druidenblut von Esther Friesner

die dangerous Journey-Krimis (Mythus) von Gary Gygax:

Die Anubis-Morde
Die Lösung von Samarkand
Tod in Dehli

Hathor
15.05.2008, 20:16
*freu* Was für ein schönes Thema. Ich bin auch eine begeisterte Krimilesern und entdecke immer wieder Neues.

Eigentlich wäre es schön, für den einen oder anderen Autor sogar einen eigenen Thread zu eröffnen und diesen hier als Übersichtsthread zu haben... Wärst du damit einverstanden, Rotkätzchen?

Gerade Arnaldur Indridason hätte sich was eigenes verdient ;) Ich liebe alle seine Romane und warte immer sehnsüchitg auf den nächsten. Mir gefällt diese wunderbare Mischung aus Landschaftsbeschreibung, Spannung und tollen Charakteren.

Auch Hakan Nesser gehört zu meinen Favoriten. Auch von ihm habe ich alles gelesen, was in TB-Form erhältlich ist.

Donna Leon... ich habe mal zwei Romane gelesen. Ich glaube Aqua Alta und Feine Freunde. Da ich davon weniger begeistert war, habe ich eine Weile diese Autorin linkd liegen gelassen. Bis ich Verschwiegene Kanäle geschenkt bekam... Kennt jemand dieses Buch? Es gehört für mich zum Eindrucksvollsten, was ich je in diesem Genre gelesen habe.

Ab und zu mag ich auch was von Inger Frimansson (irgendwie gewöhnungsbedürftig, aber interessant) und Viktor Arnar Ingólfsson (noch ein Isländer, der schreiben kann).

Meine neueste Entdeckung ist jedoch ein Norweger, der mich vom ersten Satz an begeistert hat: Jo Nesbo. Noch ein Kommissar mit Ecken und Kanten und einem faszinierenden Privatleben.

Henning Mankell wiederum mag ich gar nicht besonders. Ich kenne zwar nur die Rückkehr des Tanzlehrers - den Roman fand ich gar nicht ansprechend. Mit Mankells Schreibstil konnte ich mich nicht anfreunden.

Nejira
15.05.2008, 21:02
Im Gegensatz zu Hathor liebe ich Henning Mankell. Besonders für Schweden-Fans (wie mich ^^) sind die Krimis schon fast ein Muss.
(Das soll keine Kritik an dir sein Hathor, jeder hat schließlich seinen eigenen Geschmak. Ich dagegen bin kein Fan von Arnaldur Indridason. :D)

Sehr gut finde ich auch die Krimis von Karen Slaughter. Meiner Meinung nach sehr spannend geschrieben - und der Konflikt mit dem Ex- bzw. Wieder-Ehemann ist immer nett.

Sehr sehr lesenswert finde ich auch Der Schwarm von Frank Schätzing - aber darüber gibt es ja schon einen eigenen Thread.

Ein anderes Buch, das das Attribut Thriller absolut verdient ist "Game over" von Philip Kerr. (Ein hochmodernes Gebäude wird komplett von einem Computer gesteuert - bis der plötzlich nicht mehr funktioniert wie er sollte und mit den Personen im Gebäude "10 kleine Negerlein" spielt. Ich war sehr sehr zittrig, nachdem ich das Buch fertig hatte!) Auch sein Buch "Das Wittgenstein Programm" ist sehr spannend (hier geht das ganze mehr auf die Psycho-Philosophische-Schiene). Andere Bücher habe ich von ihm noch nicht gelesen.

Meine absolute Lieblingsautorin im Bereich Krimi ist und bleibt Elisabeth George. Die Krimis von ihr sind zwar ziemliche Shinken, aber trotzdem nie langweilig. Das Verbrechen wird dabei nicht nur von Seiten der Ermittler betrachtet, sondern auch Angehörige und (scheinbar) Unbeteiligte werden für den Leser quasi "seelisch durchleuchtet". Am Ende, hat man einen guten Einblick in die Psyche aller Charaktere - und kann sogar die Motive des Mörders nachvollziehen.

Rotkätzchen
15.05.2008, 23:19
Eigentlich wäre es schön, für den einen oder anderen Autor sogar einen eigenen Thread zu eröffnen und diesen hier als Übersichtsthread zu haben... Wärst du damit einverstanden, Rotkätzchen?

Ja, logisch, und wie!! :D

Ich wusste nur nicht recht, inwieweit Krimis hier überhaupt Anklang finden, daher habe ich mal einen ganz allgemeinen Thread angefangen.

nyx
16.05.2008, 00:24
Ich lese auch ab und an einen schönen Krimi, wobei ich solche die in England spielen noch am meisten mag. Elisabeth George steht somit ziemlich weit oben auf meiner Liste, obwohl sie ja eigentlich Amerikanierin ist, Ann Granger finde ich auch wirklich gut, vor allem die Markby und Mitchell Reihe und das Neuste von ihr "Wer sich in Gefahr begibt" fand ich auch super. Diese Buch vereint nämlich Krimi und historischen Roman in sich, da er im London des 19. Jh, spielt. Und da ich auch ein Fan von historsichen Schmökern bin (Iny Lorentz' Bücher mal ausgenommen), ist das natürlich die perfekte Mischung für mich. "Tod und Teufel" von Frank Schätzing, ein Krimi der im mittelalterlichen Köln spielt, finde ich auch sehr gut und empfehlenswert, da der Fall recht spannend ist und das Setting stimmt. Überhaupt bin ich ein Freund von Büchern, die die beiden Genres miteinander vereinen.

Von Arnaldur Indridason hab ich auch schon ein paar Krimis gelesen, mich spricht sein Schreibstil - wie eigentlich der der meisten Skandinavier - jetzt nicht so besonders an. Mag an der Sprache bzw. der Übersetzung liegen, abre mir kamen die Sätze immer recht knapp vor. Jedenfalls nichts, was mich jetzt begeistert hätte.

Rotkätzchen
16.05.2008, 10:46
Apropos England... da fällt mir Fuchsjagd von Minette Walters ein. Ich habe vorher ehrlich gesagt noch nie von ihr gehört, aber sie scheint eine der Top-Krimi-Autoren des Empires zu sein.

Aus der Amazon.de-Redaktion:

Geheimnisse, Getratsche und mysteriöse alte englische Gesetze: Verschiedene Handlungsstränge kombiniert die Meisterin des fesselnden Unterhaltungsromans zu einer packenden Story. Ein kleines Dorf, ein reicher Gutsbesitzer, dessen Frau offenbar ermordet wurde, und eine Handvoll Menschen, die etwas ganz anderes sagen, als sie denken...

Es ist schon eine Weile her, dass ich das Buch gelesen habe, deshalb sind mir die Ereignisse nicht mehr so ganz präsent. Ich weiß aber noch, dass ich sehr angetan war, sowohl von der Auflösung als auch vom "Weg", der dahin führt. Es ist eine sehr vielschichtige Story um Stadtstreicher, die zu Landbesetzern werden (Stichwort "Aussitzen"), einem verbitterten Gutsherrn eines abgelegenen "Dorfes" mit nur 4 oder 5 Häusern und einer jungen Frau, deren Geschicke mit dem Shenstead Manor irgendwie verflochten scheint. Interessant ist hierbei, dass es eigentlich lange Zeit gar keinen richtigen "Fall" gibt. Somit sind es auch keine Polizisten, die hier Ermittlungen anstellen. Der "Ermittler" (falls man das so nennen kann) ist der Anwalt und Freund des älteren Gutsherrn, dessen Frau kürzlich auf seltsame Art und Weise verstorben war. Ich fands toll.

Nightfarer
16.05.2008, 11:46
Welches Buch ich auch sehr gut fand, war:

Mark T. Sullivan - Toxic

Kurzbeschreibung
Detective Sergeant Seamus Moynihan steht vor dem spektakulärsten
Fall seiner Karriere. Er hat drei Mordfälle aufzuklären, Männer im besten Alter, die nackt ans Bett gefesselt wurden und am Gift einer der tödlichsten Schlangen der Welt starben. Was steckt dahinter?

Der Killer hinterlässt jedes Mal eine Botschaft am Tatort. Die Schlange als Instrument der Verführung? Welches Feuer lodert in den Adern des Killers, dass er seine Opfer auf so archaische Weise brutal zu Tode foltert?

Je mehr Moynihan hinter die wahren Beweggründe des Killers blickt, umso gefährlicher wird es auch für ihn selbst.

Liathano
16.05.2008, 12:17
[...], Ann Granger finde ich auch wirklich gut, vor allem die Markby und Mitchell Reihe und das Neuste von ihr "Wer sich in Gefahr begibt" fand ich auch super.
[...] "Tod und Teufel" von Frank Schätzing, ein Krimi der im mittelalterlichen Köln spielt, finde ich auch sehr gut und empfehlenswert, da der Fall recht spannend ist und das Setting stimmt.

Ann Granger wollte ich auch mal ausprobieren. Kann man in ihre Reihen problemlos irgendwo einsteigen? Oder könntest du ein gutes Einstiegsbuch empfehlen?

"Tod und Teufel" sowie "Der Schwarm" liegen noch auf dem SUB, da bin ich mal gespannt.

Schön fand ich auch "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" von Peter Høeg.

nyx
16.05.2008, 13:34
Apropos England... da fällt mir Fuchsjagd von Minette Walters ein. Ich habe vorher ehrlich gesagt noch nie von ihr gehört, aber sie scheint eine der Top-Krimi-Autoren des Empires zu sein.
Oh, dear, wie konnte ich Minette Walters bloß vergessen?! *eek*
Dabei hat sie eins meiner Lieblingsbücher geschrieben, nämlich "Die Schandmaske". Andere Bücher waren dann aber nicht mehr so toll. Jedenfalls nicht die, die ich erwischt habe.

Nun ja, von Ann Granger habe ich nocht nicht so wahnsinnig viel gelesen, von der Fran Varady-Reihe habe ich zum Beispiel noch nichts ausprobiert. Ich habe mit besagtem "Wer sich in Gefahr" begibt angefangen und dann mit Markby und Mitchell weitergemacht, da es von dem historischen Krams keine Fortsetzung gibt, jedenfalls noch nicht. Zu Markby und Mitchell muss man sagen, dass sich eine Beziehung zwischen den beiden entwickelt, die sich durch die Reihe zieht. Die Fälle sind aber immer abgeschlossen, d.h. man könnte auch mittendrin anfangen.

Hat schonmal jemand was von Anne Perry gelesen? Die soll ja auch recht gut sein.

Hathor
16.05.2008, 13:52
Minette Walters kenne ich bisher nur dem Namen nach. Aber euren positiven Kommentaren nach sollte ich mal was von ihr lesen.

Von Ian Pears gibt es einen ganz phantastischen Krimi: Die makellose Täuschung. Auch hier ein perfekter Mix von großer Erzählkunst und Spannung.

Auch Gillian White schreibt ganz passabel. Ein unheimlicher Gast und Der Nachmieter habe ich mit großem Vergnügen gelesen.

John Grisham dagegen... ich mochte ihn mal sehr. Inzwischen wiederholt er sich in meinen Augen dauernd und bringt nichts Originelles mehr zuwege.

Und an dieser Stelle ziehe ich meinen Hut (bildlich gesprochen natürlich ;) ) vor der Großmeisterin der Krimischriftstellerinnen: Dorothy Sayers. Englischer und perfekter gehts kaum... Besonders Der Glocken Schlag ist mir in bester Erinnerung.

ExLibris
19.05.2008, 10:13
Zum Thema Krimi fällt mir natürlich Agatha Christie ein! Ich finde sie darf in der Aufzählung nicht fehlen. Ihre Miss Marple und ihr Hercule Poirot wurden einfach zu Kultfiguren, auch wenn man nur die Filme gesehen hat. Die bekanntesten sind wohl: Tod auf dem Nil, Mord im Orientexpress oder 16 Uhr 50 ab Paddington. Peter Ustinov war einfach sehr sehenswert! :p

Yovril Vandros
19.05.2008, 10:49
Na, dann sollten wir auch nicht den Meister vergessen: Arthur Canon Doyle. Von Holmes und Watson hat wohl jeder schon einmal gehört. Ich finde die Geschichten Klasse.

Zu dem von mir angegebenen Buch Druidenblut eine kurze Anmerkung. Letztendlich ist es ein Sherlock Holmes Roman, in einer Parallelwelt in der es Magie gibt (gut die Namen sind auch anders).

Rotkätzchen
19.05.2008, 11:32
John Grisham dagegen... ich mochte ihn mal sehr. Inzwischen wiederholt er sich in meinen Augen dauernd und bringt nichts Originelles mehr zuwege.

Grisham, o ja. Ich kenne Das Urteil und Die Liste und fand beides klasse.

David Baldacci - hab von ihm bislang 3 Bücher gelesen, wobei im Moment nur einer der Titel einfällt: Die Verschwörung.

Die Thriller spielen allesamt in den USA. Mir gefällt daran, dass Baldacci ziemlich skrupellos mit Einrichtungen wie die CIA oder gelegentlich auch mal FBI umgeht. In zwei der drei Büchern ging es grob umschrieben um gefährliche Machenschaften in höchsten Kreisen des amerikanischen Militärs und der Geheimdienste.

Liathano
19.05.2008, 20:05
Im Moment lese ich Sarkophag von Walter Laufenberg. Hatte ich als Rezensionsexemplar bekommen und war erst skeptisch, da sich der Plot nach typischer Verschwörungsgeschichte/die-Kirche-ist-so-böse anhörte, wie es sie im Moment haufenweise gibt und die alle im Kielwasser von "Sakrileg" schwimmen (und der hat mich schon nicht umgeworfen).
Allerdings bin ich doch positiv überrascht - der Stil ist erfrischend prägnant und das ganze liest sich nicht wirklich satirisch, aber eben wie ein Krimi, der sich und seine Protagonisten nicht ganz so ernst nimmt.

Kennt jemand die "Tante Dimity" (http://www.amazon.de/Tante-Dimity-geheimnisvolle-Blanvalet-Taschenb%C3%BCcher/dp/3442368561)-Krimis von Nancy Atherton und kann dazu was sagen?

Rotkätzchen
04.06.2008, 16:15
Ich habe vor kurzem zwei Bücher von Val McDermid gelesen: "Ein kalter Strom" und "Echo einer Winternacht"

Beides war tolle Unterhaltung.

"Ein kalter Strom" besticht durch die mehrschichtige Geschichte. Zum einen geht es um einen Killer, der es auf Psychologen abgesehen hat und als Frachterkapitän auf den europäischen Wasserstraßen unterwegs ist, zum anderen geht es um das organisierte Verbrechen, einem Schleuser- und Schmuglerring, der von Berlin aus operiert. Eine wichtige Rolle spielen bei all dem Kriminalbeamte sowohl aus England, Deutschland und den Niederlanden. Man erhält ein wenig Einblick, wie die Polizeiinstanzen zusammen arbeiten können und wie nicht. Zuletzt wird es dann ziemlich hart, aber konsequent. Fesselnd.

"Echo einer Winternacht" beginnt mit vier Studenten, die beim nächtlichen Nachhauseweg ein sterbendes Mädchen im Schnee finden. Lange Zeit werden sie verdächtigt, das Verbrechen begangen zu haben, doch nachgewiesen konnte es ihnen nicht werden. Als Leser kann man sich nie ganz sicher sein, ob nicht vielleicht doch einer der vier etwas damit zu tun hatte. Die eigentliche Geschichte spielt dann erst 25 Jahre später, als einer von ihnen einem merkwürdigen Unfall zum Opfer fällt. Faszinierend fand ich, dass die Auflösung (also wer der Täter war) eigentlich von Anfang an völlig auf der Hand lag. Aber weil man als geschulter Leser und Papierdetektiv eher geneigt ist, nach schwierigsten Möglichkeiten und Lösungsansätzen zu suchen, wäre ich auf diese vollkommen einfache und ins Gesicht stechende Lösung nie gekommen. ;)

Hathor
04.06.2008, 19:49
Ich habe mit großem Vergnügen zwei Krimis von Volker Klüpfel und Michael Kobr gelesen: Milchgeld und Seegrund.

Mit Kluftinger haben die Autoren einen Kommissar geschaffen, der regional sicher Kultstaus erreichen wird. Vor allem im Allgäu :D
Die Autoren verstehen ihr Handwerk.

Ich fand beide Bände sehr spannend (Seegrund noch ein bisschen mehr als Milchgeld), mir gefiel, dass das Ermittlerteam "anders" ist und sich schon auch mal gewaltig irren kann. Aber Klufti packt's dann scho...Priml! :D

Rotkätzchen
10.06.2008, 12:29
Das Schweigen der Lämmer - von Thomas Harris

Von dem Film mit Anthony Hopkins und Jodie Foster hat wahrscheinlich schon jeder mal was gehört. Ich habe mir jetzt auch das Buch dazu besorgt, und was ich bislang sagen kann, ist, dass die Verfilmung dem Buch bisher sehr ähnlich ist. Für mich ist das eine interessante Erfahrung, denn normalerweise kennt man das Buch ja VOR einer Verfilmung. Der Film (hab ihn vor Jahren gesehen) ist bisweilen sehr verstörend und diese Atmosphäre, diesen abgrundtiefen Grundtenor, bringt auch das Buch rüber. Bei (bislang) einer Gelegenheit durfte der Leser sogar in Dr. Lecters Gedankenwelt eintauchen, was ich aber nicht so geglückt empfand. Der Charakter hat dadurch an Unheimlichkeit bzw. Undurchschaubarkeit verloren. Andererseits hat der davon ohnehin so viel, dass ein Bisschen nicht schadet. ;)

Nach der Lektüre brauche ich auf jeden Fall wieder leichtere Kost.

ExLibris
10.06.2008, 14:55
Vor Jahren hab ich den ersten Teil der Hannibal-Bücher gelesen: "Roter Drache". Und ich war begeistert! Den Film hab ich allerdings nicht gesehen.
Von "Schweigen der Lämmer" kenn ich wiederum nur die brilliante Verfilmung. Mittlerweile wurden ja alle vier Bücher verfilmt.

Rotkätzchen
10.06.2008, 17:10
Von den anderen Romanen kenne ich nicht mal die Filme. Ob ich noch weitere Lecter-Romane lesen werde, weiß ich im Moment auch noch nicht. Es ist schon ganz faszinierend, aber mir doch ein Stückchen zu morbid. Wobei "morbid" vielleicht nicht richtig gewählt ist, da ich morbide Vampirstorys wiederum sehr mag. Aber Lecter ist schon ein Fall für sich. Seinen Charakter verstehe ich aber auch wieterhin nicht. Gut, er ist ja auch ein Psychopath. Trotzdem fällt mir keine Lösung zu so manchem Widerspruch ein: Einerseits ist er ein Taktiker, ein Analytiker, beharrlich, berechnend, manipulierend. Und dann aber wird geschildert, er habe vor einigen Jahren eine Mitarbeiterin der Anstalt angefallen und sie dabei schwer verstümmelt. Warum hat er das getan? Er musste gewusst haben, dass er nicht aus dem Sicherheits-Trakt fliehen könnte, also warum hat dieser brilliante Taktiker das getan? Er muss doch gewusst haben, dass er dadurch sämtliche Annehmlichkeiten in seiner Zelle verlieren würde. Es scheint mir einfach nicht zu seiner sonst so berechnenden Art zu passen. X.X

ExLibris
11.06.2008, 08:20
Stimmt irgendwie. Aber wenn man es so betrachtet, könnte man sich auch fragen, warum er überhaupt tötet. Er müsste ja schon wissen, dass er nicht davon kommt. Agentin Starling fragt ihn ja auch, warum er seine analytische Gabe, nicht auf sich selbst anwenden kann. Ich glaube die Geschichte baut ganz bewusst zu einem großen Teil auf diesen Widerspruch auf. Einerseits ist Lecter intelligent und berechnend, andererseits ist er eben doch ein Mörder, der seine psychopathischen Triebe nicht kontrollieren kann.
Sicher nichts für schwache Nerven, und danach braucht man wieder etwas leichtere Lektüre.

Hathor
11.06.2008, 08:58
Hier könnte man eine Diskussion darüber beginnen, ob und inwieweit Mörder, besonders Triebmörder, intelligent sind. Für mich ist Hannibal Lecter nicht intelligent...
Er ist ein völlig amoralischer Täter, der raubtierhaft seinen Bedürfnissen folgt.

Ich habe sowohl Roter Drache als auch das Schweigen der Lämmer gelesen und war von Hannibal Lecter sehr abgestoßen. Vielleicht mochte ich deshalb auch die Bücher nicht, weil ich immer das Gefühl hatte, Thomas Harris wolle aus dem Mörder eine Art Opfer machen.

ExLibris
11.06.2008, 10:04
Hier könnte man eine Diskussion darüber beginnen, ob und inwieweit Mörder, besonders Triebmörder, intelligent sind. Für mich ist Hannibal Lecter nicht intelligent...
Er ist ein völlig amoralischer Täter, der raubtierhaft seinen Bedürfnissen folgt.
Das eine muss das andere ja nicht ausschießen. Jemanden als intelligent zu bezeichnen ist ja nicht automatisch eine Sympathiebekundung. Wenn es nach dem IQ geht, sind tatsächlich sehr viele Serientäter durchaus intelligent. Genau das macht es ja so furchteinflößend. Mir würden da schon einige nationale Bsp. einfallen.

Vielleicht mochte ich deshalb auch die Bücher nicht, weil ich immer das Gefühl hatte, Thomas Harris wolle aus dem Mörder eine Art Opfer machen.
Den Eindruck hatte ich allerdings überhaupt nicht. Sonst hätte ich das Buch wohl auch nicht gemocht.

Rotkätzchen
11.06.2008, 10:56
Den Eindruck hatte ich allerdings überhaupt nicht. Sonst hätte ich das Buch wohl auch nicht gemocht.
Aber gibts nicht auch noch ein viertes Buch (oder bloß einen vierten Film), der Lecters Jugend betrachtet? Ohne es gelesen oder gesehen zu haben, liegt die Vermutung doch ziemlich nahe, dass der Autor die Motive seines Antihelden begründen und vielleicht sogar rechtfertigen möchte.

Bin jetzt übrigends fertig damit (gestrn um Mitternacht ausgelesen). Ich muss sagen, es war sehr spannend, aber auch sehr verstörend. Am gruseligsten ist vor allem Lecters kultivierte Sprache und Ausdruck, weil es scheinbar ein Widerspruch zu seinem bestialischen Gemüt ist.

Ja, ich glaube an diesem bewussten Aufbau auf Widersprüchen ist eine Menge dran, ExLibris.

Rotkätzchen
24.06.2008, 10:46
Ich habe kürzlich mit Nachts in der Stadt von Gerald Kersh (*1911 / +1968) begonnen. Mir wurde der Autor als absoluter Geheimtipp empfohlen, darum habe ich da mal zugeschlagen. Ich finde das Buch bislang allerdings ziemlich... naja... UNmitreißerisch. Dabei klingen die Zutaten ganz interessant: Das London der Dreißiger Jahre und Hauptperson ist kein Detektiv oder Polizist, sondern ein Kleinganove, der sich mit Gaunereien über Wasser hält. Irgendwie kommt da aber gar nichts in Fahrt.

Zugute halten muss ich, dass der Autor sehr atmosphärisch beschreibt, allerdings ist mir das Teilweise schon wieder zu viel. Wenn der Protagonist ein Lokal betritt, muss ich nicht unbedingt wissen, wie die anderen 22 Gäste darin gekleidet sind und mit wem sie sich gerade unterhalten. Der Roman mag sehr stilecht und milieugetreu geschrieben sein, das ganze wirkt auch auf den Leser ein, aber pardon, ich versuche es noch eine Weile, aber wenn es nicht besser wird, lese ich nicht weiter. Die Atmosphäre ist okay, aber Handlung kommt einfach nicht voran. Da braucht es 50 Seiten bis der Protagonist einen Mann zum Gespräch stellt, denn er vorher beschattet hat. Dazwischen gabs ein paar Wortwechsel mit anderen Typen und ein paar Ortswechsel, aber letzten Endes dauerte es 50 Seiten bis der Protagonist endlich das tat, was er sich 50 Seiten früher vorgenommen hat. Und was er dann tut und wie er ihn erpresst, ist auch nicht unbedingt originell. Vielleicht liegt es daran, dass der Krimi schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, aber das Geniale darin vermag ich bislang leider nicht zu erkennen. *nein*

bisou
25.06.2008, 14:15
Frank Schätzing - Mordhunger

Mordshunger haben sie alle. Inka von Barneck auf Sex, Fritz von Barneck auf Geld und noch mehr Geld, Max Hartmann auf die Rolle seines Lebens, Romanus Cüpper auf alles, was essbar ist, und die Löwen im Kölner Zoo auf Abwechslung. Dann ist Inka plötzlich tot, und alle bekommen ihren Willen. Nur ganz anders, als sie dachten. Mit 15 Rezepten von mordsguten Kölner Küchenchefs.


Das habe ich vor kurzem gelesen, danach sofort die Verfilmung angeschaut. Und ich muss sagen, dass ich vom Film von vorn bis hinten enttäuscht war. Das Buch ist wirklich superklasse und spannend noch dazu, aber den Film habe ich nach knapp der Hälfte ausgemacht, weil er wirklich ziemlich schlecht war.
Zum Buch: Frank Schätzing hat Mordshunger 1996 geschrieben, lange bevor er wirklich zum Starautor wurde.

Schön erzählt, der Schreibstil begeistert mich einfach und die Ideen bleiben nicht aus. Spannung ist von Anfang bis Ende - jedenfalls sehe ich das so. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, so gut hat es mir gefallen.
Wer also auf Krimis steht, dem kann ich dieses Werk nur wärmstens ans Herz legen. Es lohnt sich wirklich.*ja*

***

Ich weiß, wirklich bewandelt bin ich in diesem Genre noch nicht, doch mich haben einige wenige Bücher, die ich mir von meiner Mutter geliehen hatte, wirklich begeistert.
Der Schwarm, ich muss zugeben, ich bin nicht mal bis zur 100. Seite gekommen, hat mir im Grundsatz auch sehr gut gefallen, doch hatte ich zu der Zeit, als ich begonnen habe, es zu lesen, nicht genügend Konzentration aufbringen können. In den Sommerferien versuche ich es nochmal, dann kommt in den passenden Tread natürlich noch meine Rezension.

***

Btw, hat jemand von euch Illuminati gelesen? Auch bei diesem Buch bin ich nicht bis ans Ende gekommen, aber die Schilderungen sind einfach WOW! Ne super Idee finde ich, bin gespannt wie es weiter geht. :o

Liebe Grüße

nyx
25.06.2008, 14:25
Ich habe mehrere von Dan Browns Werken gelesen, darunter auch Illuminati. Ich habe allerdings nie verstanden, warum diese Bücher als der Thriller-Knaller schlechthin verkauft wurden. Ich mein, spannend geschrieben sind sie, keine Frage, aber bei Dan Brown braucht man nur ein Buch lesen und weiß, wie alle anderen enden. Popcorn-Kino in Buchformat, meine Meinung nach.

Kepheus
27.06.2008, 00:37
Bisous Betrachtungen über "Mordshunger" kann ich mich anschließen, es ist wirklich klasse. Hier stimmt so gut wie alles, es gibt sympathische Charaktere, eine spannende Handlung, witzige, interessante, verrückte Ideen...
Die Handlung ist spannend, wie Bisou schon sagte, mit vielen netten Details gewürzt und in bester Krimimanier kann man miträtseln, wer der Täter ist, was einem jedoch durch den einen oder anderen Plot-Twist erschwert wird.
Es ist eines der Bücher, das ich dem Autor "abkaufe", man merkt, dass der Autor Spaß an der Sache hatte, ebenso wie man merkt, dass dem Autor der Schauplatz des Buches, nämlich Köln, am Herzen liegt.

Den Film fande ich nicht schlecht, allerdings auch nicht gut, die Schauspieler wurden meiner Meinung den Charakteren nicht gerecht und irgendwie hat mir auch die Stimmung, die ich beim Lesen empfand, teilweise gefehlt.

Zum guten Dan Brown:
Mit "Illuminati" hat er zweifellos das Genre oder Subgenre oder wie auch immer des Wissenschafts und Bibelthrillers in Kombination begründet, weshalb das Buch wohl oft als "Thrillerknaller" betrachtet wird.
Ich fand es von den Ideen toll, von der Umsetzung aber nicht perfekt (dieAntimatierieexplosion gefolgt vom Sprung aus einem Hubschrauber, nur gebremst durch eine Abdeckplanewerde ich ihm wohl nie verzeihen).
Ich habe alle Bücher von ihm gelesen, wobei ich Diabolus am schlechtesten fand und die anderen ungefähr gleich. Ich denke, dass es sich lohnt, mal was von ihm zu lesen, denn was man auch über ihn sagen will, Ideen hat der Mann. Wer allerdings literarischen Hochgenuss erwartet, sollte sich woanders umschauen, denn Dan Brown schreibt, und da schließe ich mich Nyx an, die so treffend formulierte, "Popcornkino im Buchformat".

Hathor
27.06.2008, 21:04
Ja, ich kenne die Thriller von Dan Brown auch. Illuminati fand ich enorm spannend und gleichzeitig unterhaltsam und informativ. Die Rätsel mit den Anagrammen gefielen mir, auch die Geheimnisse, die angeblich im Vatikan gehütete werden. Zu der Zeit, als ich Illuminati las, gab es noch keine so arge Vatikan-Verschwörungstheorie-Romane, die Dan Browns Buch nachfolgten. Und nicht nur andere kopieren Dan Brown. Auch Dan Brown selber ;)

Auch ich fand den Schluss von Illuminati schrecklich. Das ganze Buch über dachte ich: Ja, könnte vielleicht passiert sein. Aber diese Dämlichkeit am Ende ist bloß unwahrscheinlich und ärgerlich. Irgendwie schade. In dieser Beziehung hat Dan Brown Ähnlichkeit mit Stephen King: beide verstehen es sehr gut Spannung aufzubauen und haben einen mitreißenden Erzählstil. Aber beide schwächeln manchmal ziemlich, wenn es an den Schluss des Romans geht.

nyx
27.06.2008, 22:58
Leider hat es Dan Brown wohl zu einer Art "Tradition" gemacht, seine Bücher so enden zu lassen. Ich meine jedenfalls die Art von Ende nicht nur in Illuminati, sondern auch in Sakrileg gelesen zu haben. Ich fands auch ziemlich schlecht. :rolleyes:

Rotkätzchen
02.07.2008, 17:42
Auch wenn es vermutlich keine große Rolle spielt, muss ich meinen vorherigen Kommentar zu Gerald Kershs "Nachts in der Stadt" noch einmal revidieren. Ich habe das Buch nun doch zu Ende gelesen und weiß nun, dass ich schlicht und ergreifend von falschen Voraussetzungen ausging, als ich mit dem Buch zu lesen begonnen habe. Nun ja, mein Fehler. Man solte eben doch erst nach der letzten Seite eine Rezi schreiben. ;)

Jedenfalls, ich hatte einen Krimi erwartet mit evtl. einem Mordfall und Ermittlungsarbeit. Bekommen habe ich das aber nicht und verstand lange Zeit nicht, weshalb. Somit begründete sich meine Enttäuschung. Die aber ist nun nicht mehr existent. Ich bereue es mitnichten, das Buch gelesen zu haben. Es ist kein klassischer Krimi, nein. Den Titus "Krimi" bekam das Buch wohl weil es sich um durchweg kriminelle Kreise handelt, in denen die Protagonisten wandeln, hier im London der Dreißiger Jahre.

Wenn ich nun mal den Krimi-Titus vergesse und das Buch als eine Mileu- und Charakterstudie nehme, dann fällt meine Beurteilung deutlich positiver aus. Sogar sehr positiv. Es war mir deshalb ein Bedürfnis, das hier nochmal richtig zu stellen. Meine erste Rezi war nicht objektiv. Als Mileustudie ist das Buch sehr gut. Die Charaktere sind tiefgründig und absolut glaubwürdig. Geschmacklich lese ich zwar lieber klassische Krimis mit Polizeiarbeit und Tralala, aber auch dieses Buch konnte mich irgendwann fesseln. Es ist eine zu keinem Zeitpunkt heitere Geschichte, sondern eine Vermischung von Schicksalen, die alle einer ungewissen Zukunft entgegenstreben. Es gibt kein Schwarz und Weiß, aber insgesamt doch mehr Dunkeltöne. Zerbrochene Träume, Selbstbetrug, Selbsterniedrigung, Lebenserkenntnisse... all das sind Gesichtspunkte, die darin bei den Figuren zu tragen kommen: Ein rücksichtsloser schmieriger Kleinganove und Hochstapler - ein Kellner, der Bildhauern will - Eine Hostess, die von ihrem eigenen Laden träumt - eine andere, der nur das kurze Vergnügen eines Kaufrausches etwas bedeutet - ein Nachtclubbesitzer, dessen Freundin durchbrennt - und noch ein paar beteiligte Geschäftemacher und Ganoven. Es war sehr intensiv, all die Leute unweigerlich dem Abgrund näher treiben zu lesen. Ein vergleichbares Buch habe ich noch nicht gelesen, daher fehlt mir der Vergleich. Wie gesagt: Mileustudie und Charakterspiel, weniger Kriminalroman.

So. Danke fürs lesen. ;)
Es war mir ein kleines Bedürfnis, das der Fairness halber klar zu stellen.

Hathor
06.07.2008, 10:46
Ich habe gerade wieder einen Krimi von Jo Nesbø beendet:

Harry Holes zweiter Fall: In Bangkok wurde der norwegische Botschafter ermordet. Hole soll die thailändische Polizei unterstützen und taucht tief ein in die Unterwelt einer Stadt, in der Moral und Gesetz keine Rolle spielen. Dabei findet er mehr über den Ermordeten heraus, als seinen Vorgesetzten lieb ist...


Dummerweise habe ich die Harry-Hole-Reihe mit dem fünften Band begonnen, dann den dritten und der hier ist der zweite. Irgendwie schade, aber nicht mehr zu ändern. Falls ihr jedoch auch mal dran denkt, die Reihe zu lesen, dann fangt mit dem ersten Band an, dem Fledermausmann.

Jo Nesbøs Schreibstil gefällt mir, und ich schätze ihn ebenso hoch wie Håkan Nesser und fast so wie Arnaldur Indriðason. Allerdings ascheint Kakerlaken noch nicht so ausgereift zu sein wie Das fünfte Zeichen. Ich finde es schön, wenn sich Autoren entwickeln und mit ihnen ihre Charaktere an Tiefe und Vielschichtigkeit gewinnen.
Bei den Werken Nesbøs fällt mir auf, dass sie thematisch immer recht brisante Themen aufgreifen und die Ermittler zu Methoden greifen, die nicht immer so ganz legal sind. Also nichts für Leute, die Kommissare mit blütenweißer Weste bevorzugen.

Die Cover der Nesbø-Krimis gefallen mir, vor allem auch, weil sie einen einheitlichen und ein wenig anderen Stil haben. Allerdings leider keine einheitliche Größe, was mich schon ein wenig stört.

Rotkätzchen
09.07.2008, 16:59
Interessanter Tipp, muss ich mir mal vormerken. Ich sehe schon, es gibt da offensichtlich noch viele Krimi-Urwälder, die ich durchforsten muss, um diverse Perlen aufzuspüren. ;)

Ich habe gerade Tod in Verona von Timothy Holme ausgelesen. Ehrlich gesagt, gekauft habe ich mir das Buch wegen der Stadt Verona im Titel, da ich einen kleinen Faible für italienische Städte und deren Aura habe. Hier aber habe ich weitgehend vergeblich danach gesucht. Italienische Namen und Gerichte vermitteln noch lange keinen italienischen Flair. Trotz Schauplätze um den Gardasee wollte bei mir kein Bisschen Bella Italia aufkommen. Die Geschichte fand ich auch irgendwie lieblos erzählt. Es gab ein paar gefährliche Situationen, die der Hauptermittler zu bewältigen hatte, aber es war bei jeder Silbe klar, dass er sowieso überleben würde. Von Spannung kann daher kaum die Rede sein.

Ich hatte auch irgendwie den Eindruck, dass der Autor mit Italien und seinen Bewohnern in gewissem Sinne abrechnen wollte. So kommt mehrfach zutage, dass sich Norditaliener und Süditaliener gegenseitig nicht leiden können, fast bezeichnender aber ist, dass der Eindruck entsteht, es gäbe dort nur neofaschistische Anhänger oder dann eben Anhänger der kommunistischen, roten Brigarden. Holme zeigt hier ein sehr korruptes und extremes Italien, fanatische Polit-Kämpfer beider Extreme, die sich gegenseitig umbringen. Wir Deutschen bekommen nebenbei auch unser Fett weg (was bei dem Thema ja zu erwarten war).

Zuletzt erfährt man auch, dass der Polizeiapperat voller Faschisten scheint, die von noch höherer Stelle gedeckt werden. Wäre das ganze wenigstens in eine interessante Geschichte verpackt gewesen, würde ich drüber wegsehen, aber das ist nicht der Fall.

Obgleich es mich nicht fesseln konnte, habe ich das Buch zu Ende gelesen, da es auch nicht sonderlich dick ist. Außerdem breche ich Bücher nur höchst ungern ab, das passiert nur in Extremfällen.

Donna Leon bekommt den Italien-Flair jedenfalls bedeutend besser hin. Ihr neues Buch soll ja nicht so toll sein. Kennt das zufällig schon jemand?

Ich werde mich jetzt mal auf ein paar hier genannte Empfehlungen einlassen. Außerdem habe ich mir vorgenommen, mich mal unter deutschen Krimi-Autoren und Schauplätzen umzusehen. Kann ja nicht sein, das gute Krimikost nur aus dem Ausland kommen kann. ;)

Rotkätzchen
14.07.2008, 16:18
Also bei Fantasy- und SciFi-Kost darf es gern mal an allen Ecken und Enden krachen. Aber bei Krimis bevorzuge ich eher die beharrliche Art wie sie Arnaldur Indridason oder Donna Leon zu vermitteln wissen. Ich habe mich gefreut, nun auch mal einen deutschen Krimi gefunden zu haben, der diesen meinen Ansprüchen gerecht geworden ist: Die Akte Einbeck von Jürgen Ebertowski
Kurzbeschreibung von Amazon:
Der japanische Banker Ken Tadayama kommt anlässlich eines Manageraustauschprogramms für ein Jahr nach Einbeck. Im "Brodhaus" am Marktplatz lernt er die Vorzüge des bekannten Einbecker Biers zu schätzen. Zu einer geselligen Runde, die sich dort immer wieder zusammenfindet, gehört auch Rudolph Schulz, Speditionsunternehmer und Sparkassenkunde, dessen Firma seit Monaten vor dem Bankrott steht. Als kurz nach Tadayamas Eintreffen Schulz von einem Tag auf den anderen statt drückender Schulden das Problem hat, wie er zweihunderttausend Euro gewinnbringend anlegen soll, beginnt das große Rätseln über den plötzlichen Geldsegen.

Willem van Graat, ein holländischer Geschäftsmann, ist bei Schulz eingestiegen. Der Landkreis und die Stadt Einbeck, immer auf der Suche nach potenten Investoren, lassen die bürokratischen Mühlen im Schnellgang rotieren. Mit der Kapitalspritze des Holländers kann Schulz sein Unternehmen grundlegend modernisieren und in atemberaubendem Tempo umstrukturieren.


Ich habe schon mit dem Gedanken gespielt, für diesen kleinen aber sehr feinen Krimi einen eigenen Thread zu eröffnen, aber zu viele Krimi-Threads haben in einem Fantasy-Forum ja nun auch nichts zu suchen. ;)

Nun denn: Auf 200 Seiten wird hier eine überzeugende Handlung um Wirtschaftskriminalität, Schmuggel und Geldfälschung erzählt. Es gibt viel Lokalkolorit, dazu glaubhafte Figuren, die glaubhaft handeln. Interessant auch, dass es hier keine Detektive oder Polizisten sind, die die Ermittlungen vorantreiben, sondern die Mitarbeiter der Einbecker Sparkasse mitsamt ihrem japanischen Austauschkollegen. Inwieweit solche Austauschprogramme üblich sind, sei mal dahingestellt, es macht jedenfalls Spaß die beharrlich aber stimmigen Entwicklung zu folgen, die immer mehr Ungereimtheiten im Treiben einer örtlichen Speditonsfirma und ihrer vermeintlichen Verbindung zum organisierten Verbrechen ergründet. Es gibt einen kurzen Abstecher nach Istanbul und noch einen ausgedehnteren nach Tokio, ansonsten spielt sich alles in und um der kleinen Stadt Einbeck in Niedersachsen ab.

Ohne viel Federlesens kann ich diesen Krimi auf jeden Fall vorbehaltlos empfehlen. *cool*

Hathor
15.07.2008, 12:09
A propos deutsche Krimiautoren...

Soeben beendet:

Elisabeth, Herrmann - Das Kindermädchen

Joachim Vernau ist ganz oben in der Berliner Gesellschaft angekommen. Er steht kurz davor, in die wohlhabende und einflussreiche Familie der von Zernikows einzuheiraten, nicht ahnend, dass ihre Ehrbarkeit nicht viel mehr als Fassade ist. Als eine ukrainische Frau auftaucht und behauptet, die von Zernikows hätten im Zweiten Weltkrieg eine Zwangsarbeiterin als Kindermädchen beschäftigt, lässt das Familienoberhaupt sie kurzerhand rauswerfen. Wenig später wird die Frau ermordet...

Das Thema finde ich wichtig und interessant. Elisabeth Herrmann schreibt sehr spannend und lebendig. Aber leider verzettelt und verbeißt sie sich in Nebensächlichkeiten wie langwierige Verfolgungsjagden und Intrigen. Viel mehr hätten mich die Hintergründe und der weitere Verlauf des Schicksals der Zwangsarbeiterinnen interessiert. Zudem ist leider der Hauptcharakter ziemlich unsympathisch und auch farblos. Wie überflächlich er von einer Beziehung zur nächsten schlittert, wie ungerührt er lange gehütete Geheimnisse aufdeckt - dass er permenent in Lebensgefahr schwebte, ließ mich da im Gegenzug völlig kalt.

Irgendwie schade: ein spannendes und bewegendes Thema wurde hier mehr oder weniger verbraten. Unterm Strich bleibt ein Durchschnittsbuch.

sueño
15.07.2008, 23:46
Ich oute mich dann auch mal als "Henning Mankell schrecklich Finder". Sowas depressives und schlechtgelauntes liest man nicht alle Tage. Das beste, um sich gute Laune vom Leib zu schaffen seit Hermann Hesse.

Ich empfehle dafür die wenigen Bücher von Bernhard Schlink. Genau, der mit dem "Vorleser". Schlink pflegt einen sprachlich sehr ausgefeilten, "knappen" Stil, der mir ungemein zusagt. Gute Krimis schreiben ja schon nicht alle, die es versuchen, sprachlichen Stil entwickeln die wenigsten. Der hat´s.

Haramis
18.07.2008, 12:51
Heute früh habe ich Tannöd fertig gelesen und bin begeistert. Ich finde, dieses Buch hat den Deutschen Krimipreis wirklich verdient.

„Tannöd" ist ein beeindruckendes Debüt. Vordergründig erzählt Autorin Andrea Maria Schenkel von einer Familientragödie: Alle Bewohner eines einsam gelegenen Bauernhofes werden erschlagen aufgefunden. Was in eine Ermittlung mit viel Lokalkolorit nebst kauzigem Ermittler hätte münden können, wird für den Zuhörer zu einem Protokoll der ganz besonderen Art. Scheinbar neutral wird der Ablauf der Geschehnisse rekonstruiert, eingestreut sind Originalaussagen zahlreicher Dorfbewohner. Je nachdem, wie eng die Befragten mit dem Verbrechen konfrontiert wurden, fließen aber auch Emotionen in die Zeugenaussagen ein. Für den Zuhörer ergibt sich eine Mördersuche der ganz besonderen Art, denn unter jenen, die befragt werden, ist auch der Mörder, der auf brutale Weise Rache genommen hat. Ein fesselndes und ungewöhnliches Krimihörbuch.

Mich hat vor allem der Schreibstil begeistert.
Auch die Atmosphäre, die geschildert wird (tiefstes Bayern in den 1950), finde ich packend. Ich denke, es ist sehr authentisch. Wirkt dadurch und durch die Verwendung gesprochener Sprache (bayrisch angehaucht) grausam. Vielleicht, weil es mir nicht komplett fremd erschien.

Aber auch die Enthüllung menschlicher Abgründe hat mich durchaus ergriffen.

Rotkätzchen
18.07.2008, 13:16
Tannöd habe ich auch gelesen. Und es gefiel mir nach einer Weile sehr gut. Der Einstieg in diese Erzählform fiel mir schwer, aber irgendwann war ich davon gefesselt.

Absolut enttäuscht war ich dann von Schenkels Nachfolger "Kalteis". Da wird versucht, den bekannten Erzählstil noch weiter auszuschmücken und neue Facetten (brutale Grausamkeiten) einzuflechten. Das Ergebnis empfand ich trotz guter Kritiken ganz hundsmiserabel. Vorhersehbar und langweilig.

Hathor
18.07.2008, 15:45
@Haramis: ISBN-13 funktioniert leider nicht. Wenn du in Zukunft ISBN-10 nimmst, dann klappts auch mit dem Link ;)

Kennt hier eigentlich jemand die Krimis von Andreas Franz? Ich habe ein paar seiner Werke gelesen, aber dann damit aufgehört. Immer wieder dasselbe Strickmuster und dieselben Themen... Irgendwie...menschenhandel, Kindesmissbrauch, Organhandel, illegale Prostitution. Und das immer in höchsten Politkreisen.
Und besonders nervig finde ich seine Kommissarin Julia Durant, eine arge Proletin, die zwar Verbrechen aufklärt, aber sonst ziemlich unsympathisch ist. Sie plaudert Dienstgeheimnisse aus, isst dauernd Salamibrote und Dosen-Tomatensuppe *schüttel*, raucht wie ein Schlot, behandelt ihre Liebhaber wie Dreck und wundert sich auch noch, wenn sich jeder bald wieder verabschiedet.

Haramis
18.07.2008, 17:11
@Hathor
Ups, da habe ich die falsche ISBN Nummer erwischt ... :o
Werde das gleich mal ändern. :)

Edit: Sehe gerade, du hast das schon erledigt. Danke! :)

Kain
21.07.2008, 14:03
Die Journalistin Kyra Berg ist vom Feuilleton des Berliner Morgen in das Ressort Mord- und Totschlag gewechselt. Während sie an einer Serie über Berliner Mörderinnen arbeitet, macht sich in der Hauptstadt eine ganz besondere Art der Kopflosigkeit breit -- dem Rumpf des Chefredakteurs gesellt sich bald die schädellose Leiche eines Bibliotheksangestellten in Rente hinzu. Ein Mörder, der es auf Kulturschaffende abgesehen hat?
Dabei hat Kyra Berg mit ihrem Privatleben bereits genug Probleme. Der liebenswerte, aber etwas dickliche Kollege Franz Pawlak rückt ihr doch zu sehr auf die Pelle. Und an die Liebesnacht mit dem ausnehmend hübschen Kellner kann sie sich überhaupt nicht mehr erinnern. Von dem Abenteuer mit dem großmäuligen Töchterchen des verschiedenen Chefredakteurs ganz zu schweigen...


Ich habe gerade die Hirnkönigin von Thea Dorn gelesen und bin ehrlich gesagt nicht so begeistert. Am Anfang noch recht interessant, wird die Handlung immer abstruser. Die Autorin hat versucht viele falsche Fährten zu legen, aber ich konnte recht schnell durchschauen, dass es so nicht gewesen sein konnte. Die Handlung war für mich irgendwie an den Haaren herbeigezogen und viele Protagonisten handelten höchst unlogisch. Die Mordszenen und das Denken der Mörderin hatten irgendwie etwas surreales was eher verwirrt hat. Bei der Beschreibung der Taten kommt auch recht hoher Ekelfaktor auf, also nichts für zarte Gemüter. Recht nervig fand ich die ständigen Anspielungen und Erwähnungen der griechischen Mythologie und Philosophie von vielen Charakteren, das ganze wirkte eher affektiert, so als wollte man dem ganzen unbedingt einen intellektuellen anstrich geben.
Das Mordmotiv ist sicher ein interessantes Thema, wurde hier aber zu platt präsentiert. Der Sprachstil war auch sehr durchwachsen, hin und wieder vulgärer Gassenslang und dann wieder elitär wenn die Griechen ins Spiel kamen. Also meinen Geschmack hat dieser Krimi/Thriller nicht getroffen.

Warin
21.07.2008, 22:50
Mit Kluftinger haben die Autoren einen Kommissar geschaffen, der regional sicher Kultstaus erreichen wird. Was heißt regional?

Meine Frau hat ihre Kluftinger im ganzen Haus verstreut, sogar auf dem Klo liegt einer:) Ich glaube, den 4. Band "Laienspiel" hat sie inzwischen auch verschlungen, wenn ich's richtig verstanden habe, gehts darin wohl um einen Anschlag auf ein EM-Spiel in Insbruck;)

Hathor
25.07.2008, 10:44
Meine Frau hat ihre Kluftinger im ganzen Haus verstreut, sogar auf dem Klo liegt einer:) Ich glaube, den 4. Band "Laienspiel" hat sie inzwischen auch verschlungen, wenn ich's richtig verstanden habe, gehts darin wohl um einen Anschlag auf ein EM-Spiel in Insbruck;)

Liebe Grüße an deine Frau. Sag ihr, das sei priml, dass sie den Klufti auch mag :D

Kennt jemand den Kindersammler von Sabine Thiesler?

Anne und ihr Mann Harald erleben den Albtraum aller Eltern: Während eines Toscana-Urlaubs verschwindet ihr Kind beim Spielen spurlos. Die Suche der Polizei verläuft ergebnislos, und sie müssen ohne ihren Sohn nach Hause fahren. Zehn Jahre später kehrt Anne an den Ort des Geschehens zurück, um herauszufinden, was damals passiert ist. Sie ahnt nicht, wie nah sie dem Täter kommt - und er ihr

Ein Pageturner erster Güte. Sabine Thiesler versteht es, Spannung aufzubauen und zu halten. Soweit sie Einblick in die Psyche einzelner Charaktere gibt, gelingt ihr das vortrefflich. Auch die Schilderung der Grausamkeiten wurde nicht unnötig ausgewalzt. Das meiste spielt sich in der Phantasie des Lesers ab. Und das ist schon schlimm genug.

Was (noch) nicht so ganz Thieslers Stärke zu sein scheint, ist die Logik. Ich konnte den abrupten Wechsel des Schauplatzes überhaupt nicht nachvollziehen, ebensowenig die Motive des Täters.

Wenn man diese kleinen Schwächen nachsieht, ist dieses Buch eine Empfehlung wert. Ein feines Stück deutscher Krimi-Literatur.

Hathor
29.07.2008, 20:27
Ich habe wieder ein kleines Juwel der englischen Krimiliteratur entdeckt:

Peter Robinson, Wenn die Dunkelheit fällt


In Wenn die Dunkelheit fällt soll Alan Banks in einem Fall ermitteln, der anfangs bereits aufgeklärt zu sein scheint: Bei einer Routineangelegenheit waren zwei seiner Kollegen auf ein Haus gestoßen, in dessen Keller sie die Leichen mehrerer entsetzlich misshandelter junger Frauen fanden. Aber ist der Lehrer Terry Payne, der mit seiner Frau Lucy dort wohnt, wirklich der Täter? Und wie ist Lucy, ein offensichtliches Opfer häuslicher Gewalt, selbst in den Fall verwickelt?


Wieder ein Ermittler so ganz nach meinem Geschmack. Alan Banks macht Fehler, irrt sich und kommt doch zum Ziel, ist liebenswert, unsicher und bringt sein chaotisches Privatleben nicht auf die Reihe. Teilweise ist die Handlung ziemlich hart. Aber Peter Robinson erzählt so, dass die Handlung immer intensiver und spannender wird.

Hathor
07.08.2008, 19:14
Die letzte Nacht habe ich mir mit dem Lesen meines ersten Romans von Minette Walters um die Ohren geschlagen:

Die Schandmaske Als Mathilda Gillespie im Badezimmer ihres Landsitzes im kleinen englischen Ort Fontwell gefunden wird, ist sie bereits zwei Tage tot. Ihrer Ärztin Sarah Blakeney bietet sich ein grauenhafter Anblick, denn über Mathildas Kopf ist ein rostiger Metallkäfig gestülpt - eine mittelalterliche Schandmaske, die auch noch mit einem grotesken Blumenschmuck versehen ist. Die Polizei und die Familie vermuten einen Selbstmord hinter diesem bizarren Tod, doch als sich herausstellt, daß Mathilda ihre Ärztin zur Alleinerbin bestimmt hat, gerät Sarah unter schweren Mordverdacht. Ein Schlüssel zu der geheimnisumwitterten Vergangenheit der von vielen gehassten Frau könnte ihr Tagebuch sein. Doch Mathildas höchst private Bekenntnisse sind spurlos verschwunden...

Ich gebe zu, dass ich um diese Autorin aus einem sehr seltsamen Grund einen Bogen gemacht habe: mir war dieser Vorname zuwider, der klang so nach Kitsch, Tussitum und Rosamund Pilcher.

Weit daneben! Minette Walters ist eine wirklich sehr gute Autorin, die es versteht, den Leser neugierig, die Charaktere interessant und die Atmosphäre authentisch zu machen.

Schade nur, dass es keine weiteren Werke zu geben scheint, in denen die Blakeneys vorkommen und/oder Sergeant Cooper ermittelt. Oder doch?

nyx
09.08.2008, 17:17
Ich glaube, Die Schandmaske ist der einzige Krimi mit den Blakeneys (leider). Ich finde das Buch auch sehr gut, es ist eines meiner Lieblingskrimis. Danach habe ich noch eine ganze Reihe anderer Krmis von Walters gelesen, an Die Schandmaske kommt imho aber keines mehr so ganz ran.

Rotkätzchen
19.08.2008, 17:43
Mal was ganz zwiespältiges, zumindest für mich:

Kurzbeschreibung aus Amazon:
Frank Balenger kommt nicht dazu, sich von den traumatischen Ereignissen im Paragon Hotel zu erholen: Seine Freundin Amanda wird von einem psychopathischen Videospiel-Designer entführt und in ein unzugängliches Hochtal in Wyoming verschleppt. Dort wird sie zusammen mit vier weiteren Opfern zu einem tödlichen Spiel gezwungen. Wer sich weigert, wird in die Luft gesprengt. Über neun Levels sollen sich die »Teilnehmer« bis zu einem mysteriösen »Grabmal der weltlichen Begierden« vorarbeiten und dessen Geheimnis enträtseln. Doch immer mehr »Spieler« bleiben auf der Strecke. Nur Frank kann Rettung bringen. Als Einziger hat er den teuflischen Plan durchschaut ...

Über den Autor
Seit er die Figur des John Rambo erfand, gilt der promovierte Literaturwissenschaftler David Morrell, geboren 1943, als Vater des modernen Actionthrillers. Er hat bisher 28 Spannungsromane veröffentlicht, die in 26 Sprachen übersetzt wurden.


Ich stehe zwiespältig da wie selten zuvor nach einer Lektüre. Zu Teilen fand ich desen Krimi richtig genial. Zu anderen Teilen dann wieder furchtbar abstrus und unglaubwürdig.

Originell ist das Thema allemal. Ich zumindest habe noch keinen vergleichbaren Krimi-Stoff genossen. Im Grunde hat man es hier mit einem lektürischen Videospiel zu tun. Ein psychotischer Game-Entwickler hat 5 Leute entführen lassen und zwingt ihnen sozusagen ein Spiel in realer Umgebung incl. tödlicher Hindernisse auf. Die Mysterien um die Zeitkapseln, die den Roman duchweg begleiten, sind sehr interessant, auch viele informelle Kleinigkeiten vermitteln ein schlüssiges Gesamtkonzept. Soweit ganz hervorragend und bravourös.

Allerdings gibt es auch große Kehrseiten. Die Figuren wollten mich nicht recht überzeugen, weil sie immer wieder völlig überraschende Kehrtwenden einlegten, die sie eher verfremdeten als heroisierten. Außerdem hatten sie bisweilen Eingebungen, die mir nicht erklärbar waren. Auch die Handlung ist ein wenig... naja... man braucht schon ein hohes Maß an Zufallsglaube, um diese Story zu akzeptieren. Wie schafft ein Einzelner (mit geringer Hilfe seiner ahnungslosen Schwester) zeitgleich 5 Leute narkotisiert in ein einsames, abgelegenes Gebäude? Dann noch die vielen Fallen, die natürlich genau dann zuschnappten, wenn die Protagonisten in der Nähe waren: Einstürzende Gebäude, plötzliches Feuer, angreifende Hunde, das Wetter... alles passte minutiös genau. Und die Verbindungen, denen der Held ähnlich einer Schnitzeljagd folgen musste, waren teilweise so hauchdünn, dass man sich nur wundern konnte.

Unglaubwürdig auch, dass der böse "Gamemaster" sogar die intimsten Geheimnisse der "Mitspieler" im Vorfeld in Erfahrung bringe konnte. Wie ihm das gelungen ist, wird nicht erklärt. Wobei es sich hierbei um Informationen handlet, an die auch kein Hacker gelangen kann, weil sie eigentlich nur in den Köpfen existieren.

Tja, wie gesagt, ich bin zweigeteilt. Einerseits faszinierend und sogar genial, andererseits hanebüchen und logikfrei.

Hathor
23.08.2008, 09:22
Gerwens & Schröder - Stille Post in Kleinöd

»Ja Bluatsakrament«, flucht Joseph Langrieger, als er in seiner Odelgrube einen Toten entdeckt. Das Ganze gibt der Polizei im niederbayerischen Kleinöd Rätsel auf. Ein Fall für die Kripo, entscheidet Polizeiobermeister Adolf Schmiedinger, und Kriminalkommissarin Franziska Hausmann muss in ihrem ersten Mord auf dem Land ermitteln. Dabei stellt sich bald heraus, daß der Täter aus Kleinöd stammen muss. Und tatsächlich lauern hinter der scheinbar tadellosen Fassade des hübschen Dorfes jede Menge dunkle Geheimnisse, zerrüttete Ehen, Betrug und Erpressung ...

Nun ja: einen gewissen Unterhaltungswert kann ich dem Buch nicht absprechen. Allerdings habe ich schon nach wenigen Kapiteln erkannt, wer der Mörder ist, und deshalb ging vieles an Spannung verloren. Die Autoren haben sich zwar erkennbar bemüht, originelle Charaktere zu konstruieren. Aber dieses Bemühen ist viel zu offensichtlich. Und herausgekommen sind teils klischeehafte, teils karikaturhaft verzerrte Personen, die mich nicht beeindruckt haben und die mir sicher nicht besonders lange im gedächtnis bleiben werden.

Mit dem Lesen der Dialektausdrücke habe ich als Sprachentalent ;) keine Probleme. Aber mit der Zeit nervte das ewige "fei scho" oder "allerweil" oder "ned"...

Wahrscheinlich bin ich einfach unter falschen Voraussetzungen an den Krimi herangegangen. Vielleicht habe ich einen zweiten Kluftinger erwartet. Aber das ist es definitiv nicht.

Hathor
25.08.2008, 19:18
Lisa Gardner - Lauf, wenn du kannst

Weil sie ihr krankes Kind bei einem Streit schützen will, ruft Catherine Gagnonm die Polizei. Wenig später ist ihr Mann tot, und ihr wirft man vor, den perfekten Mord begangen zu haben. Hilfe bekommt sie von niemandem - außer von einem Polizisten, der selbst unter Mordverdacht steht.


Die fast durchwegs Fünf-Sterne-Rezensionen bei Amazon kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Die Story ist spannend und ziemlich gut aufgebaut, der Schluss passend. Es gibt immer wieder unerwartete Wendungen und das Buch liest sich sehr flüssig. Soweit so gut.

Allerdings finde ich den Schreibstil der Autorin manchmal viel zu emotional, um nicht zu sagen: hysterisch. Manche immer wieder untermalenden Phrasen hätte sie sich wirklich sparen können.

Und: die Helden ist unglaubhaft schön und unglaublich hilfsbedürftig. Und der Bösewicht unglaubhaft schlecht und kaum umzubringen. Das sind mir einfach zu sehr abgedroschene Klischees.

Daher nur dreieinhalb Sterne von mir.

Rotkätzchen
28.08.2008, 14:06
Aus der Amazon.de-Redaktion

Eigentlich hätte sich Jean Sheridan das Wiedersehen mit ihren ehemaligen Kommilitonen und Kommilitoninnen anders vorgestellt. Ein paar Familienfotos hatte sie erwartet, ein paar Tänze mit in die Jahre gekommenen Bekannten, und einige Gespräche über erfolgreiche Karrieren -- Karrieren so wie ihre. Denn inzwischen ist Sheridan eine angesehene Historikerin, die sich bei dem Ehemaligentreffen in ihrer Heimatstadt zwanzig Jahre nach Schulabschluss nicht zu verstecken braucht. Das sehen auch die anderen so. Schließlich soll sie als eine von sechs Auserwählten ja auch eine Ehrung erhalten.

Dann aber würde sie sich lieber doch verstecken, und das hat vor allem damit zu tun, dass das Wiedersehen anders als erwartet verläuft. Denn unter der Festgemeinschaft ist auch Detective Sam Deegan, der nicht von einem lang zurückliegenden Mordfall lassen kann und hier in der Gruppe die Lösung sucht. Und waren es wirklich Unglücksfälle, die vier von Sheridans Jugendfreundinnen dahingerafft haben? Langsam beginnt ein Verdacht in der Historikerin zu keimen. Und tatsächlich hat es der Serienkiller, der sich „die Eule“ nennt, längst auf ein weiteres Opfer aus der Gruppe abgesehen. Vielleicht auf Sheridan selbst?...


Zugegebenermaßen bin ich nur durch das Wort "Nacht" im Titel erst auf das Buch gestoßen und dachte mir dann: "Na so ein pathetischer Titel aber auch." Dann las ich den Klappentext und wurde doch neugierig. Gekauft, ausgepackt und gelesen... und nun freue ich mich, mal wieder ein interessantes Buch hinter mir zu haben.

Der Storyplot ist nicht wirklich neu: Ein Mann, der zu Schulzeiten massiv gemobbt wurde, nimmt sich zwanzig Jahre lang Zeit, die eine oder andere EX-Klassenkameradin umzubringen. Beim Ehemaligentreffen 20 Jahre nach Schulabschluss will er mit drei weiteren Opfern seine Rache glorreich abschließen. Soweit so gut. Nicht neu, aber okay.

Der Roman war durchgehend spannend zu lesen und auch charakteriell überzeugend. Ich bin eigentlich kein Freund davon, wenn die Leseperspektive ständig von einem Protagonisten zum anderen springt, aber damit dieser Roman "funktioniert", war dies zweifelsfrei nötig, um ihn wirksam umzusetzen.

Im Grunde gibt es während des gesamten Handlungsablaufes 5 männliche Verdächtige, von denen man als Leser weíß, dass einer von ihnen der Killer ("Die Eule") ist. Eine lange Zeit war ich mit meinen Verdächtigungen auf dem Holzweg. Als dann nur noch 4 Verdächtige übrig blieben, konnte ich einen mit 99 % Wahrscheinlichkeit ausklammern, womit nur noch 3 blieben, von denen sich dann einer als die Eule herausstellte. Da alle drei im absolut gleichen Maße verdächtig waren, sowie Motiv und Gelegenheit hatten, hätte die Autorin auch einen beliebigen der anderen den Mörder spielen lassen können. Als Leser wollte man natürlich den Namen erfahren, doch im Grunde hätte jeder der Verdächtigen ebenso sehr gepasst wie der tatsächliche Mörder. Das fand ich ein wenig schade, diese offensichtliche Austauschbarkeit.

Was mir auch nicht sonderlich gefällt (grundsätzlich) , ist das ständige Verzögern der Preisgabe des Mörders. Sämtliche agierenden Personen wussten bereits, WER es war, aber als Leser erfuhr man es erst als alles vorbei war. Auf diese Art den Spannungsbogen möglichst lange zu halten, stehe ich gar nicht. Dennoch war es eine durchgehend gut zu lesende, interessante und charakteriell ausgefeilte Lektüre. Ich denke, gerade das macht eine gute Autorin aus: Auch aus bereits abgenudelten Storyideen noch einen guten Roman zu zaubern. M. H. Clark ist das mit diesem Buch gelungen. :)

Hathor
30.08.2008, 13:41
Elizabeth George ist die Herausgeberin dieser Sammlung von kurzen Kriminalgeschichten.

Die allermeisten haben mir sehr gut gefallen. Sie geben einen tollen Überblick über die Krimiautorinnen, zurückreichend bis 1917. Dass da so viele Perlen dabei sind, hat mich einigermaßen überrascht. Von manchen der Schriftstellerinnen hatte ich vorher noch nie etwas gehört :o Durch eine Kurzbiographie überdie Autorin, die jeder Geschichte vorangestellt ist, kann man auch vieles Wissenswerte erfahren.

Ein Buch, dass ich allen, die Kurzgeschichten lieben, wärmstens empfehlen kann.

Ein exklusiver Cocktail aus dem besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat! 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen.

Nightfarer
03.09.2008, 14:27
Welche Thrillerautorin ich klasse finde ist Anne Frasier.

Ihrer Bücher erscheinen leider nur bei Weltbild. Aber trotzdem schreibt sie gut.

Anne Frasier - Eisige Stille

In den Buch geht es um einen Mörder der Frauen, die unverheiratet, ein Kind bekommen haben, und ihre Kinder um. Es ist wirklich gut geschrieben und wer mal Probelesen will. http://www.weltbild.de/eisige-stille-anne-frasier/index.html?b=259039 (Hier)

Anne Frasier - Blutige Tränen

Der Mörder sucht hier die perfekt Frau, doch diese findet er nicht und bringt jede Frau, die nicht so will wie er um. Das Buch ist sogar noch besser als das erste und man muss noch dazu sagen, dass eine kleine Nebenfigur in Eisige Stille hier die Hauptrolle spielt. Was ich sehr gut fand.
Auch hier eine Leseprobe. http://www.weltbild.de/blutige-traenen-anne-frasier/index.html?b=655064 (Hier)

Liathano
03.09.2008, 18:20
Kurzbeschreibung
Exotisches Laos, rätselhafte Todesfälle und die originellste Ermittlerfigur des Krimigenres
Dr. Siri Paiboun hatte bislang eigentlich nur mit lebenden Patienten zu tun. Doch nun wird er mit seinen 72 Jahren noch zum einzigen Leichenbeschauer von ganz Laos ernannt - als letzter verbliebener Genosse mit medizinischem Hintergrund. Es bleibt ihm keine Wahl, als sich ohne jedes Fachwissen, aber mit der Unterstützung zweier ebenso unqualifizierter Assistenten, an seinem ersten Fall zu versuchen: Frau Nitnoy, die Gemahlin eines Parteibonzen, ist bei einem Essen des Frauenverbands plötzlich verstorben, und Dr. Siri argwöhnt, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zuging. Mit Hilfe eines alten französischen Lehrbuchs, vor allem aber mit viel Witz und Intuition macht er sich daran, die Sache unter die Lupe zu nehmen. Prompt gerät Dr. Siri selbst in Gefahr, doch zum Glück kann er auf zahlreiche Helfer zählen wie seinen alten Freund und Parteigenossen Civilai, die Chemielehrerin Oum und die Sandwichverkäuferin Tante Lah, die Dr. Siri jeden Mittag mit ihren Köstlichkeiten versorgt - und ein Auge auf ihn geworfen hat ...

Hat schon jemand einen Blick auf diesen hochgelobten Krimi geworfen oder kennt jemand den Autor? Interessant hört er sich ja an und bei "originellen" Ermittlern werde ich immer hellhörig. Aber Krimis kauf ich ungern im HC, weil mich eher wenige überzeugen ...

Hathor
29.09.2008, 16:35
Durch Die Schandmaske auf den Geschmack gebracht, habe ich einen weiteren Roman von Minette Walters gelesen:


Connie Burns ist bei der Nachrichtenagentur Reuters die Frau für Krisengebiete und Kriegsregionen. Mitten im Bürgerkrieg in Sierra Leone kommt sie einem Serienkiller auf die Spur. Einem Söldner, der die chaotischen Zustände ausnutzt, um Frauen zu vergewaltigen und sadistisch zu foltern. In Bagdad setzt er sein Teufelswerk fort. Dort gerät auch Connie Burns in seine Gewalt, wird tagelang in einem Keller gefoltert. Heimgekehrt nach Dorset, trügt sie eine ländliche Idylle. Denn auch hier gibt es ein dunkles Geheimnis, und der psychopathische Killer ist ihr wieder auf der Spur.


Ich sag es mal in einem Satz: So gut wie Die Schandmaske ist Des Teufels Werk nicht, bei weitem nicht.

Minette Walters schreibt zwar auch hier recht spannend, baut ziemlich viel Atmosphäre auf, bleibt aber so manches schuldig. Zum Beispiel Zusammenhänge. Mir ist bis jetzt nicht klar, was Connie Burns derart traumatisiert hat. Als Kriegsberichterstatterin müsste sie eigentlich ein dickeres Fell haben. Und zu dieser Traumatisierung passt wiederum nicht der plötzliche Schwenk zum Schluss.
Mir schien es manchmal, als wüsste Minette Walters selber nicht so recht, was sie nun erzählen wollte...

Rotkätzchen
30.09.2008, 11:21
Aus der Amazon.de-Redaktion
Eine Autostunde von Fort Lauderdale, zwischen Obstplantagen und Sümpfen, liegt Torrance, die unspektakuläre Kleinstadt, typisch amerikanisch, herumgruppiert um die Hauptstraße, die von Arby's und KFC gesäumt wird. Doch von einem Tag auf den anderen bricht die große Katastrophe in die schwüle Idylle Süd-Floridas hinein: Ein beliebtes Mädchen aus der Highschool wird entführt und ermordet, und für den psychopathischen Mörder war dies erst der Anfang...
Eigentlichen wollten Sandy, ihr Mann Ian mit den zwei Kindern im Teenager-Alter einen Neuanfang in Torrance wagen - weg aus dem engen Neuengland, rein in den sonnigen Süden. Doch Ehemann Ian hatte offenbar seine ganz eigene Vorstellung von einem Neuanfang, wohnt doch seine blondierte und mit üppigen Silikon-Implantaten ausgestattete Internet-Bekanntschaft in dem Ort. Sandy erträgt die Demütigung mit erstaunlicher Würde und beginnt ohne ihren Mann ein neues Leben: Als Lehrerin an der örtlichen Highschool, die abends ebenso charmante wie auch desaströse Bekanntschaften macht. Fast hat man den Eindruck, die eigentlichen Teenager sind hier nicht die Schüler, sondern die Erwachsenen.

Sheriff John Weber heißt der zuständige Ermittler - ein übergewichtiger, ständig schwitzender Koloss, der pikanterweise mit Ians Geliebter eine Affäre hatte. Er macht sich, ebenso wie Sandy, die allen Grund zur Sorge um ihre Kinder und Schüler hat, auf die Jagd nach dem sadistischen Killer, doch der ist ihnen immer einen Schritt voraus.

Eine wirklich tolle Lektüre! Aber eins nach dem anderen.

Ich weiß gar nicht recht, wie man dieses Werk gefühlsmäßig bezeichnen soll. Psychothriller? Nein, keinesfalls. Krimi? Naja, irgendwie schon, aber das allein passt auch nicht. High-School-Schmonzette? Nein, auch nicht, wenngleich es Anleihen davon gibt. Der Mix macht es halt. ;)

Ganz hervorragend gefiel mir in dem Buch die Zeichnung der vielen Charaktere: Schüler, Eltern, Barbesitzer, Berufsalkoholiker, Physiklehrer, Theaterleiter, Schuldirektor, Sheriff, Töchter, Söhne, Geliebte, Ungeliebte ... Joy Fielding zeichnet eine ganze Kleinstandt und schafft auch das Kunststück, ihr ein reales Leben einzuhauchen. Diese Figuren leben. Man kann sie anfassen, sie begreifen und sie verstehen. Im Gegenzug zu meinem letzten Ausflug in "Historische Romane", bei die Charaktere meist in einfachste Gut/Böse-Schienen gepresst sind, sieht man hier mal wieder, weshalb Joy Fielding eine weltbekannte Bestseller-Autorin ist. Ihre Figuren in dem Buch leben.

Was mir auch gefiel war, dass die Krimihandlung über weite Strecken vollkommen im Hintergrund geblieben ist. Es gab deswegen trotzdem keinerlei Längen im Buch, ganz im Gegenteil. Joy Fielding zeichnete das Kleinstadtleben mit all seinen Bewohner, den pubertierenden Schülern und Schülerinnen, ihren besorgten Eltern, Schülerstreiche, Schülerpartys usw.
Meine eigene Schulzeit ist ja nun auch noch nicht sooooo lange her, als dass ich dafür nicht noch ein Ohr bzw. ein Auge hätte. :D

Da liest man also über das interessante Leben in Torrance zwischen Highschool und Liebensaffären, während ganz nebenbei immer wieder mal die Krimihandlung hervorbricht. Der Krimi ist immer da! Aber Joy Fielding trommelt damit keine Gartenzäune um, sondern lässt die Bedrohung wie einen unsichtbaren Nebel umherziehen.

Die Identität des Mörders habe ich schon früh geahnt, dennoch war die Auflösung und die abschließende Psychoanalyse der fraglichen Person sehr interessant. Und was noch wichtiger ist: Sie war absolut glaubwürdig.

War für mich ein tolles Buch! :)

ExLibris
01.10.2008, 11:48
Frank Tallis: Wiener Blut

Kurzbeschreibung:
Ein Serienmörder und die Schattenseite des Wiens der Jahrhundertwende.
1902: In Wien herrscht ein sibirischer Winter. Ein brutaler Serienmörder treibt sein Unwesen: Teuflische Verstümmelungen, eine Neigung zu geheimnisvollen Symbolen und eine scheinbar zufällige Auswahl der Opfer sind seine Markenzeichen. Inspektor Oskar Rheinhardt ist mit seinem Latein am Ende und ruft seinen Freund, den Psychoanalytiker Max Liebermann, zu Hilfe, der sich schon in seinem letzten Fall bewährte ...

Ein atmosphärischer Krimi, der im Wien der Jahrhundertwende spielt. Die Handlung beginnt gleich etwas schrullig, als Hildegard, die Lieblingsanaconda von Kaiser Franz Joseph, im Schönbrunner Tiergarten zerstückelt aufgefunden wird. Kurz darauf entdeckt man den bestialischen Mord an vier Prostituierten, die enthauptet wurden. Und schon befindet man sich mitten in einem klischeeüberhäuften Wien um die Zeit Sigmund Freuds.

Leider fehlt es den 500 Seiten eindeutig an Spannung und ziehen sich somit ziemlich hin. Auch hat man beim Lesen oft das Gefühl "alles schonmal dagewesen". Nur die Freundschaft zwischen Liebermann und Rheinhardt, die lieber miteinander musizieren oder Kaffeetrinken würden anstatt blutige Morde aufzuklären, ist doch lesenswert. Psychologie und Musik sind deren wahre Leidenschaften. Wenn man nicht zuviel erwartet, ein gemütlicher Zeitvertreib für zwischendurch. Wenn man den Atem dazu hat.

"Wiener Blut" ist der zweite Fall von Inspektor Rheinhardt und Max Liebermann, der erste ist erschienen unter "Die Liebermann-Papiere" und der dritte unter "Wiener Tod".

Rotkätzchen
01.10.2008, 16:54
Kurzbeschreibung
Paul Lucas ist Psychiater und therapiert in einem Hochsicherheitsgefängnis psychisch kranke Straftäter. Aber mit einem dermaßen durchtriebenen Patienten wie Craig Cavanaugh hat er es noch nie aufnehmen müssen. Der schwerreiche Harvard-Student ist mindestens so verschlagen wie gebildet - und er ist ein psychopathischer Stalker, der vor nichts zurückschreckt. Widerspruch duldet er nicht: Er hat seine Dozentin massiv bedroht, weil sie seine Avancen zurückwies, und nun will er, dass Paul ihn rausboxt. Als dieser sich weigert, sein Werkzeug zu sein, setzt Craig ihn mit perfiden Intrigen unter Druck, die Pauls gesamte Existenz zu zerstören drohen. Ein Psychoduell auf Leben und Tod nimmt seinen Lauf, bei dem Paul lange Zeit nicht begreift, dass er schon längst nicht mehr Herr der Lage ist ...

Über den Autor
Roderick Anscombe, geboren 1947 in Manchester, Studium an der Universität Oxford, ist Gerichtspsychiater und Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School. Er lebt in Gloucester, Massachusetts. "Hinterhältig" ist sein dritter Roman.

Nun, das war schon eher ein Psychothriller. Kammerspielartig baut der Autor eine durchweg bedrohliche Grundstimmung auf, die im Laufe des Handlungsfortschritts stets zunimmt. Das Kammerspiel bezieht sich dabei sowohl auf die Dialoge zwischen Prof. Lucas und dem soziopathischen Craig, als auch zwischen Lucas und seiner Frau, deren Ehe seit dem Tod ihres gemeinsamen Sohns mehr und mehr den Bach runter geht.

Es dauerte ein wenig, bis ich Gefallen an der Geschichte fand, und auch im Mittelteil gab es die eine oder andere Länge. Trotzdem war es sehr fesselnd, weil mich der Ausgang des ganzen sehr interessiert hat. Das gilt nicht nur in Bezug auf den Psychopathen, sondern auch in Bezug auf die Ehe des Professors.

Das Finale zögert sich ziemlich hinaus. Brillant fand ich das letzte Amtsgespräch zwischen Lucas und Craig. Danach aber wurde das sich anbahnende Finale ein wenig zu sehr in die Länge strapaziert, fand ich. Fesselnd war die Lektüre allemal. Ich hab sie fast in einem Sitz gelesen.
Das Happy-End fand ich ein wenig aufgesetzt, vor allem weil Abbys Betrug plötzlich überhaupt keine Rolle mehr spielte. Sie hat ihren Mann belogen und sogar betrogen und erheblich an ihm gezweifelt. Es spricht für ihn, dass er ihr nichts nachträgt, aber so wirklich überzeugt hat mich das nicht. Auch hätte ich gern erfahren, wie sich Obermotz Larry nun gegenüber Lucas verhält, nach dem er ihn so fälschlich beschuldigt hatte und nur der stinkreichen Familie des Psychos Glauben schenkte.

Hathor
02.10.2008, 21:13
Mein erster Krimi dieser Autorin - und vermutlich folgen weitere:

Camille, Komponistin, sehr zart, sehr jung, ein Gesicht wie eine ägyptische Königin, Jeans und Stiefel selbst bei großer Hitze, lebt mit dem kanadischen Grizzly-Forscher Lawrence einen Sommer lang in den französischen Alpen. Während Lawrence im Mercantour, nahe der italienischen Grenze, Wölfe beobachtet, sitzt Camille an ihrem Keyboard, sucht musikalische Inspiration für eine Seifenoper, klempnert ein bißchen bei den Leuten und entspannt sich bei der Lektüre von Werkzeugkatalogen. Da passiert etwas Ungeheuerliches, das uralten Aberglauben wieder lebendig werden läßt: Ein riesiger Wolf, nein, ein Wolfsmensch, so sagen die Leute, zieht nach Einbruch der Dunkelheit mordend durch die Dörfer, reißt Schafe und hat in der letzten Nacht die Bäuerin Suzanne getötet. Verzweifelt über die Gleichgültigkeit der Polizei, machen sich Suzannes halbwüchsiger Sohn und ihr wortkarger alter Schäfer in einem klapprigen Viehtransporter allein an die Verfolgung des Mörders. Und sie überreden Camille, den stinkenden Wagen zu fahren. Ein Roadmovie über gefährliche Bergstraßen Richtung Norden beginnt, aber immer ist ihnen der Mörder einen Schritt voraus. Erschöpft geben die drei auf, und Camille entschließt sich schweren Herzens, einen Profi hinzuzuziehen: Kommissar Adamsberg aus Paris, den Mann, den sie so sehr geliebt hat und mit dem sie doch nicht leben konnte

Fred Vargas schreibt in meinen Augen "typisch französisch" und doch ein bisschen anders... nicht nur die übliche Wer-ist-der-Täter-und-wie-fängt-ihn-die-Polizei-Geschichte, sondern noch ein wenig Psychoanalyse, ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Mystery. Aber von allem eben nur ein bisschen. Mir sind eigentlich geradlinigere, mehr einordenbare Krimis lieber.

Trotzdem hat mir die - ziemlich herbe und uncharmante - Geschichte gefallen. Mit dem immer wieder auftauchenden Gedanken, die Sache sei nicht Fisch und nicht Fleisch, haben mich zwei Dinge versöhnt: der sehr logisch herbeigeführte Schluss und Kommissar Adamsberg. Letzterer war zwar nur eine Nebenfigur, von ihm möchte ich aber mehr lesen.

Hathor
10.10.2008, 09:22
Beim Aufräumen habe ich ein Buch entdeckt, das seit Jahren aufs Lesen wartet. Wohl weil mir das Cover nicht gefällt, musste dieser Krimi so lange vor sich hin subben.

Aber nun habe ich ihn gelesen, und das fast in einem Rutsch:



Das ledige, ältere Fräulein Rosemarie erlebt ihren ersten Frühling, als sie in Liebe zu dem Lehrer Witold entflammt. Sie schleicht fortan bei Nacht- und Nebelaktionen um das Haus des Objektes ihrer Begierde, um es zu beobachten. Bei diesen detektivischen Nachforschungen beobachtet Rosi, wie Witold auf seine alkoholkranke Frau schießt. Sie ist aber nicht tot. Ein Grund für Rosi, sich einzumischen und ihrem Angebeteten tatkräftig zur Hand zu gehen. In ihrem Liebeswahn erwartet sie eine konspirative Zusammenarbeit und ein Entgegenkommen ihres Traummannes. Bei dieser ersten Leiche bleibt es allerdings nicht. Denn Witold, der sich nicht für Rosi interessiert, ist ein Don Juan und bei Damen jeden Alters heiß begehrt. Rosis Verklärung geht soweit, daß sie die Liebschaften ihres Liebesobjektes für Hindernisse hält, die aus dem Weg geschafft werden müssen. Wie im Rausch, aber dennoch kaltblütig genug, tut sie ihre "Pflicht". Ihre Eifersucht und ihr Liebeswahn befördern immer kriminellere Energien zutage.


Was für ein bitterböses Lesevergnügen... Ich war entsetzt, hingerissen und amüsiert zugleich. Entsetzt, weil die Handlung wirklich böse ist, weil die alte Jungfer Rosi endlich ein Liebesleben haben möchte, weil sie ein Musterbeispiel eines vergeudeten Lebens ist. Hingerissen von Ingrid Nolls Schreibweise, amüsiert von ihrem schwarzen Humor.

Ein Buch, in dem eigentlich jeder und jede Täter und Opfer zugleich ist. Und als Leserin hatte ich mit niemandem Mitleid. Böse, sehr, sehr böse.

Hathor
21.10.2008, 20:14
Und wieder ein Buch gelesen, das ganz unten in meinem SUB ein Mauerblümchendasein gefristet hatte:

England 1139. Machtkämpfe um die englische Krone sind an der Tagesordnung. So ist die Hochzeit des mächtigen Huon de Domville von großer Bedeutung. Doch ein Mord überschattet das Fest. Ein neuer Fall für Bruder Cadfael, der sich mit gewohntem Scharfblick an die Aufklärung macht.


Irgendwann habe ich den Roman in einem Wühltisch entdeckt und ganz billig erworben. Wie bei dem Ingrid-Noll-Krimi fand ich das Cover abscheulich, aber den Klappentext recht interessant.

Der Krimi ist nicht umfangreich (250 Seiten) und er liest sich sehr flüssig. Bruder Cadfael ist kein Sherlock Holmes im Mönchsgewand, auch kein Wallander, keine Miss Marple und kein Van Veeteren. Er ist ein einfühlsamer, sehr menschlicher Klosterbruder, der sich gesunden Menschenverstandes erfreut. Und den Leser mit seinem Scharfsinn und unerwarteten Wendungen der Handlung.

Irgendwie eigenartig, dass die Überführung eines Verbrechers mit einfachsten und doch wieder raffinierten Mitteln möglich ist. Es geht also auch ohne Obduktion, Fingerabdrücke oder toxikologische Gutachten ;)

ExLibris
22.10.2008, 08:36
Jean-Christoph Grangé - Das schwarze Blut

Aus der Amazon.de-Redaktion:
Der Pariser Gerichtsreporter und Sensationsjournalist Mark Dupeyrat hat schon einiges in seinem Leben gesehen. Doch nicht die oberflächlichen Boulevardgeschichten und falschen Zeitungswahrheiten nagen an seinem Gewissen, sondern der unerklärliche Mord an seiner Geliebten Sophie, die vor Jahren während eines gemeinsamen Sizilienurlaubs Opfer einer genauso sinnlosen wie brutalen Bluttat geworden war. Seither lässt ihm die Frage nach dem wahren Wesen des Bösen keine Ruhe mehr.
Als ihm angeboten wird, über den berühmten Tiefseetaucher Jacques Reverdi zu berichten, der inzwischen als Serienmörder in einem malaysischen Gefängnis auf sein Todesurteil wartet, wittert er die große Story. Doch bald realisiert Mark, dass er sich mit den gewöhnlichen Mitteln des Journalismus der „Bestie“ nicht wird annähern können. Deshalb erfindet er in einer teuflischen Eingebung „Elisabeth“ und schlüpft damit in die Rolle einer wissbegierigen jungen Frau, die zu Reverdi mit viel subtileren Mitteln Kontakt aufnehmen kann. Mit einigem Einfallsreichtum verleiht er „Elisabeth“ eine eigene Identität und mit der gestohlenen Fotografie eines befreundeten Models, der jungen Khadidja, zudem auch eine sehr reizvolle Authentizität.

Und die Falle schnappt zu. In einem wahren Katz-und-Maus-Spiel führt der Serienmörder nun aus dem Gefängnis heraus Mark mit geheimen Botschaften in sein makabres Universum des Bösen ein. „Elisabeth“/Mark folgt der Blutspur seiner bizarren Ritualmorde quer durch Südostasien. Doch Marks kaltschnäuziger Plan hat unerwartete Folgen. Reverdi durchschaut sein Lügenspiel, und während Mark in Paris bereits an seinem Bestseller schreibt, sieht Reverdi in Kuala Lumpur keineswegs dem Tod in die Augen, sondern schafft es in einer waghalsigen Aktion, aus dem Gefängnis zu entkommen ...

Wirklich beklemmender Psycho-Thriller. Die zweite Hälfte wirkt etwas konstruiert, aber trotzdem wird man als Leser gefesselt. Der Protagonist Dupeyrat, kann seine sachliche Postition als Journalist nicht halten, und wird immer mehr in die Abgründe von Reverdi hineingezogen. Diese nicht ganz eindeutige Haltung macht viel der Spannung aus. Gruselig und schnell gelesen!

Rotkätzchen
23.10.2008, 14:07
Vorneweg gesagt: Das war einer der tollsten Thriller, die ich je gelesen habe. Ich sage "tollster Thriller" und nicht "bester Thriller", weil da sicher auch der persönliche Geschmack eine große Rolle spielt.

In einem verlassenen Dorf am Annapurna-Massiv in Nepal entdeckt Paul Wood die Leiche eines ermordeten Trekkers, der obendrein brutal entstellt wurde: Aus den Augen des Toten ragen zwei Schweizer Armeemesser. Die nepalesische Polizei ist an der Aufklärung des Falls nicht interessiert, da man andere Touristen nicht verschrecken will. Doch für Paul stellt die Entdeckung des Toten ein grauenhaftes Déjà-vu dar: Vor zwei Jahren wurde seine Freundin Laura während einer Backpacker-Expedition in Kamerun auf exakt dieselbe Weise umgebracht. Aber was haben zwei Morde miteinander zu tun, die auf verschiedenen Kontinenten verübt wurden?

Über ein Internet-Forum informiert Paul andere Backpacker über den Fall – und erhält eine Antwort von einem anonymen User, der sich »Der Stier« nennt und behauptet, der Mörder zu sein. Paul recherchiert weiter, doch hat er keine Ahnung, dass er einer Verschwörung auf die Spur gekommen ist, die jedes menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt.

Milieu-Krimis mag ich ja generell, aber dieses Milieu ist an Exotik kaum zu übertreffen: Das Mileu der Rucksacktouristen, die mit mal mit Kompass und Rucksack einen ganzen Erdteil durchqueren. Und eben unter diesem Volk scheint es einen Serienkiller zu geben, der in Ländern der Dritten Welt andere Rucksacktouristen umbringt.

Bestechend an dem Buch war schon mal, dass es absolut unberechenbar war. Nicht zu vorhersehen, nicht zu kategorisieren, einfach mal was ganz anderes als ich bislang gekannt habe. Nicht weniger bestechend waren die vielen Ortsbeschreibungen. Die Handlung beginnt in Nepal, führt den Leser dann über Kalifornien, Indonesien schließlich nach Marokko. Und während dieser Handlung erhält der Leser auch immer mehr Einblick in einer früheren Rucksacktour einer Zwanzigköpfien Gruppe durch Afrika, die zwei Jahre früher stattfand. Die Ortsbeschreibungen sind wie gesagt sehr detailliert und vermitteln den Eindruck, dass sich der Schreiber tatsächlich vor Ort umgesehen hat. Es wirkt einfach authentisch.

Zu einem ähnlichen Buch kann ich keinen Vergleich ziehen, da ich keins kenne. Es liest sich wie eine Mischung aus Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" und einem Abenteuer-Psycho-Trip. Da fällt mir ein: Wäre das nicht auch mal eine gute Idee für einen Krimi? Ein Pilgerkrimi, also quasi ein Killer, der auf dem Jakobsweg sein Unwesen treibt? ;)

Kain
28.10.2008, 00:18
In der tiefsten bayrischen Einöde: Eine ganze Familie wird in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Jetzt heißt er nur noch Mordhof, der einsam gelegene Hof der Danners in Tannöd und vom Mörder fehlt jede Spur...

Tannöd ist kein Kriminalroman im herkömmlichen Stil, Elemente wie ein ermittelnder Kommissar aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird fehlen gänzlich. Ich empfand das Buch eher als Erzählung über menschliche Abgründe. Die bigotte bayrische Bergdorfwelt der 50iger Jahre, die hier die Brutstätte für Neid, Missgunst, Inzest, häuslicher Gewalt und Hinterfotzigkeit darstellt, fand ich sehr gut präsentiert. Menschliche Abgründe findet man zwar logischerweise überall wo es Menschen gibt, gerade aber in der Enge des Dorflebens, wo jeder jeden kennt, kommt sie besonders gut zum Ausdruck.

Die Geschichte wird durch einen Perspektivwechsel zwischen Zeugenaussagen und Beschreibungen des Tathergangs aus Sicht des Mörders, der Opfer oder anderer Beteiligter geschildert. An diesen recht gewöhnungsbedürftigen aber originellen Erzählstil musste ich mich erst mal gewöhnen. Bei den Zeugenaussagen hat mir besonders gefallen, dass die Autorin den einzelnen Protagonisten sehr authentische Sprach und Denkweisen mitgegeben hat.

Andrea Maria Schenkel schafft es eine bedrohliche Stimmung zu erzeugen und die Beschreibung der Lebensumstände einzelner Protagonisten lässt einen manchmal doch frösteln. Richtig Spannung wollte bei mir durch die Erzählweise aber nicht aufkommen, was ich aber eigentlich von einem Roman erwarte, der mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde. Recht nervig fand ich das häufige Auftauchen von Rosenkranzgebeten, ich weis nicht, ob die Autorin damit aufzeigen wollte, dass in dieser scheinbar gottlosen Gegend Gott besonders präsent ist.

Das Buch ist mit 125 Seiten recht kurz und vom Aufbau her schreibt Frau Schenkel in recht kurzen Sätzen und macht auch kurze Kapitel, was einen guten Lesefluss zulässt. Die Sprache ist nicht sonderlich herausragend, aber auch nicht schlecht.

Hathor
28.10.2008, 08:31
Oh, Tannöd habe ich auch gerade gelesen :)

Ich war sehr beeindruckt von der Sprache der Autorin - wie sie immer den richtigen Ton traf. Ob es das Schulmädchen war, der betuliche Pfarrer (ich sah direkt sein mildes Lächeln und seinen erhobenen Zeigefinger) oder die einfache Bäuerin... alle wirkten total authentisch.

Die Gebete zwischendurch passten mMn sehr gut in die Geschichte, auch wenn ich sie quergelesen habe. Die Kirche und ihre Rituale prägen eben den ganzen Roman bzw das Verhalten der Charaktere. Und Beten ist in dieser kargen Welt und zu dieser Zeit ein "Allheilmittel", auch gegen Verlogenheit, Missbrauch und Grausamkeit.

Rotkätzchen
28.10.2008, 11:40
Nun ja, Tannöd hatte irgendwie schon Atmosphäre. War auch interessant, wie sich das Puzzle aus Aussagen langsam zusammensetzte. Der Nachfolger Kalteis wiederum, den fand ich unsäglich schlecht. Der hat zwar auch wieder den Preis erhalten, aber das war für mich ein Buch für den ABGEBROCHEN-Thread. :D

Da spielte die Geschichte dann in München, jedenfalls die meiste Zeit lang. Trotzdem: Langweilig, endlos hinausgezögert, nur um noch ein paar Seiten herauszuholen und dabei vorhersehbar bis dorthinaus. *nein*

Nightfarer
28.10.2008, 13:00
Tannöd ist wirklich ein klasse Buch. Es ist anders und einzigartig. Ich kann gar nicht vestehen, dass manche meinen, es hätte mehr seiten seien sollen. Ich finde die waren genau richtig.

Die Atmosphäre war gut gewählt und die Figuren gut getroffen. Kalteis muss ich von der Autorin noch lesen.

Hathor
10.11.2008, 21:05
Vor kurzem habe ich wieder einmal einen Andreas Franz gelesen - den letzten, der in meinem SUB rumlungerte.

Und er hat mich positiv überrascht.

Bisher habe ich mit diesem Autor nicht die allerbesten Erfahrungen. Für mich haben seine Bücher sehr unterschiedliche Qualität.
Tod eines Lehrers und Teuflische Versprechen fand ich recht gut, spannend und logisch aufgebaut.
Das Syndikat der Spinne und Das achte Opfer zeigen dagegen einige Schwachstellen. Vor allem nerven die Klischees, die Andreas Franz einbaut: alle Autoritätspersonen entpuppen sich als Idioten oder Schweine. Oder als beides.
Ich hatte manchmal das Gefühl, dass sich der Autor selber kopiert.
Richtig schlecht fand ich Die Bankerin und Letale Dosis. Langweilig und banal.


Und nun die positive Überraschung:


1999 in Norddeutschland. Eine junge Anhalterin wird ermordet aufgefunden. Vier Monate später wird Georg Nissen wegen dieser Tat zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. Kurz nach der Urteilsverkündung erhängt er sich in seiner Zelle. In einem Abschiedsbrief beteuert er seine Unschuld. Fünf Jahre danach wird erneut die Leiche einer jungen Anhalterin aufgefunden. Mehrere Spuren am Fundort weisen auf denselben Täter hin.
Hauptkommissar Sören Henning, der damals für die Ermittlungen und anschließende Verhaftung von Georg Nissen zuständig war, übernimmt zuerst widerstrebend die Leitung der Soko „Phantom“. Von Schuldgefühlen wegen der möglicherweise falschen Verurteilung Nissens geplagt, hatte er sich in den vergangenen Jahren in den Innendienst zurückgezogen. Von seinen Kollegen unbemerkt trug er die Daten sämtlicher ungelöster Mordfälle der letzten Jahrzehnte zusammen. Seiner Meinung nach gibt es zum aktuellen Mord täterrelevante Übereinstimmungen in mehr als 50 nicht aufgeklärten Fällen der jüngeren Vergangenheit.


Der Roman hat mich gefesselt. Er ist einerseits spannend, wie es ein Krimi nur sein kann. Zudem gefallen mir die Charaktere. Endlich hat Andreas Franz einen Hauptkommissar geschaffen, den ich sympathisch finde. Er hat Persönlichkeit, Fehler und Ecken und Kanten und ist trotzdem kompetent.
Die unsägliche Julia Durant anderer Romane geht mir mit ihrer proletenhaften und unprofessionellen Art schrecklich auf die Nerven.

Unsichtbare Spuren kann ich allen empfehlen, die mal einen Krimi eines deutschen Autors lesen wollen.

ExLibris
19.11.2008, 10:37
Truman Capote - Kaltblütig
Wahrheitsgemäßer Bericht über einen mehrfachen Mord und seine Folgen.

Im November 1959 dringen die ehemaligen Zuchthäusler Richard Hickock und Perry Smith ins Haus des wohlhabenden Farmers Herbert Clutter in Holcomb (Kansas) ein, weil sie dort Geld vermuten. Als sie nur 40 Dollar finden, ermorden sie die vierköpfige Familie auf bestialische Weise und fliehen. In der Kleinstadt bricht Panik aus, ihre Bewohner fürchten, dass die Mörder mitten unter ihnen leben. Wenige Wochen später werden Hickock und Smith in Las Vegas (Nevada) gefasst. Truman Capote reist nach Kansas, um Ablauf, Motive und Hintergründe des grauenhaften Verbrechens vor Ort zu ermitteln. Er interviewt einfache Bürger, Polizisten, Justizbeamte und die inhaftierten Mörder. Sie werden zum Tod verurteilt und am 14. April 1965, fünfeinhalb Jahre nach der Tat, im Staatsgefängnis von Kansas gehängt.

Truman Capote (besser bekannt mit „Frühstück bei Tiffany“) verfasste mit „Kaltblütig“ einen Tatsachenbericht über einen realen Fall. Die Rekonstruktion besteht teilweise aus sachlichen Berichten, teilweise aus sehr persönlicher Schilderung der einzelnen Personen, die dem Leser im Laufe der Geschichte immer vertrauter werden. Das unbegreifliche Verbrechen, bekommt immer mehr Facetten und Wendungen. Und die entgültige Verhaftung verschafft dem Leser nicht die Genugtuung die er sich erwartet hätte.
Eine teils sachliche, teils moralische Sicht auf Motive und Tat, sowie auf Bestrafung und Gerechtigkeit. Ein großartiger Roman, der einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt.

Hathor
22.11.2008, 13:17
Gerade fertig (fix und fertig) mit Martha Grimes - Fremde Federn:

Eigentlich wollte Superintendent Jury von Scotland Yard einmal Urlaub machen. Doch dann soll er in den Staaten den Tod Philip Calverts, eines Mitarbeiters der weltberühmten Barnes-Stiftung, aufklären helfen. Zusammen mit Sergeant Wiggins und seinem adligen Freund Melrose Plant fliegt Jury nach Amerika. Noch ahnt er nicht, daß der Tod Philip Calverts nur ein Glied in einer ganzen Kette mysteriöser Gewaltverbrechen ist.


An diesem Krimi ist nur eines mysteriös: warum den überhaupt jemand kauft. Martha Grimes hat ja schon eine Menge Bücher geschrieben und verkauft, und wenn alle so schlecht sind, dann gute Nacht...

Das Buch ist weder humorvoll noch "very british", wie der Klappentext es anpreist. Es ist langweilig, fade, öde... mir fehlen fast die Worte, so schlecht ist es. Ungefähr fünfhundert völlig irrelevante und uninteressante Leute bevölkern die 414 Seiten, reden wirres Zeug und produzieren auch nicht ansatzweise Handlung oder gar Spannung. Bis zum Schluss wusste ich nicht, was eigentlich das Problem war. Und nur um das herauszufinden, habe ich das Machwerk überhaupt zu Ende gelesen.

Schade um das Geld und um die vergeudete Zeit. Null Sterne, denn das Buch ist schon jenseits von schlecht. Es ist eine Zumutung.

nyx
27.11.2008, 19:07
Bevor ich mit World Without End angefangen hatte, habe ich noch ein anderes Buch von Follett gelesen, kein historischer Roman, sondern ein Thriller diesmal:

Jeannie Ferrami macht wissenschaftliche Untersuchungen mit Zwillingen, um belegen zu können, dass nicht unsere Gene bestimmen wer wir sind, sondern die Erziehung und unser soziales Umfeld die wichtigere Rolle bei der Charakterentwicklung spielen. Im Laufe ihrer Untersuchungen kommt sie einem gewaltigen Skandal aus den Siebzigern auf die Schliche, der auch heute noch weite Kreise zieht. Diese Kreise haben es darauf angelegt, den Skandal in Vergessenheit geraten zu lassen und sind natürlich wenig erfreut, als Jeannie der Lösung immer näher kommt...
Der Thriller war zwar ganz unterhaltsam, aber wirklich spannend war er nicht. Das liegt zum einen daran, dass man schon zu Anfang erahnen kann, worum es geht, demnach sind sämtliche Wendungen in der Geschichte sehr vorhersehbar. Das nimmt natürlich die Spannung raus. Außerdem kommt es mir so vor, als wäre das Buch schlecht recherchiert worden. Einige Dinge erschienen mir doch äußerst fragwürdig... o.O

Ken Follett sollte besser bei den historischen Romanen bleiben. Ich glaube, dass ist etwas womit er sich wohler fühlt.

Hathor
09.12.2008, 20:18
Das Spiel und Leben und Tod - ungewöhnlich packend, mörderisch philosophisch
Ein seltsames Testament und ein längst gesühntes Verbrechen: Jahrelang saß der 54-jährige Bibliotheksangestellte Maertens wegen Mordes an seinem Professor im Gefängnis. Inzwischen wieder in Freiheit, lebt er völlig zurückgezogen. Doch plötzlich gerät sein sorgsam ausgetüfteltes Dasein aus dem Gleichgewicht: Sein einstmals bester Freund Tomas ist gestorben und hat ihm ein ungewöhnliches Erbe hinterlassen. Als Maertens es antritt, wird ihm allmählich klar, dass sein Freund ihn vor Jahren brutal hintergangen hat ...


Wenn man die Amazon-Rezensionen liest, dann merkt man, wie sehr dieser Roman polarisiert. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn.
Ich sags mal so: man muss sich von allem lösen, was man bisher von Hakan Nesser gelesen hat.

Der Roman wirkt wie ein Alterswerk, wie eine Biographie, obwohl sie das sicher nicht ist. Die Sprache ist hinreißend und weit über dem üblichen Plauderton in Krimis. Ist es überhaupt ein Krimi? Ich tendiere fast zu einem Nein, auch wenn natürlich Merkmale dieses Genres vorhanden sind. Passagenweise fühlt man sich in die Welt und die Ausdrucksweise eines Camus oder eines Dostojewskij versetzt. Und gerade das ist es, was manche Leser abschrecken könnte.

Auf diesen Nesser muss man sich einlassen, ganz und gar. Oder besser die Finger davon lassen. Ich fand Die Fliege und die Ewigkeit wunderschön.

Rotkätzchen
12.12.2008, 11:20
Kurzbeschreibung

Als die zurückhaltende Sue mit ihrem verschüchterten Sohn Zuflucht im Frauenhaus sucht, hat dessen Leiterin Dana Dupinski keinen Grund, an ihrer Geschichte vom gewalttätigen Ehemann zu zweifeln. Wie sollte sie auch ahnen, dass sie damit dem Tod die Türe öffnet? Denn Sue ist eine psychopathische Killerin, die vor nichts zurückschreckt, um ihre Rachegelüste zu befriedigen: nicht vor der Entführung eines taubstummen Jungen, nicht vor mehrfachem Mord. Danas Name steht schon bald ganz oben auf ihrer Abschussliste - und nur Ethan Buchanan, ein Privatdetektiv, der Sues Spuren gefolgt ist, könnte Dana retten ...

Tja, mal wieder ein sehr klangvoller Krimititel von einer bekannten Krimiautorin.
Aber der Inhalt ist eher schal.

Die Geschichte bietet schon ein paar interessante Ansätze, aber fesseln konnte sie mich zu keinem Zeitpunkt. Ich brauchte über 3 Wochen für den Roman, da ich dazwischen viel gelernt habe. Ich hatte aber nie Mühe, diese Lektüre gegen meine Lernbücher auszutauschen.

Das größte Ärgenis stellte der Held dar: Ethan Buchanon. Man muss sich mal vorstellen, was der alles ist: Er ist ein lukrativer Geschäftsmann und steht mit beiden Beinen im Leben. Er leitet nämlich eine Beraterfirma für Sicherheitsfragen und bietet seinen Kunden hervoragende Dienste! Überdies ist er auch noch ein richtiges Computergenie, ein richtiger Denker und kann ausgezeichnet hacken.
Er ist aber keineswegs ein magerer Bürohengst. Nein! Er ist auch noch ein Ex-Marine mit einem zünftigen Trauma aus Afghanistan, wo einst sein Kumpel heldenhaft erschossen wurde, als er ihm das Leben rettete. Darüberhinaus hat er auch noch eine Privatdetektivlizenz. Toll oder?
Dass er dazu auch noch gut aussehend, rücksichtsvoll, verständnisvoll und ganz ganz ganz nett ist, versteht sich von selbst.

Ich hasse solche Charaktere. Zumindest in Büchern. In Echt gibt es sie nämlich nicht. Dieser Held vereinigt sämtliche Merkmale des Alpha-Männchens mit den Ideal-Eigenschaften, die ein Mann nur haben kann. Bei 5,5 Mrd. Menschen auf der Erde gibt es wahrscheinlich insgesamt genau 3 davon. Und die sind wohl kaum mit Ende 30 noch immer unverheiratet und kinderlos und treffen ihre große Liebe zufällig bei einem vereitelten Handtaschendiebstahl am Busbahnhof. :rolleyes:

Der Erzählstil ist weitgehend flüssig, doch immer dann, wenn der Held auf seine neue Liebe trifft, schwenkt die Autorin in nervtötende Genauigkeit um. Da ist dann plötzlich jedes Augenzucken erwähnenswert.

Was die Geschichte auch immer wieder ausbremst, sind kleine Zwischenschicksale, die die Autorin nebenbei noch erzählt, und die eigentlich nichts mit dem Fall zu tun haben. Die Hauptstory um einen entführten kranken Jungen wäre auch auf 150 Seiten zu erzählen gewesen. So sind es halt fast 650.

Sue, die böse Gegenspielerin hat mich auch nicht überzeugt. Sie ging in jungen Jahren als kleine Dealerin in einen Frauenknast und kam daraus als eiskalte, skrupellose Killerin hervor. Naja, vermutlich war der Knast ein heimliches Ausbildungslager der CIA. *cool* *grins*

Alles in allem waren es viele bekannte Versatzstücke neu zusammengewürfelt und in Verbindung vieler kleinerer Gegebenheiten aufgekocht, was diesen Krimi ausmachte. Nicht weiter empfehlenswert.

Hathor
15.12.2008, 09:38
Ein Schriftsteller fährt nach Venedig, um sich inspirieren zu lassen und endlich eine Novelle zu schreiben. Wer den schwedischen Erfolgsautor Håkan Nesser kennt, wird wissen, dass es sich dabei nur um eine mörderische, klug komponierte Erzählung handeln kann. Genauso ist es in „Eine ganz andere Geschichte“, dem Eröffnungstext von Aus Doktor Klimkes Perspektive, dessen Titel das Konzept genau umreißt. Denn tatsächlich entwickelt sich das, was der Schriftsteller erlebt, ganz anders -- und damit eben so, dass er es für seine eigene Novelle verwenden kann. Denn das verliebte Pärchen, dem er im Hotel begegnet und das ihn von Anfang an auf magische Weise fasziniert, ist gar nicht so verliebt, wie es vorgibt zu sein. Der weinselig im Gespräch offenbarte Gemeinschaftsselbstmord entpuppt sich als getarntes Tötungsdelikt. Und der völlig unschuldige Schriftsteller wird am Ende von der Polizei, die den Ablauf aus ihrer Sicht völlig logisch rekonstruiert, als vermeintlicher Täter abgeführt.

Dieses Buch hat mich rundherum zufriedengestellt. Zum ersten liebe ich Kurzgeschichten. Diese präzise, komprimierte und ohne Schnörkel und Geschwafel auskommende Literaturform ist immer wieder eine wunderschöne Abwechslung.
Zum zweiten ist der Autor wieder einmal in Höchstform gewesen. Seine Sprache ist ein Genuss - wozu sicher auch die Übersetzerin beiträgt.

Die Geschichten sind nicht wirklich leichte Unterhaltung, eher ein bisschen traurig machend, ein bisschen ernüchternd und verstörend.

Ein netter Zufall war, dass in einer der Geschichten der Autor eines Romans namens Die Fliege und die Ewigkeit vorkommt. Diesen Roman habe ich letzte Woche gelesen.

Shalaina
21.12.2008, 15:50
Nach dem Mord an einer Freundin folgt FBI-Agentin Smoky Barrett der Fährte des Mörders. Doch die Spuren, die der eiskalte Serienmörder hinterlässt, sind so blutig, dass ihr ganzes Können gefragt ist. Die Zeit arbeitet gegen sie, und mit jedem neuen Verbrechen gelangt Smoky zu einer erschreckenden Erkenntnis: Der Mörder möchte sich einen Traum erfüllen - ein Traum, der für viele zum Albtraum werden könnte ...

Ein gelungenes Erstlingswerk.

Ich hab das Buch im original gelesen und fand es so fesselnd das ich es kaum aus der Hand legen konnte.

Ich werde mir auf jeden Fall noch die anderen Buecher kaufen die inzwischen erschienen sind.

Rotkätzchen
17.01.2009, 10:33
Kurzbeschreibung aus Amazon:
Für Margaret Frawley wird der schlimmste Albtraum wahr: Skrupellose Erpresser entführen ihre dreijährigen Zwillingstöchter. Nach einer dramatischen Geldübergabe kommt eine Tochter frei, die andere aber sei gestorben, heißt es. Doch Margaret will nicht an den Tod ihres Kindes glauben.

Margaret Frawley ist mit ihrem Mann Steve auf einem Empfang, als das Schreckliche passiert: Zwei Männer dringen in ihr Haus ein, schlagen die Babysitterin nieder und rauben die Zwillingstöchter des Paares. Auf dem Kinderbettchen hinterlassen sie eine Lösegeldforderung über eine immens hohe Summe. Die Polizei tappt komplett im Dunkeln, aber es gibt einen Lichtblick: Die Eltern schaffen es tatsächlich, acht Millionen Dollar zusammenzubekommen. Vor Angst nahe am Nervenzusammenbruch wartet Margaret auf die Übergabe, doch nur ein Zwilling, Kelly, kehrt zurück. Die andere Tochter sei erkrankt und gestorben, lassen die Entführer wissen. Margaret ist hin und her gerissen zwischen Freude über Kellys Rückkehr und Verzweiflung über Kathys Tod. Doch mitten im Gedenkgottesdienst fängt Kelly zum ersten Mal seit ihrer Heimkehr wieder zu sprechen an: »Kathy hat so Angst vor der Frau! Mami, du musst sie auch heimholen.«


Es war mein zweiter Higgins-Clark-Krimi. Ich habe bedingungslos zugeschlagen, zumal mir der erste, den ich von ihr las, ziemlich gut gefallen hatte, und dieser neue hier nun sowohl was das Buchcover als auch den klangvollen Titel anbelangt, sehr viel Ähnlichkeit mit dem Vorgänger hatte. Nun ja, an diesen Vorgänger reichte dieser Krimi leider nicht ran.

Es ist solide Krimiunterhaltung, die ein paar überraschende Entwicklungen parat hält, aber vollkommen spannungsarm. Die Geschichte hält einen schon bei Laune, aber es gibt halt keinen Moment, indem wirklich Spannung oder Besorgnis um die Figuren aufkäme. Insgesamt lässt sich der Krimi trotzdem flüssig lesen. Einzig nervig war die umständliche Geldübergabe des Lösegelds. Da fuhr das Überbringerauto von jener Straße in die nächste Straße, nahm dort ein Handy auf, legte hier ein anderes ab, schnappte sich hier einen Müllsack, deponierte ihn eine Straße weiter, erhielt weitere Anweisungen und pipapo. Für jemanden, der noch nie in Manhattan war (und auch nicht hin wil) ist es ziemlich mühsam, diese Übergabe über zig Straßen entlang zu verfolgen. Und uninteressant sowieso.

An "Mein ist die Stunde der Nacht" reicht dieser Krimi jedenfalls nicht heran.

Zum Vergleich hier meine Meinung zum Vorgänger-Roman:
Aus der Amazon.de-Redaktion

Eigentlich hätte sich Jean Sheridan das Wiedersehen mit ihren ehemaligen Kommilitonen und Kommilitoninnen anders vorgestellt. Ein paar Familienfotos hatte sie erwartet, ein paar Tänze mit in die Jahre gekommenen Bekannten, und einige Gespräche über erfolgreiche Karrieren -- Karrieren so wie ihre. Denn inzwischen ist Sheridan eine angesehene Historikerin, die sich bei dem Ehemaligentreffen in ihrer Heimatstadt zwanzig Jahre nach Schulabschluss nicht zu verstecken braucht. Das sehen auch die anderen so. Schließlich soll sie als eine von sechs Auserwählten ja auch eine Ehrung erhalten.

Dann aber würde sie sich lieber doch verstecken, und das hat vor allem damit zu tun, dass das Wiedersehen anders als erwartet verläuft. Denn unter der Festgemeinschaft ist auch Detective Sam Deegan, der nicht von einem lang zurückliegenden Mordfall lassen kann und hier in der Gruppe die Lösung sucht. Und waren es wirklich Unglücksfälle, die vier von Sheridans Jugendfreundinnen dahingerafft haben? Langsam beginnt ein Verdacht in der Historikerin zu keimen. Und tatsächlich hat es der Serienkiller, der sich „die Eule“ nennt, längst auf ein weiteres Opfer aus der Gruppe abgesehen. Vielleicht auf Sheridan selbst?...


Zugegebenermaßen bin ich nur durch das Wort "Nacht" im Titel erst auf das Buch gestoßen und dachte mir dann: "Na so ein pathetischer Titel aber auch." Dann las ich den Klappentext und wurde doch neugierig. Gekauft, ausgepackt und gelesen... und nun freue ich mich, mal wieder ein interessantes Buch hinter mir zu haben.

Der Storyplot ist nicht wirklich neu: Ein Mann, der zu Schulzeiten massiv gemobbt wurde, nimmt sich zwanzig Jahre lang Zeit, die eine oder andere EX-Klassenkameradin umzubringen. Beim Ehemaligentreffen 20 Jahre nach Schulabschluss will er mit drei weiteren Opfern seine Rache glorreich abschließen. Soweit so gut. Nicht neu, aber okay.

Der Roman war durchgehend spannend zu lesen und auch charakteriell überzeugend. Ich bin eigentlich kein Freund davon, wenn die Leseperspektive ständig von einem Protagonisten zum anderen springt, aber damit dieser Roman "funktioniert", war dies zweifelsfrei nötig, um ihn wirksam umzusetzen.

Im Grunde gibt es während des gesamten Handlungsablaufes 5 männliche Verdächtige, von denen man als Leser weíß, dass einer von ihnen der Killer ("Die Eule") ist. Eine lange Zeit war ich mit meinen Verdächtigungen auf dem Holzweg. Als dann nur noch 4 Verdächtige übrig blieben, konnte ich einen mit 99 % Wahrscheinlichkeit ausklammern, womit nur noch 3 blieben, von denen sich dann einer als die Eule herausstellte. Da alle drei im absolut gleichen Maße verdächtig waren, sowie Motiv und Gelegenheit hatten, hätte die Autorin auch einen beliebigen der anderen den Mörder spielen lassen können. Als Leser wollte man natürlich den Namen erfahren, doch im Grunde hätte jeder der Verdächtigen ebenso sehr gepasst wie der tatsächliche Mörder. Das fand ich ein wenig schade, diese offensichtliche Austauschbarkeit.

Was mir auch nicht sonderlich gefällt (grundsätzlich) , ist das ständige Verzögern der Preisgabe des Mörders. Sämtliche agierenden Personen wussten bereits, WER es war, aber als Leser erfuhr man es erst als alles vorbei war. Auf diese Art den Spannungsbogen möglichst lange zu halten, stehe ich gar nicht. Dennoch war es eine durchgehend gut zu lesende, interessante und charakteriell ausgefeilte Lektüre. Ich denke, gerade das macht eine gute Autorin aus: Auch aus bereits abgenudelten Storyideen noch einen guten Roman zu zaubern. M. H. Clark ist das mit diesem Buch gelungen. :)

Ein Merkmal davon findet sich auch in "Weil deine Augen ihn nicht sehen": Man kann als Leser unmöglich auf den Drahtzieher der Entführung (Deckname: Kater Karlo) schließen. Es ist zwar logisch, dass er im Aufsichtsrat der Firma sitzt, aber WER es ist, kann man nur durch blindes Raten treffen. Ähnlich verhielt es sich auch mit der Identität der "Eule" aus dem Vorgänger-Roman. Sowas missfällt mir eigentlich sehr. Als Leser möchte ich eine reelle und nachvollziehbare Chance haben, selber den Täter zu ermitteln und nicht auf Gutdünken der Autorin/des Autors angewiesen sein, auf wen das Ratespiel zuletzt gefallen ist.

Mary Higgins Clark ist laut Buchrücken die erfolgreichste internationale Krimi-Autorin. Ich werde bestimmt mal wieder was von ihr lesen, aber eilig hab ichs damit nicht.

Rotkätzchen
07.02.2009, 19:33
Im Moment versuche ich geade ein wenig mit Sherlock Holmes warm zu werden. Immerhin ist er ja sozusagen der Prototyp aller Bücher-Detektive und sein Autor und Schöpfer Sir Conan Arthur Doyle die Krimilegende schlechthin. Nun ja, so wirklich Freund werde ich mit dem ganzen jedoch nicht. Holmes ist höflich, adrett und ein beachtlicher Alleswisser. Dadurch kommt er bisweilen aber etwas überheblich rüber. Naja, vermutlich haben das Genies so an sich. ;)

Einen ganzen Roman von ihm habe ich noch nicht gelesen, bislang sind es nur Kurzgeschichten, die nicht sonderlich kompliziert gestrickt sind. Und doch bergen sie auch immer wieder die eine oder andere Überraschung oder überraschende Wendung.

Was jedenfalls sehr offensichtlich ist, ist die Darstellungsweise von Holmes's Brillianz. Nach meinen Beobachtungen sticht sein Genie nicht nur wegen seinem Genie so heraus, sondern vorwiegend wegen der maßlosen Einfältigkeit aller anderen Figuren - inklusive Dr. Watson. Da sind manchmal Dinge vollkommen offensichtlich, doch niemand erkennt sie. Nur Holmes halt, das Genie. Nur ein Beispiel: Ein gestandener Geschäftsmann und Oberst der Armee ertrinkt in seinem Gartenteich, welcher nur 2 Fuß tief ist. Alle hielten es zunächst für einen Unfall, auch die Polizei. Nur Holmes kam auf den Gedanken, dass ein gesunder Mann wohl kaum in einem 2 Fuß tiefen Teich ertrinken kann. Holmes's Genialität beruht somit vor allem auch an der vollkommen planlosen Naivität aller anderen. Trotzdem oder gerade deswegen hat das ganze eine Menge Charme. ;)

Eveningprayer
08.02.2009, 22:18
Bei all den Krimiautoren wundert es mich, dass ihr Name eigentlich noch nicht gefallen ist.
Ich muss dazu sagen, ich selbst lese äußerst selten Krimis. Der Grund ist ganz banal: Ich kann mir sehr schlecht Verflechtungen/Namen merken - ein Krimi ist von daher nichts für mich, da ich mir einfach nicht merken kann, wer jetzt was getan hat >.<"""

Die Bücher einer Autorin aber habe ich mit unglaublicher Hingabe und Geschwindigkeit verschlungen:
Tess Gerritsen

Die Frau versteht wirklich was von Thrillern.
Gelesen habe ich ihre Werke "Scheintot" und "Blutmale"
Es gibt jedoch mehrere von der s. g. Maura Isles und Jane Rizzoli-Reihe. Die beiden genannten Bücher sind auch die aktuellen ihrer Reihe, was ich jedoch zuvor nicht wusste. Ich las den Buchrücken, fand es interessant und habe das Buch dann einfach verschlungen O.o
es war so spannend >.<""

Hathor
09.02.2009, 09:26
@Eveningprayer: Danke für den Hinweis. Tess Gerritsen ist wirklich auch eine Autorin, die man erwähnen sollte, weil sie aus der Masse herausragt.

Von ihr kenne ich folgendes:

In Boston dringt ein Unbekannter nachts in die Wohnungen von allein stehenden Frauen ein, unterzieht sie einem gynäkologischen Eingriff und tötet sie. Die einzige Spur führt Detective Thomas Moore und Inspector Jane Rizzoli zu der jungen Chirurgin Catherine Cordell, die drei Jahre zuvor nach ähnlichem Muster überfallen wurde, den Täter aber in Notwehr erschoss. Und bald wird klar, dass Catherine erneut zur Zielscheibe eines psychopathischen Mörders geworden ist ...

Ein sehr gut geschriebener, fast unerträglich spannender Thriller ist das. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Da ich durch viele Krimis ähnlich grausamen Inhalts schon ein bisschen abgebrüht bin, konnten mich manche Szenen nicht schockieren. Tess Gerritsen schreibt im Gegensatz zu anderen Autoren meiner Meinung auch auch nicht unnötig blutrünstig. Und die Polizisten sind auch nur Menschen mit Fehlern, Schwächen und Gefühlen. Fast ein Muss für Krimifans. Vor längerer Zeit habe ich Kalte Herzen gelesen. Ich fand dieses Buch stilistisch weniger ausgefeilt als Die Chirurgin, aber intensiver und anrührender. In der Chirurgin ist ein wenig mehr Distanz der Autorin zu den Opfern spürbar.



Die begabte Medizinwissenschaftlerin Emma Watson forscht auf einer Weltraumstation und entdeckt seltsame Zellen im All. Sie vermehren sich mit rasanter Geschwindigkeit, befallen Weltraumforscher und verursachen eine Krankheit, die zum qualvollen Tod führt. Der Versuch der NASA, Emmas Team zurückzuholen, mündet in einer Katastrophe - und die Killer-Mikroben bedrohen nun auch die Menschen auf der Erde. Doch Emma kreist den schier unbesiegbaren Gegner ein.


Ich hoffe sehr, dass dieses Szenario noch weit entfernte Zukunftsmusik ist. Tess Gerritsen hat ein sehr spannendes Buch geschrieben, das teilweise auch grauenerregend realistisch ist. Besonders die Auswirkungen der Krankheit werden drastisch geschildert. Ich musste mich zwingen, Pausen einzulegen, so sehr hat mich der Roman gefesselt. Ein Buch, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.


Und nun wartet noch Schwesternmord auf meinem SUB. Ich hoffe immer noch, dass dazu mal eine Krimi-Leserunde zustande kommt :)

Hathor
12.02.2009, 21:52
Jo Nesbø - Der Erlöser

Oslo im Weihnachtslichterglanz, ein kaltblütiger Mörder und ein Kommissar, dessen Leben aus den Fugen zu geraten droht. Harry Hole liefert sich ein atemloses Duell mit einem kroatischen Auftragskiller, in dem er einen ebenbürtigen Gegner findet.

Das sechste Buch aus der Harry-Hole-Reihe, und Jo Nesbø schafft es auch diesmal wieder, sowohl eine äußerst spannende Geschichte zu erzählen als auch seinen Schreibstil wieder in Richtung Perfektion zu verbessern. Unglaublich, mit welchen einfachen und vielleicht deshalb umso wirkungsvolleren Stilmitteln der Autor es schafft, die Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in Atem zu halten und ganz nebenbei noch sehr interessante Informationen in leicht lesbarer Form zu präsentieren - beispielsweise über die weltumspannende Organisation der Heilsarmee.

Hathor
15.02.2009, 19:33
Simon Beckett - Kalte Asche

Merkwürdig sieht die verbrannte Leiche aus, die der forensische Anthropologe David Hunter auf der abgelegenen Hebriden-Insel Runa zu Gesicht bekommt. Durch die unglaubliche Hitze des Feuers ist sie fast gänzlich zu Asche zerfallen -- bis auf Beine und Füße, die fast unversehrt in den Raum ragen. Auch in der Umgebung des unmittelbaren Tatorts hat das Feuer kaum Schaden angerichtet: anders als wenig später, als das Gemeindehaus der Insel, ein Wohnwagen mitsamt des darin wachenden Polizisten und ein Boot inklusive einer allzu neugierigen Reporterin in Flammen aufgehen. Denn auf Runa treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen, der im Schatten des Rauchs seine dunkle Vergangenheit verbergen will. Bei der Suche nach der Wahrheit sind David Hunter, der Dorfpolizist und sein pensionierter Kollege ganz auf sich allein gestellt. Nach einem Sturm ist Runa von der Außenwelt abgeschnitten...

Unsere Leserunde zur Chemie des Todes hat mich letztendlich dazu animiert, auch die nächste Geschichte über David Hunter zu lesen.

Ist das Buch besser oder schlechter als der Vorgängerroman? Schwer zu sagen... Die Story ist in etwa gleich interessant, wenn ich auch diesmal wieder die genaue Ausmalung der forensischen Arbeit ein bisschen heftig fand.
Von der Spannung her punktet Kalte Asche sicher gegenüber der Chemie des Todes. Diesesmal gabs nervenzerfetzende Spannung und Überraschungen wirklich bis zur letzten Seite.
Die Charaktere sind okay, aber ein wenig schablonenhaft.

Nett war es, dass ein paarmal auf den ersten Fall von David Hunter eingegangen wurde. Nur dass Jenny diesesmal eher als Zicke rüberkam, gefiel mir weniger.

Eine Rüge erteile ich dem Lektorat. Ist teilweise peinlich, welche Schnitzer da übersehen wurden.

Fazit: Lesenswert... 4 von 5 Sternen

kleine_elfe
25.02.2009, 04:06
Also ich kann jedem Thrillerfan wärmstens die Bücher von Sebastian Fitzek empfehlen, gerade "die Therapie" und "Seelenbrecher" sind sowas von fesselnd gut geschrieben, die kann man wirklich nicht weg legen.
Ein sehr gutes Buch ist auch "Schatten des Herrn" von John F. Case, wirklich mit eins der besten Bücher, das ich je gelesen habe und die Liste ist wirklich lang!

Lg Jenny

Hathor
06.03.2009, 21:49
Wirklich beklemmender Psycho-Thriller. Die zweite Hälfte wirkt etwas konstruiert, aber trotzdem wird man als Leser gefesselt. Der Protagonist Dupeyrat, kann seine sachliche Postition als Journalist nicht halten, und wird immer mehr in die Abgründe von Reverdi hineingezogen. Diese nicht ganz eindeutige Haltung macht viel der Spannung aus. Gruselig und schnell gelesen!

Auch ich fand diesen Thriller enorm spannend. Und sehr sehr französisch... Im ganzen Buch kein einziger positiver, aufmunternder Gedanke. Alles ist tiefschwarz: die Atmosphäre, die Vergangenheit der Charaktere, die Gegenwart der Charaktere, die Perspektive der Charaktere. Nichts für Leute, deren Stimmung man leicht runterziehen kann.

Am meisten bemängeln muss ich den Schluss. Der war mir einfach viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Diese Auflösung hatte ich viel früher schon mal vermutet, dann aber wieder verworfen. Aber dann auf den letzten Seiten zusammenhanglos mit dieser Wendung zu kommen, das gefiel mir nicht.

ExLibris
09.03.2009, 08:50
Am meisten bemängeln muss ich den Schluss. Der war mir einfach viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Ging mir auch so, der Schluss kam mir aufgezwungen vor. Für mich war die erste Hälfte des Buchs eindeutig stärker.

Hathor
10.03.2009, 23:45
Yrsa Sigurðardóttir - Das gefrorene Licht

Sommer 2006, im Westen von Island. Auf der Halbinsel Snæfellsnes wird die Architektin eines Wellness-Hotels tot am Strand aufgefunden. Sie wurde vergewaltigt und brutal erschlagen, in ihren Fußsohlen stecken Nadeln. Rechtsanwältin Dóra Guðmundsdóttir findet heraus, dass die Ermordete sich sehr für die Geschichte der verlassenen Gegend interessiert hat. Vor vielen Jahrzehnten standen auf dem Hotelgrundstück die Höfe zweier Brüder. Offenbar ist sie auf ein unaussprechliches Familiengeheimnis gestoßen ...


Als Island-Fan sind solche Bücher für mich fast Pflichtlektüre. Trotzdem hat mich dieser Krimi nicht besonders begeistert. Das Thema ist zwar durchaus gut und auch gut abgehandelt. Allerdings sind mir die Charaktere viel zu farblos, und die Hauptakteurin ist mir unsympathisch. Vor allem als Mutter disqualifiziert sie sich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine liebende Mutter sich um einen Mord kümmert, der sie eigentlich nichts angeht, wenn gleichzeitig der sechzehnjährige Sohn mit der fünfjährigen Tochter zusammen ohne Führerschein und ohne Erlaubnis im Wohnwagen durchs Land fährt... *Kopf schüttel*
Die Auflösung des Falles war eher verwirrend als entwirrend, viel zu abstrus und völlig unlogisch.

Aber das Titelbild finde ich wunderschön und sehr stimmig.

Rotkätzchen
13.03.2009, 12:49
Kurzbeschreibung
Ein junges Paar in einer heißen Sommernacht. Alles wäre perfekt, wenn da nur nicht dieser mysteriöse Mann wäre, der die beiden schon seit geraumer Zeit beobachtet, der alles über sie weiß - und der beabsichtigt, auf fürchterliche Weise Rache zu üben ... Ein Geheimtipp und zugleich ein geheimer Bestseller: In den USA und Großbritannien ist Richard Laymon seit Jahren einer der bestverkauften zeitgenössischen Horror-Autoren. "Rache" gilt als sein zentrales Werk: nicht nur ein Roman - ein buchgewordener Alptraum.

Dies war mein erster Richard Laymon-Roman. Unter Horrorfans genießt dieser Herr ja einen gewissen Kultstatus. Auf dem Buchrücken hat sich auch Stephen King zu ihm sehr reißerisch positiv über ihn geäußert.

Die Story ist eher simpel, aber die Lektüre als solche war überaus fesselnd und atmosphärisch dicht: Eine junge Lehrerin bekommt es mit einem ihrer Schüler zu tun, der vollkommen austickt und über Leichen geht. Obwohl ich zur Zeit viel Lernstress habe, habe ich das Buch ziemlich zügig durchgelesen. Man will wissen, wie es weitergeht. Trotzdem hat vieles vom Inhalt einen recht faden Beigeschmack.

Die Charaktere sind allesamt sehr oberflächlich gestrickt und es fiel mir zunehmend schwerer, eine Logik in ihrer Handlungsweise zu finden. Hier mal eine kurze Szenenbeschreibung, die irgendwie jenseits aller Konventionen ablief:

Die Heldin/das Opfer namens Sherry wird brutal vergewaltigt und so schwer verletzt, dass der wahnsinnige Toby sie für tot hält und sie nackt irgendwo ablädt, wo sie nicht so bald gefunden werden sollte. Doch sie wird gefunden: Von zwei 16jährigen, die angesichts einer Toten nur im Sinn haben, ihre Brüste zu sehen und vielleicht anzufassen. Die vermeintlich Tote kommt wieder zur Besinnung und hat dann im luxuriösen Anwesen der Eltern eines der Jungen zunächst mal nix besseres zu tun, als ihnen kleine Avancen zu machen und mit ihnen nackt Bloody-Marys zu saufen. Dabei weiß sie genau, dass der Irre noch da draußen ist, und hinter ihrer kleinen Schwester her ist. Irgendwie komisch das ganze, oder?

Ich konnte mich auch nicht des Eindrucks erwehren, dass der Autor ein gewisses sadistisches Vergnügen empfindet, wenn seine Figuren leiden und Schmerz empfinden. Darüber hinaus hat er Toby, dem brutalen Irren, auch einige Geschenke gemacht, bevor dessen Amoklauf endete. So durfte Toby zum Beispiel nicht nur ne Menge Leute töten, sondern auch noch die kleine Schwester der Helden vergewaltigen. Als der Typ dann endlich geschlagen war und ich gehofft hatte, nun käme die buchbetitelte "Rache", kam dann leider doch nichts. Der tote Körper des Irren wurde dann ganz bequem von einem Buschfeuer beseitigt.

Ich bin also sehr zweigespalten, diesen Roman zu bewerten. Handwerklich also sprich schreibtechnisch ist er beeindruckend. Die drückende Hitze einer kalifornischen Sommernacht kommt schon sehr gut rüber. Aber die Handlungsweisen der Figuren und dann immer wieder diese sadistischen Untertöne, bei denen durchaus Vergnügen durchschimmert, sind fraglich bis unzureichend thematisiert.

Hathor
18.03.2009, 14:33
Wolfgang Burger - Schwarzes Fieber

Eine bewusstlose Frau mit starken Kopfverletzungen, die in der Nähe von Heidelberg gefunden wird, gibt der Polizei Rätsel auf: Wer ist sie? Und weshalb wird sie von niemandem vermisst? Als sie aufwacht, stellt sich heraus, dass sie nicht sprechen kann. Kripochef Alexander Gerlach übt sich in Geduld, doch dann kommt es zu weiteren Mordanschlägen auf die Fremde. Erst als die Leiche eines Mannes aus Angola auftaucht, beginnt Gerlach die wahren Zusammenhänge zu erahnen, und ein gefährlicher Wettlauf mit der Zeit beginnt.


"Ein Heidelberg-Krimi" steht es im Untertitel. Da ich schon mehrere deutsche Autoren versucht und von den meisten leider schwer enttäuscht wurde, hat dieser Roman lange auf meinem SUB warten müssen.

Wie konnte ich nur? Wie konnte ich dieses Juwel so lange unbeachtet lassen?

Wolfgang Burger ist für mich eine Entdeckung. Der Mann kann schreiben. Wirklich schreiben. Und das auf eine leichte, unspektakuläre Art. Er erzählt eine Geschichte, die spannend und vielschichtig ist, mit feinen Untertönen und noch feinerem Humor.
Sein Kripochef Alexander Gerlach ist ein Protagonist, wie ich ihn mag: sympathisch, aber keinesfalls unfehlbar. Mit Fehlern und Vorzügen, ein guter Ermittler, ein alleinerziehender Vater von Zwillingen, ein Mensch mit Ecken und Kanten. Und einer guten Portion Selbstkritik und Selbstironie.

Da ich das Glück habe, Heidelberg zu kennen, kann ich auch die Lage und das Aussehen Schauplätze richtig nachvollziehen.

Das dies der vierte Fall von Alexander Gerlach ist, habe ich jetzt schon wieder neues Krimifutter auf meiner Wunschliste :D

nyx
18.03.2009, 19:33
In Gelnnkill geht es um einen Mord. Nun, das tut es bei Krimis ja meistens. Hier geht es um den Mord an einem Schäfer. Und um seine Schafe. Denn diese sind sich einig, dass er ein guter Schäfer war und sie sind auch der Meinung, dass dieser Mord aufgeklärt werden sollte. Also machen sie sich daran, die Bewohner von Glennkill genauer unter die Lupe zu nehmen - auf Schafsart natürlich.
Das Buch steht ja nun schon länger groß angepriesen auf diversen Bestsellerlisten und hat außerdem ein "Spiegel-Bestseller"-Schildchen auf dem Cover kleben. Das hat mich bisher einen großen Bogen um das Buch machen lassen, obwohl es mir von verschiedenen Seiten immer wieder empfohlen wurde. Dann hab ich es geschenkt bekommen und jetzt habe ich es endlich auch einmal geschafft zu lesen.

Ich bin positiv überrascht worden, denn ich konnte mir kaum vorstellen, dass ein Krimi mit Schafen in der Hauptrolle spannend sein sollte.
Nun ja, spannend war es nicht unbedingt. Aber äußerst unterhaltsam! Frau Swann, bzw. ihre Schafe, habe einen ganz eigenen Humor, der mich voll angesprochen hat. Die Figuren sind alle schön ausgearbeitet, nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Menschen. Mir hat's jedenfalls sehr gut gefallen, denn es war mal was anderes. :)

Hathor
18.03.2009, 19:47
Jaaaa, Glenkill hat mir auch sehr gefallen. Ich fand es sehr hübsch, wie die Autorin den Schafen menschliche Züge verliehen hat und die Schafe trotzdem Schafe blieben und ihre Eigenheiten behielten. Doe Naivität der Tiere hat mich entzückt, vor allem, wenn sie absolut nicht verstehen konnten wie jemand "Gras" hortet... das gibt's doch überall.

Ich hoffe auf weitere Fälle für die Schafe von Glenkill.

Feuerfluegel
18.03.2009, 20:15
Also ich kann jedem Thrillerfan wärmstens die Bücher von Sebastian Fitzek empfehlen, gerade "die Therapie" und "Seelenbrecher" sind sowas von fesselnd gut geschrieben, die kann man wirklich nicht weg legen.


Ich lese nur selten Krimis und Thriller. Aber hier muss ich zustimmen.
"Die Therapie" war unfassbar fesseln, bis zur letzten Seite. Hatte meiner Meinung nach immer überraschende Wendungen parat. Das Problem der Psyche ist sehr schön erarbeitet. Sehr kurzweiliger Stil, wenn auch nicht meisterhaft.
Und: Man glaubt der Täter ist gefunden und wird doch wieder überrascht.

Ansonsten habe ich auch "Illuminati" gelesen. Ich mochte das Buch tatsächlich sehr gern. Es war spannend und Symbologie interessiert mich eh. Ich muss aber zustimmen, gegen Ende verliert das Buch doch an (Spannung würde ich nicht sagen) "Güte"
Ansonsten haben mich nur ein paar Sachen gestört. zBsp. dass auf zwei Seiten ca. 14 der Satz: "Er schien das Spiel zu genießen" vorkommt. Da musste ich dann doch den Kopf schüttelt.

Von Elisabeth George habe ich "Auf Ehre und Gewissen" gelesen. Mag Krimis die sich um Schulen drehen. War sehr spannend, sehr abenteuerlich, ist aber auch schon eine Weile her, dass ich es gelesen habe.

"Der dritte Zwilling" von Ken Follett fällt mir dann noch ein. Auch sehr schön geschrieben, auch wenn ich mit seinem Schreibstil manchmal nicht so ganz konform gehe. Es zieht sich manchmal etwas. Dennoch gefiel mir die Geschichte.

Werde mir aber auch auf jeden Fall noch
"Seelenbrecher" und "Amok" von Fitzek zulegen. Das erste Buch war so spannend. Ich will wissen, ob er das auch in den anderen Büchern kann....

Rotkätzchen
20.03.2009, 11:00
Also diesen Schafskrimi habe ich bislang erfolgreich gemieden. Irgendwie kommt mir allein der Gedanke daran komisch vor, irgendwie sogar beunruhigend komisch. Naja, mal sehen.:D

Ich habe zuletzt mal wieder Altbekanntes gelesen:
Kurzbeschreibung
Bei der Renovierung eines Hauses am Rande der Dolomiten wird die Leiche eines jungen Mannes gefunden. Das Wappen auf dem Ring des Toten führt zu dem ebenso einflussreichen wie wohlhabenden venezianischen Geschlecht der Lorenzoni. Der Sohn der Familie wurde vor längerer Zeit entführt. Vor der geplanten Lösegeldübergabe verschwanden die Entführer jedoch spurlos von der Bildfläche. Steckte womöglich mehr dahinter als Kidnapping? Commissario Brunetti rollt den Fall von damals wieder auf.

Ich habe dabei festgestellt, dass ich bei Donna Leon (ähnlich wie bei Arnaldur Indridasson) Stilmittel schätze, die ich bei anderen Autoren eher geneigt bin, anzukreiden: Lange Gespräche, bei denen eigentlich nur ein Minimum an verwertbaren Informationen bei rum kommen, häufiges Abgleiten von den aktuellen kriminellen Geschehnissen und dafür viel Einblick ins Familienleben des Protagonisten, detaillierte äußere Regungen bei Brunettis Gesprächspartnern, langssame und teils fast schon behäbige Erzählweise. Und doch, bei Donna Leon schätze ich das. Ich weiß nicht, ob es an Venedig liegt oder an ihrer Hauptfigur, aber ich begleite diesen Mann einfach gerne durch seinen Alltag, inklusive Probleme mit Kollegen, mit Freunden, Frau oder Familie.

Der tatsächliche Fallgegstand dieses Krimis bleibt lange im Dunkeln. Als er dann aufgedeckt wird, steht der böse Hintermann dann im Grunde auch schon fest. Die Auswahl potenzieller Verdächtigen war gering und doch war das Fallgestrick lange Zeit nicht zu durchschauen. Empfehlenswert! Aber Donna Leon hat auch bessere Bücher geschrieben.

Kain
03.04.2009, 00:12
Der Albtraum einer jeden Mutter wird für Kara Marshall erschreckende Realität: Ihre Tochter Lindsay verschwindet eines Nachts spurlos aus ihrem Zimmer. Kurz zuvor hatte Lindsay ihr von einem Fremden erzählt, der sie belästigt hatte. Kara befürchtet das Schlimmste. Als sich noch weitere Menschen auf mysteriöse Weise in Luft auflösen, wird ihr grauenvoller Verdacht zur schrecklichen Gewissheit.

Stalker von John Saul war meiner Meinung nach ein enttäuschender Thriller. Nach einem kurzen Prolog, der mich auf eine interessante Geschichte hoffen ließ, bekam ich vom Autor stattdessen 120 Seiten lang profane Altagssituationen einer amerikanischen Familie zu lesen, bevor überhaupt erst mal etwas passiert. Richtig spannende Höhepunkte hatte der Thriller aber auch auf den restlichen Seiten nicht zu bieten. Die Protagonisten bleiben weitestgehend uninteressant, manche Szenen wirkten unglaubwürdig und konstruiert und der Täter und sein Motiv waren einfach zu vorhersehbar. Was mir gefiel, war die Beschreibung der Denkweise des Täters, die einem durch tagebuchartige Einträge übermittelt wurde und die Schilderung der Torturen, die Lindsay und die anderen Entführten durch ihren Peiniger erleiden mussten -beides fand ich sehr verstörend. Die Erklärung, wie der Psychopath zu dem wurde was er ist, die der Autor am Ende noch liefert, fand ich allerdings stark an den Haaren herbeigezogen.

Rotkätzchen
19.04.2009, 14:52
Entnommen Amazon.de:
Eine Korrespondentin der Agentur Reuters wird im Irak entführt. Schon nach drei Tagen lassen die Geiselnehmer die junge Frau wieder frei, nichts deutet darauf hin, dass sie gefoltert oder vergewaltigt wurde. Doch irgendetwas ist passiert mit Connie Burns: Sie schmeißt ihren Job, ändert ihren Namen und zieht sich in ein abgeschiedenes Dorf in England zurück. Die einzige, die der von Panikattacken und Albträumen gequälten Connie näher kommt, ist ihre Nachbarin Jess. Mit ihrer schroffen Art gewinnt sie das Vertrauen der Journalistin und entlockt ihr nach und nach, was im Irak wirklich vorgefallen ist. Hochaktuell sind die Ereignisse, die Minette Walters in ihrem zwölften Roman schildert: die Entführung einer Europäerin, die Ohnmacht der Behörden, die kontroverse Rolle der Medien. Doch „Des Teufels Werk" ist weit davon entfernt, ein politisches Zeugnis zu sein. Walters widmet sich vor allen Dingen der psychologischen Verfassung ihrer Protagonistin und beschreibt, wie Connies Hilflosigkeit und Angst Stück für Stück in Selbstvertrauen umschlagen. Großartig, wie die Bestsellerautorin diese Entwicklung in Worte fasst.
Nach dieser Lektüre bin ich schon sehr neugierig und vorfreudig auf weitere Minette Walters-Kost, und ich schließe nicht aus, dass ich sie demnächst in mein Kabinett der Lieblings-Krimi/Thriller-Autoren aufnehme. *cool**cool*

Dass in dieser Geschichte quasi ZWEI von einander unabhängige Geschichten erzählt werden und in einander übergreifen, mag manche stören (das lassen die Amazon-Bewertungen schließen ;)), ich aber fand es toll. Es gab dem ganzen eine unberechenbare Note. Auch der Erzählstil ist nicht einfach mit "Ich-Perspektive" erklärt. Minette Walters verdeutlicht erst später, wem die Heldin ihre Geschichte da eigentlich vorträgt und erweitert ihr Buch um eine weitere interessante Facette.

Am Anfang tat ich mich schwer, weiterzulesen. Da war zunächst wenig Interessantes. Aber dann macht die Geschichte eine Kehrtwende und strebt eine ganz andere, unerwartete Richtung an. Plötzlich hatte sich dieser gemütliche Landhauskrimi in einen unvorhersehbaren Psychothriller verwandelt, ohne aber die vorab aufgebauten Rätselelemente außer Acht zu lassen. Ich fand diesen Richtungswechsel sehr beeindruckend.

Wie offenbar nicht selten bei MW-Thrillern liegt die Lösung einiger Rätsel teilweise weit in der Vergangenheit begründet. Kleine Seltsamkeiten wie eine fehlende Quittung oder ein verschlossenes Wasserventil gewinnen an Bedeutung, während dunkle Familiengeheimnisse einer längst verstorbenen Generation unverhofft die Gegenwart beeinflussen.

Alles in allem war es eine ganz tolle Lektüre. Nur am Schluss habe ich was Kleines anzukritteln. Eigentlich hab ich ja nichts gegen ein paar offene Fragen am Ende, aber hierbei hätte ich doch noch etwas näher gewusst. Ich setze es mal in Spoiler-Tags, obwohl es eigentlich nichts Wichtiges über die Geschichte verrät:
Ich hätte halt schon gerne erfahren, ob und wie die Heldin nun ebenfalls zur Mörderin geworden ist.

Rotkätzchen
25.04.2009, 11:09
Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Ehefrau eines Münchner Kunsthändlers, deren Mann bei einem Autounfall ums Leben kommt, wird in eine mysteriöse Geschichte um ein geheimnisvolles Pergament verwickelt, das ihr Mann für eine horrende Summe verkaufen wollte. Bei der Suche nach dem Pergament führt sie die Spur nach Frankreich, in die USA, zu einem entlegenen Kloster am Fuße des Olymp in Griechenland, das von der elitären Sekte der Orphiker geleitet wird, und zuletzt nach Rom zu den Jesuiten und den purpurgekleideten Kardinälen der Kurie des Vatikans.
Merkwürdige Dinge geschehen: Ein amerikanischer Professor verübt nach der Lektüre von Dante Alighieris Göttlicher Komödie und dem Traktat über die Malerei ein Säureattentat auf eine Madonnenmalerei von da Vinci im Louvre; sogar ihr Mann taucht plötzlich wieder auf. Doch immer, wenn sie glaubt, mit Hilfe anderer der Lösung näherzukommen, stößt sie lediglich auf den Namen Barrabas und eine Spur von Toten bleibt zurück. Wer verbirgt sich hinter diesem Namen? Was wussten Dante, Leonardo da Vinci und Shakespeare von Barrabas?

Es dauert lange, bis sie bruchstückhaft in Erfahrung bringt, dass Barrabas ein fünftes, christliches Evangelium zugeschrieben wird, allerdings mit dem großen Unterschied, dass es sich bei Barrabas um einen Zeitzeugen von Jesus gehandelt haben muss. Damit wäre er der Ur-Autor des Evangeliums. Andeutungsweise tritt hervor, dass sich das Barrabas-Evangelium in besorgniserregender Weise in wesentlichen Textpassagen von den Texten unterscheidet, aus denen bisher die Existenz der katholischen Kirche und des Papstes hergeleitet wurde.

Kurz gesagt: Tolle Unterhaltung!

Ich kenne auch Dan Browns Bücher, die im Grunde im selben Fahrwaser schwimmen. "Das fünfte Evangelium" ist jedoch älter als Dan Browns Schaffen - und meiner Meinung auch besser. Zwar gibt es schon den einen oder anderen hanebüchenen Zusammenhang, aber sowas gibts auch in "Sakrileg" mehrmals. "Das fünfte Evangelium" ist ungleich verzwickter, facettenreicher und unvorhersehbarer. Ein toller Geschichts-Thriller mit vielen Verweisen auf die Kunstgeschichte, auf Leonardo da Vinci, Shakespeare und Dante, dazu etliche Schauplatzwechsel von Berlin, Paris über San Diego bis Nord-Griechenland und zuletzt Rom.

Akaya
28.04.2009, 08:16
Krimis sind für mich so ein 50%-Ding. D.h. die Hälfte der Krimis, welche ich gelesen habe, waren super. Die andere Hälfte dafür eher weniger berauschend. Von Henning Mankell habe ich "Der Mann, der lächelte" gelesen, was mir aber nicht sehr gut gefallen hat. Irgendwie werde ich mit dem Schreibstil von Mankell nicht warm.

Von Viktor Arnar Ingolfsson habe ich "Das Rätsel von Flatey" gelesen. Hat mir sehr gut gefallen, v.a. die Beschreibung der isländischen Landschaft und die Charaktere der Bewohner. Einziger Kritikpunkt für mich war die Länge. Ich fand, dass die ganze Geschichte hätte straffer (sprich auf weniger Seiten) hätte erzählt werden können.

Einer der besten Krimis, die ich gelesen habe, ist von Arturo Perez-Reverte "Das Geheimnis der schwarzen Dame". Bei diesem Buch handelt es sich um einen "Schachkrimi", d.h. der Täter spielt mit der Polizei Schach und gibt ihnen im Spiel Hinweise, wer sein nächstes Opfer wird. Dieses Buch fand ich fantastisch und es hat mich sehr in seinen Bann gezogen.

ExLibris
29.04.2009, 16:36
Darum v. Daniel Glattauer

Aus der Amazon.at-Redaktion
Nichts passiert ohne Grund, heißt es. Die Vorstellung, dass gar eine Mordtat ohne Motiv begangen werden könnte, muss daher als besonderer Affront gegen das rationalistische Weltbild empfunden werden. Diese Erfahrung macht der unbescholtene Journalist und Gerichtsreporter Jan Rufus Haigerer, der eines Abends scheinbar wahllos einen Menschen niederschießt, um sich gleich darauf geständig in die Hände der Justiz zu begeben. Dort will man ihn allerdings auf Grund seines liebenswerten Charakters als Mörder partout nicht in Frage kommen lassen. Sein offensichtlicher Wille zur Sühne wird durch das unerbittliche Wohlwollen der Mitmenschen auf eine harte Probe gestellt.


Ich bin ja sowieso ein Glattauer Fan, aber mit diesem Buch lernt man ihn noch einmal von einer ganz neuen Seite kennen. Ein Gerichts-Krimi in dem der Mörder zwar bekannt ist, aber das Motiv das große Rätsel aufgibt. Ein spannendes Verwirrspiel, bei dem man sich nie sicher sein kann. Der Protagonist ist der Ich-Erzähler, der im selbstironischen Stil ("gut, dass ich kein depressiver Mensch bin"), seine Gründe bis zum Schluss vor sich, also vor uns, geheim hält.
Eigentlich hatte ich nur Angst, dass der Schluss nach soviel geschürten Erwartungen eben nur enttäuschend sein kann. Entweder gemogelt oder aus dem Hut gezaubert. Ich hatte ständig Angst, dass die Frage garnicht beantwortet wird.

Erzählerisch eine Top Geschichte! Gute Planung, tolle Ausführung. Glattauer, der selbst Gerichtsreporter war, spielt mit den Bildern die der Leser gleich von selbst in einen Gerichtssaal mitbringt. Die Seiten vergingen wie im Flug. :)

Hathor
14.05.2009, 19:40
Ich habe wieder einmal einen Krimi beendet:

Martha Grimes, Inspektor Jury kommt auf den Hund

Inspektor Jury schweigt - schließlich ist er ja zum Trinken und nicht zum Reden in den Pub gekommen. Sein Gegenüber redet dafür umso mehr: Er erzählt Jury die unglaubliche Geschichte eines befreundeten Physikers, dessen gesamte Familie spurlos verschwunden ist. Einzig der Hund Mungo taucht Monate später wieder auf. Zum Glück - denn ohne Mungo stünde Inspektor Jury bei diesem schwierigen Fall auf ziemlich verlorenem Posten ...



Eigentlich wollte ich ja nie mehr einen Roman dieser Autorin lesen. An Fremde Federn habe ich ja kein gutes Haar gelassen...

Und nun bin ich selber erstaunt, dass mir Inspektor Jury und der Hund Mungo ausgezeichnet gefallen haben. Ich habe mich an dem feinen und sehr sehr britischen Humor erfreut und musste manchmal laut lachen. Und zwar bei den Szenen, in denen Mungo das Kätzchen Elfchen sehr kreativ vor seiner Mutter versteckt :D

Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet, die Atmosphäre einfach perfekt, der Schluss... naja, ich würde sagen: realistisch. Und die Spannung war da bis zum Ende.

Nun weiß ich endlich, warum Martha Grimes so erfolgreich ist.

Allerdings hat der Krimi allgemein nicht besonders gute Kritiken. Versteh ich gar nicht ;)

kleine_elfe
15.05.2009, 14:55
Welche Bücher auch seeeehr gut waren, sind Cupido und Morpheus. Auch absolut spannend geschrieben. Ist aber weniger die Psychoschiene wie bei Fitzek, sondern einfach ein kranker Psychokiller, aber trotzdem sehr gut.
Wobei mir da alsa nächstes die Alex Cross-Reihe von James Patterson einfällt, eins der Bücher wurd auch mal verfilmt: Im Netz der Spinne. Da war sogar der Film nicht schlecht, aber die Bücher sind einen haufen besser. Wenn man mit einem angefangen hat, dann hört man nicht mehr auf.

Lg Jenny

Feuerfluegel
15.05.2009, 23:49
Welche Bücher auch seeeehr gut waren, sind Cupido und Morpheus.

Hm, ich kann mich daran erinnern, dass ich "Cupido" auch gelesen habe. Ich erinnere mich auch noch, dass ich es sehr spannend fand und wirklich innerhalb weniger Tage durchgelesen habe.
Nur: Ich kann mich kaum noch an den Inhalt erinnern. Ist mir einfach nicht im Gedächtnis geblieben. Was schon seltsam ist, sonst vergesse ich meist lieber schlechte Bücher.

Hathor
18.05.2009, 19:51
So, weil niemand mitlesen wollte, habe ich nun allein Schwesternmord von Tess Gerritsen gelesen:

Vor dem Haus der Pathologin Maura Isles wird eine Frau erschossen - die Maura bis aufs Haar gleicht! Detective Jane Rizzoli ist erleichtert, als ihre Kollegin kurze Zeit später von einem Kongress zurückkehrt. Bei der Leiche handelt es sich offensichtlich um Mauras Zwillingsschwester - von deren Existenz sie selbst nichts wusste. Gemeinsam mit dem einfühlsamen Detective Rick Ballard beginnt Maura nachzuforschen - und gerät dabei in einen blutigen Albtraum: Sie stößt auf Skelette von ermordeten Schwangeren, deren Babys spurlos verschwunden sind. Doch erst als Jane Rizzoli einen anderen Fall untersucht, findet sie den Schlüssel zum Tod von Mauras Schwester ...


Sehr spannend, sehr sehr spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Die Handlung ist zwar objektiv gesehen schon sehr an den Haaren herbeigezogen. Aber wenn man sich darauf einlässt, wird man mit einem ausgefeilten Krimi belohnt, den man kaum aus der Hand legen kann.
Tess Gerritsen ist eine begnadete Erzählerin. Allerdings sollte man auch über einen relativ robusten Magen verfügen oder zumindest gewarnt sein... denn einige Beschreibungen sind schon hart an der Grenze des Erträglichen.

Und während der letzten Leserunde habe ich auch als Gegengewicht einen Thriller gelesen:

Jack Kerley, Der letzte Moment

Ein Serienmörder, der über die Kunst des letzten Moments philosophiert und dabei erschossen wird. Erinnerungsstücke an ihn, die Jahre später zu Höchstpreisen versteigert werden. Und eine Frauenleiche, die kunstvoll in einem Hotelzimmer arrangiert wurde. Carson Ryder und Harry Nautilus stehen vor einem Rätsel. Nur gut, daß Carsons Bruder selbst als Serienkiller hinter Gittern sitzt und ihm wertvolle Tips geben kann. Oder führt er ihn diesmal hinters Licht?

Während des Lesens dieses Romans habe ich mehrmals meine Meinung darüber geändert. Im ersten Viertel habe ich nicht so recht verstanden, worum es eigenlich geht. Verwirrende Namensfülle, ein Overkill an Dialogen, alles ziemlich eigenartig.
Dann hatte ich mich eingelesen und sozusagen die Kurve gekriegt. Nun wurde es richtig spannend.
Im letzten Drittel verfiel Kerley wieder in den ürsprünglichen Stil und dehnte einerseits die Handlung unnötig und machte dann wieder Handlungssprünge, die recht irritierend waren.
Der Schluss allerdings hat alle losen Enden verknüpft und hatte auch noch ein paar Überraschungen parat.
All's well that ends well.

ExLibris
19.05.2009, 09:19
Der Meister des jüngsten Tages v. Leo Perutz

»Wisse, daß geschehene Dinge niemals ein Ende haben.«
Das sagt im Jahre 1532 in Florenz der Arzt und Chemiker Salimbeni. Und im Jahre 1909 in Wien bewahrheiten sich seine düster-prophetischen Worte. Gleich mehrere Personen begehen Selbstmord, sämtlich unter den gleichen rätselhaften Umständen und – das ist das Unheimlichste – ohne jedes Motiv.

War es doch Mord? Ich-Erzähler Freiherr von Yosch, selbst in einem der Fälle in Verdacht geraten, stellt Nachforschungen an. Wie in Ecos ›Name der Rose‹ führt die Spur zu einem Buch, einem alten Folianten, der das gefährliche Geheimwissen des Salimbeni enthält. Als einen Roman, der bis zur letzten Seite unerwartete Wendungen bereithält und nervenzerrüttend spannend bleibt, nahm Jorge Luis Borges den ›Meister des jüngsten Tages‹ in seine Edition der besten Kriminalromane der Welt auf.

Obwohl der Krimi, der 1923 geschrieben wurde, ein bisschen trocken beginnt, entwickelt sich bald eine sehr spannende Geschichte, mit unerwartetem Ausgang. Die Suche nach dem Mörder führt plötzlich in eine absurde und fantastische Richtung. Mir hat das Buch gefallen, weil ich so gar nicht wusste was mich erwartet. Leo Perutz war ein toller Schriftsteller, und ich werde sicher wieder etwas von ihm lesen.

Rotkätzchen
25.05.2009, 12:02
Aus der Amazon.de-Redaktion
Eigentlich scheint Tom Bryces Leben in Ordnung. Er hat liebreizende Kinder, eine Frau, die er begehrt, ein schönes Haus mit Garten in der Nähe von London und einen Job, um den ihn viele beneiden. Aber die Idylle trügt. Denn der Job hat unter der Rezession zu leiden. Seine Frau ist Ebay-süchtig und hat ein Alkoholproblem. Ein Schuldenberg bringt Dissonanzen in die Harmonie. Das schöne Haus wird Bryce vielleicht bald aufgeben müssen. Und jetzt wird auch noch sein Leben und das seiner Familie massiv bedroht.

Angefangen hatte alles bei einer harmlosen Zugfahrt von London nach Brighton. Brice hatte neben einem dicken unsympathischen Handy-Brüller gesessen, der eine CD-Rom im Abteil vergaß. Bryce hat sie sich angeschaut und den bestialischen Mord an einer jungen Frau mit angesehen, der offenbar für ein perverses Publikum gefilmt worden war. Nun bekommt er eine Drohung von einer obskuren Firma namens Scarab Productions per Email, die ihn auffordert, nicht zur Polizei zu gehen. Danach wird seine Festplatte gelöscht, die CD-Rom gestohlen. Die Polizei aber hat die Frauenleiche längst entdeckt. Oder besser: das, was von ihr übrig blieb -- den Torso, ohne Kopf und Arme. Dafür aber steckt ein präparierter Skarabäus in der Toten. Ein kniffliger Fall für Inspektor Roy Grace, auch wenn Bryce sich doch noch entschließt, zur Polizei zu gehen. Wer hat die junge Jurastudentin, die nebenbei als Callgirl arbeitete, auf dem Gewissen? Und was hat es mit der merkwürdigen Warnung eines Hellsehers auf sich, der Grace prophezeit, dass er in höchster Lebensgefahr schwebe?


Endlich habe ich es geschafft, diesen Thriller zu lesen, den ich seinerzeit auch für die Krimileserunde vorgeschlagen hatte. Das Buch war definitiv sein Geld wert, allerdings wäre es für eine Krimileserunde eher weniger geeignet. Denn ein Rätselraten, wer denn wohl der Mörder ist, gibt es hier nicht. Die Drahtzieher sind eigentlich sehr schnell bekannt.

Nichtsdestotrotz war das ein überaus fesselnder Thriller. Die Charaktere überzeugen und es wird zu keinem Zeitpunkt langweilig. Es gibt keine Durchhänger. Es ist ein sehr harter Thriller, muss ich sagen, und es beunruhig mich umso mehr, dass es tatsächlich Leute geben soll, die sich Snuff-Filme ansehen. Schockierend und für mich einfach unbegreiflich. *nein*

Storm
10.06.2009, 22:43
Oh, Stirb Schön hab ich auch hier rumliegen und ich finde das Buch ebenfalls sehr packend und spannend geschrieben. Ich hab ewig davor gesessen und dem Ende entgegengefiebert - und es hat mich nicht enttäuscht, auch wenn es jetzt nicht überragend toll war. Man könnte die Geschichte durchaus mit nem typischen Hollywood-Thriller vergleichen.

Der eigentliche Vorgänger des Buches, Stirb Ewig, ist übrigens auch sehr spannend - für meine Begriffe sogar zu spannend. Das ist wirklich was für Drahtseilnerven.

Rotkätzchen
12.06.2009, 13:56
Danke für den Tipp, den merke ich mir mal vor. Allerdings werde ich mich wohl nicht so bald daran machen. Mir ist leichtere Kost halt doch lieber. Die liebsten Krimis sind mir einfach die ohne übermäßige Gewalt, dafür mit einem ausgeklügelten Fakten-Puzzle, in deren Gewühl man nach Herzenslust kombinieren kann. *ja*
Wenn dann auch noch die beteiligten Personen stimmen und überzeugen können, ist der Krimi perfekt. *cool*

Ylvina
20.06.2009, 20:57
Stirb schön hab ich auch schon gelesen. Wirklich tolles Buch.

Bin gestern aber mit einem anderen Thriller fertig geworden:
Todesbräute von Karen Rose
Einfach genial. Es ist bereits der zweite Band einer Trilogie und ich warte jetzt sehnsüchtig auf den dritten Teil.
Schön spannender Krimi gemischt mit Romantik

Verräter
21.06.2009, 19:25
Kay Scarpetta untersucht den Fall einer brutal ermordeten Schriftstellerin, die Monatelang verfolgt und bedroht wurde. Diese war zuletzt geflüchtet/untergetaucht und kam erst am Mordabend wieder in ihrer Wohnung an. Der einzige Hinweis scheint ein verschwundenes Manuskript zu sein, dessen brisanter Inhalt vielleicht ihr Leben gekostet hat.
Die Ereignisse spitzen sich dann zu, als noch eine weitere Person ermordet wird und gleichzeitig die Polizei der Unterschlagung von Beweismitteln bezichtigt wird.

Ich habe das Hörbuch (Also eine gekürzte Lesung des Buchs "ein Mord für Kay Scarpetta") vor kurzem geschenkt bekommen und es in einem Tag durchgehört. Und ich muss sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat (wenn ich in der Krimi Literatur auch absolut 0 bewandert bin). Die Geschichte geht zügig voran und verstrickt sich sehr schnell in viele kleine Probleme, mit der Kay gleichzeitig zu kämpfen hat. Die Geschichte ist (mit ein paar Aussetzern) durchweg spannend, die Charaktere waren mir sehr sympathisch (besonders Marino (oder ähnlich)).

Ich habe dann noch in ein zweites Buch der Autorin reingehört, dass war dann allerdings nicht auch nur im Ansatz halb so interessant wie
"Flucht"...

sueño
21.06.2009, 20:37
An einem kühlen Apriltag des Jahres 1948 wird der Commissario in eine heruntergekommene Gegend Bolognas gerufen. In einem Bordell in der Via delle Oche gibt es einen Toten. Kaum 20 Jahre alt, Faktotum des Etablissements, ehemaliger Boxer und überzeugter Kommunist. Angeblich ein Selbstmörder, doch De Luca durchschaut die Inszenierung und vermutet einen politischen Hintergrund. Die ersten demokratischen Wahlen stehen kurz bevor, man befürchtet einen Sieg der Kommunisten, die Lage in der Stadt ist angespannt. De Luca gerät mit seinen Ermittlungen zwischen alle Fronten, er kommt den Tätern dennoch auf die Spur, muss sich aber bald darauf wegen seiner eigenen Vergangenheit als Polizist unter den Faschisten verantworten.



Carlo Lucarelli pflegt einen knappen, lakonischen Sprachstil. Sein Commissario de Luca ermittelt in einer Szenerie des zwischen Kommunismus und Bürgertum geteilten Italien kurz nach dem Krieg. Zwischen Wahlkampf, dem Attentat auf Togliatti und Zeitungsmeldungen zu Bartali entfaltet sich das Kolorit der damaligen Epoche.

Mir hat das Buch gefallen, auch (bzw. vor allem) wegen des historischen Hintergrundes und ich werde mir sicher noch mehr Bände aus der Reihe besorgen.

Hathor
22.06.2009, 20:38
Sie sind jung, sie sind tot und sie tragen das Kainszeichen eines psychopathischen Serienvergewaltigers. Unterstützt von einer erfahrenen Profilerin jagt Kommissarin Edna Beck einen grausamen Ritualmörder, der seine Opfer in grotesken Tableaus präsentiert - die Zeit drängt, denn das nächste Opfer befindet sich bereits in der Hand des Killers.


Schau mal an... eine deutsche Autorin, die beste Krimiunterhaltung zu schreiben versteht *clap*

Silke Barden hat Stil, guten Schreibstil. Sie schreibt flüssig, aber nicht seicht, sie schreibt spannend und mit der gerade richtigen Prise Humor an den richtigen Stellen.
Ihre Kommissarin Edna Beck ist eine liebenswerte Ermittlerin, die trotzdem Ecken und Kanten und Fehler hat. Vor allem ihr Privatleben ist alles andere als geordnet. Aber sie hat das Herz am rechten Fleck, ohne eine Überdrüberkommissarin zu sein. Frau Kommissarin macht durchaus Fehler und ist mir gerade deshalb sympathisch.

Dass ich allerdings schon sehr bald hinter die kryptische Bildersprache des Mörders kam und den Schlüssel für sein Handeln fand, tat dem Lesevergnügen und der Spannung keinen Abbruch. Hihi, es ist ein tolles Gefühl, den Ermittlern eine Nasenlänge voraus zu sein :D

Ich halte schon nach weiteren Büchern von Silke Barden Ausschau...

Hathor
30.06.2009, 19:41
Alexander Gerlach glaubt, mit seiner Beförderung zum Chef der Heidelberger Kriminalpolizei einen ruhigen Posten bekommen zu haben. Doch schon am ersten Tag wird die Leiche eines Chemiestudenten gefunden, der auf grausamste Weise ermordet wurde. Der Fall scheint rasch zu lösen zu sein, denn der junge Mann hatte synthetische Drogen hergestellt, um sein Budget aufzubessern. Doch bald kommt es zu einem weiteren Mord, der alle bisherigen Vermutungen über den Haufen wirft. Als Gerlach beginnt, das grausame Spiel zu durchschauen, ist es fast zu spät ...


Das war mein zweiter Burger-Krimi, und sicher nicht mein letzter. Ich mag den Schreibstil von Wolfgang Burger sehr, ebenso seine Charaktere. Alexander Gerlach ist sowas von "normal", ein Mensch wie du und ich, mit allen Fehlern und Problemen. Er macht seinen Job, er macht ihn gut, aber er ist kein Überdrüberschnüffler. Köstlich, wie ihn seine Zwillingstöchter, im besten zickigsten Teeniealter, fertigmachen :)

Ein sehr spannender, stimmiger Krimi, den ich mit Begeisterung gelesen habe. Noch dazu, weil ich Heidelberg sehr gut kenne. Da kamen Erinnerungen hoch...

Hathor
11.07.2009, 21:39
Die junge Studentin Grey ist von einer geheimnisvollen Obsession erfüllt: Mehr als 50 Jahre nach dem Massaker von Nanking im Dezember 1937, wo die japanische Armee innerhalb weniger Wochen 200.000 Menschen gefoltert und umgebracht hatte, reist die Engländerin ins ferne Tokio, um einen der letzten Überlebenden der Geschehnisse aufzusuchen. Von dem chinesischen Professor Shi Chongming erwartet sie den Zugang zu Filmmaterial, das nicht nur die japanischen Gräueltaten dokumentiert, sondern auch ein Rätsel in ihrer eigenen Vergangenheit auflösen soll.

Der Professor reagiert abweisend und ist erbost über die aufdringlichen Besuche der jungen Frau. Sie bleibt jedoch hartnäckig und richtet sich auf einen längeren Aufenthalt in der fremden Stadt Tokio ein. Kurz entschlossen quartiert sich die mittellose Grey bei einem amerikanischen Studenten ein, der zusammen mit zwei Russinnen in einem verfallenen Palast wohnt. Svetlana und Irina arbeiten als Geishas in einem exklusiven Nachtclub mit illustrem Publikum. Auf deren Vermittlung hin nimmt sie dort einen lukrativen Job an. Im Nachtclub begegnet sie einem geheimnisvollen alten Mann, dem Mafia-Boss Fuyuki, der die Gesellschaft Greys bald schätzen lernt. Eher durch Zufall erfährt Professor Shi Chongming von Greys Tätigkeit als Geisha und ihrer Bekanntschaft mit dem Yakuza Fuyuki. Nach der Erwähnung Fuyukis zeigt er sich plötzlich an der jungen Studentin interessiert und macht ihr ein Angebot: Sie soll für ihn den Yakuza beobachten, wofür er ihr als Gegenleistung schrittweise Zugang zu dem geheimen Filmmaterial gewähren wird.


Der Roman wird unter der Bezeichnung "Thriller" verkauft. Für mich ist es eher eine Mischung aus Horror- und Anti-Kriegsroman. Spannend ist er aber auf jeden Fall. Mo Hayder versteht ihr Handwerk und präsentiert ein Buch, das man kaum aus der Hand legen kann.

Kapitel für Kapitel zieht sie ein Stück von der Decke weg, die über eines der dunkelsten Kapitel der japanischen Geschichte gebreitet wurde und erst heute ganz ganz langsam aufgearbeitet wird: das Nanking-Massaker im Jahr 1937. Ein Holocaust der abscheulichsten Art...

Die Handlung wird aus zwei Perspektiven heraus erzählt: einerseits aus der von Shi Chongming, einem der wenigen Überlebenden des Grauens und andererseits aus der der englischen Studentin Grey, die ebenfalls ein schreckliches Geheimnis hütet.

Mich hat der Roman ziemlich erschüttert.

Rotkätzchen
11.07.2009, 23:00
Mich hat der Roman ziemlich erschüttert.

Hmm ja, das scheint Mo Hayders Marke zu sein. Ich kenne von ihr nur Die Behandlung und bin nicht gerade erpicht, noch eins ihrer Bücher zu lesen. Wobei das Buch duchaus spannend war. Erschütternd ist das treffende Wort. Nun ja, ich habe eigentlich nichts dagegen, wenn es mal härter zugeht, aber ein Buch, das bleibende erschreckende und beinahe psychotische Eindrücke hinterlässt, die man lange nicht mehr los wird, ist mir dann doch einfach zu viel.

Außerdem wurde mir in dem Buch zu viel gesch....
Aber das war noch das Harmloseste.

Hathor
24.07.2009, 12:57
Zwei Märtyrertode beschäftigen Nic Costa - den jungen römischen Polizisten und Kunstliebehaber aus Leidenschaft - und seinen Partner Luca Rossi. Sie müssen weitere Ritualmorde verhindern und Sara Farnese - die Wissenschaftlerin, eine gemeinsame Bekannte der beiden Toten - schützen ...

Der Roman beginnt sehr spannend. Ritualmorde, in denen Märtyrertode nachgestellt werden, mehrere Rätsel, der mystikträchtige Vatikan: mit dieser Mischung sollte eigentlich nichts schiefgehen...
Tut es aber doch.
Etwa nach der Hälfte scheint dem Autor nichts mehr einzufallen, oder er hat einfach die Lust am Weiterschreiben verloren. Die Handlung wird immer fader, die Charaktere entwickeln sich gar nicht... und der Schluss ist bloß nur mehr dämlich.

Nein, es lohnt sich nicht, dieses Buch zu lesen.
Mich ärgert vor allem, wie eine schöne Idee und ein fulminanter Beginn derart lieblos in den Sand gesetzt werden.

Nein, David Hewson kann nicht annähernd an der Meister der Kirchenverschwörungen heranreichen. Falls Hewson auf der Illuminati-Welle mitschwimmen wollte, ist er gnadenlos baden gegangen.

Rotkätzchen
24.07.2009, 14:07
Ha! Das Buch hatte ich beim Stöbern in der Buchhandlung auch schon mal in der Hand, habe mich dann aber anders orientiert. Schön zu wissen, dass das eine gute Entscheidung war. *cool*

Wenn ich eine Empfehlung zu einem tollen Geschichts-Thriller inklusive Vatikan, versteckter Geheimnisse in alten Kunstwerken und Beteiligung diverser Geheimorganisationen aussprechen darf: Das fünfte Evangelium von Phillip Vandenberg. Das Buch ist älter als das Schaffen von Dan Brown, aber ungleich facettenreicher, fand ich. Dazu gibts viele Schauplatzwechsel auf europäischem Boden bis zum Finale im sonnigen Griechenland. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Dan Brown da ein wenig abgekupfter hat. Auch diese Geschichte nimmt im Pariser Louvre ihren Anfang, wobei ein Werk Leonardo da Vincis ausschlaggebend ist - aber nicht die Mona Lisa. ;)

Melina
24.07.2009, 21:32
Hat denn hier noch keiner die Romane von Kathy Reichs über die forensische Anthropologin Tempe Brennan gelesen?

"Tote Lügen nicht" ist der erste Roman der mittlerweile 11 Bände. Wer gerne Serien wie CSI oder Crossing Jordan schaut, wird die Bücher bestimmt mögen.

PS: Wie geht das mit dem Amazon-Code? X.X

Tempe Brennan hat einen Knochenjob. Als forensische Anthropologin am gerichtsmedizinischen Institut von Montreal landen täglich die unterschiedlichsten Leichen auf ihren Labortisch. Als aber die dreiundzwanzigjährige Isabelle Gagnon mißbraucht, erdrosselt und zerstückelt in Müllsäcken aufgefunden wird, drängen sich Tempe alte, grauenvolle Bilder auf. Sie beginnt zu recherchieren, was sie auf die Spur eines psychopathischen Serienkillers bringt - und ihn auf ihre...

Hathor
24.07.2009, 21:45
PS: Wie geht das mit dem Amazon-Code? X.X

Hallo Melina, schau mal hier: http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?t=61

Melina
24.07.2009, 21:49
Danke Hathor, mal schauen, obs klappt.

Edit: Klappt nicht, da öffnet sich keine Dialogbox, wo ich die ISBN-Nr. eingeben kann. X.X

Hathor
09.09.2009, 19:04
Chief Inspector Alan Banks aus Yorkshire ist nicht zufrieden mit seinem Leben. Der erklärte Musikliebhaber sitzt am Steuer seines 1997er Renault und wünscht sich nicht nur ein neues Auto. Eifersüchtig ist er auf die vermeintliche Affäre seiner Kollegin Detective Inspector Annie Cabbot mit einem Kunst-Sachverständigen. Und auch sonst ist einiges im Argen in seiner Welt. „Manchmal hatte er das Gefühl, sein Leben stehe permanent auf der Stopp-Taste, aber so etwas konnte man ja nicht ‚Krise’ nennen. Nur eines war sicher: er wurde immer älter“.
Spannend ist trotzdem, was sich im Umfeld des alternden Ermittlers tut. Denn auf einem Kanal in Yorkshire sind zwei Hausboote ausgebrannt, wobei ein drogensüchtiges Mädchen und ein exzentrischer Künstler ums Leben kamen. Dann brennt ein Wohnwagen, und Banks muss gemeinsam mit Cabbot heraus finden, ob der Täter nur ein gefährlicher Pyromane ist oder ob ein System hinter den Bränden steckt. Die Spur führt das Duo zu einer lange verschollen geglaubten Zeichnungs-Serie des englischen Malers William Turner und zur Kunstfälscher-Szene. Und ist nicht vielleicht auch Cabbots Geliebter Teil des tödlichen Spiels? Die Gefahr ist noch nicht gebannt, und die Flammen züngeln weiter ...


Alan Banks ist ein Ermittler, den ich einfach mag. Und Peter Robinson hat mit diesem Krimi genau meinen Geschmack getroffen. Zum einen ist der Roman wirklich sehr spannend, zum zweiten sind die Charaktere sehr lebendig beschrieben und wirken total authentisch. Banks hat sich wieder ein Stück weiterentwickelt, ohne vollkommen zu werden. Seine Ecken und Kanten und Fehler machen ihn ungemein sympathisch. Zudem ist der Schluss des Krimis einerseits überraschend, andererseits auch ein wenig unbefriedigend in dem Sinn, dass man das Schicksal der Personen eigentlich noch weiter verfolgen möchte. Aber wie ich den Autor "kenne", wird er das eine oder andere in einem weiteren Krimi einbauen und aufarbeiten.
Was mir an dem Roman auch gefällt, ist die unverkennbar englische Atmosphäre.

Kein Rauch ohne Feuer ist ein exzellent komponierter Krimi und wird von mir uneingeschränkt empfohlen.

Ein Kompliment an die Übersetzerin, die ein sehr gutes Gespür für beide Sprachen hat.

Ich erwähne das auch deshalb, weil ich vor einiger Zeit einen Roman vom selben Autor gelesen habe, bei dem der Übersetzer einige Male ärgerliche Schnitzer gemacht hat:

In das idyllische Yorkshire hat sich Inspector Banks versetzen lassen, um nicht mehr Tag für Tag mit Mord und Totschlag konfrontiert zu werden. Aber als eine zunächst friedliche Anti-Atomkraft-Demonstration außer Kontrolle gerät, liegt am Ende ein Constable erstochen am Boden. Jeder der Demonstranten könnte der Mörder sein...

Auch ein lesenswerter Krimi mit einer interessanten Handlung, toll eingefangener Atmosphäre der ländlichen Idylle, aber eben mit vielen unschönen sprachlichen Missgriffen, die eindeutig Übersetzungsfehler sind. Sowas beeinträchtigt mir den Lesegenuss.

Amaryn
11.09.2009, 10:04
Fred Vargas schreibt in meinen Augen "typisch französisch" und doch ein bisschen anders... nicht nur die übliche Wer-ist-der-Täter-und-wie-fängt-ihn-die-Polizei-Geschichte, sondern noch ein wenig Psychoanalyse, ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Mystery. Aber von allem eben nur ein bisschen. Mir sind eigentlich geradlinigere, mehr einordenbare Krimis lieber.
Trotzdem hat mir die - ziemlich herbe und uncharmante - Geschichte gefallen. Mit dem immer wieder auftauchenden Gedanken, die Sache sei nicht Fisch und nicht Fleisch, haben mich zwei Dinge versöhnt: der sehr logisch herbeigeführte Schluss und Kommissar Adamsberg. Letzterer war zwar nur eine Nebenfigur, von ihm möchte ich aber mehr lesen.

Hallo Hathor,
falls du es noch nicht gelesen hast, möchte ich dir das Buch "Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord" (Fred Vargas) empfehlen - in dieser Geschichte ist nämlich Monsieur Adamsberg die Hauptperson!
Ich habe das Buch regelrecht verschlungen.
Zum Inhalt: In dem Kriminalroman geht es um Dinge in blauen Kreidekreisen - Lockenwickler, Joghurtbecher, eine Bierdose, eine Puppe, ein Kotelettknochen. Irgendein Sonderling zeichnet die Kreidekreise nachts auf die Straßen von Paris – und jedes Mal ist der gleiche Satz daneben geschrieben: "Victor, sieh dich vor, was treibst du jetzt noch vor dem Tor?"
Es dauert nicht lange, und in den blauen Kreidekreisen liegt eine ermordete Person...
Das Personal des Romans ist überschaubar; da ist zum einen Kommissar Adamsberg. Ihm zur Seite steht Danglard, alleinerziehender Vater von fünf Kindern und dem Weißwein derart zugetan, dass normalerweise ab dem frühen Nachmittag nichts mehr mit ihm anzufangen ist. *umfall*
Regelmäßig organisiert er ein "großes Palaver", bei dem er mit seinen Kindern die aktuellen Kriminalfälle diskutiert (und dabei oft erstaunliche Denkanstöße erhält...) Außerdem gibt es noch den „kleinen Liebling“ und die schrullige Mathilde, die den "Mann mit den Kreisen" des öfteren gesehen hat, denn Mathilde verfolgt einfach gerne Menschen durch die nächtlichen Straßen von Paris. Außerdem haben wir noch Mathildes Untermieter, den schönen, aber boshaften Blinden mit dem erstaunlichen Gehör, und Clémence, die wöchentlich auf mindestens drei Kontaktanzeigen antwortet.

Entweder man liebt den Erzählstil von Fred Vargas oder man hasst ihn. (Ich liebe ihn!!!). Die Geschichte hat mich von Anfang an "gebannt" und ich wollte nur noch wissen, wie es ausgeht. Wer behält Recht - der verschrobene Adamsberg oder der realistische Danglard? Warum scharrt Mathilde solche skurrilen Mitbewohner wie den boshaften Blinden und die männersuchende Clémence um sich? Sind der Zeichner der blauen Kreidekreise und der Mörder ein und dieselbe Person?

Man kommt relativ früh darauf, wer hinter den Morden steckt. Ich hatte auf Seite 142 so ein Ahaaa-Erlebnis; und diese Annahme stimmte absolut – und war gleichzeitig total falsch. *oi*
Solche gelungenen Überraschungsmomente finde ich genial.
Herrlich schräge Charaktere und skurrile Momente (wenn z.B. einem der Polizisten während der letztlichen Festnahme hartnäckig eine Amsel auf der Schulter sitzt) – in meiner persönlichen Wertung gibt es deshalb 5 von 5 Sternchen (unterstrichen und mit goldigem Flitter versehen... :D )

Hathor
05.10.2009, 20:13
Hallo Hathor,
falls du es noch nicht gelesen hast, möchte ich dir das Buch "Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord" (Fred Vargas) empfehlen - in dieser Geschichte ist nämlich Monsieur Adamsberg die Hauptperson!


Vielen Dank für den Tipp, Amaryn. :)

Und nun habe ich wieder einen Tipp für alle Krimifreunde. Den großartigen Erstlingsroman eines ganz großen Erzähltalents:

Fünfundzwanzig Jahre lang hat er nichts von seinen Schulfreunden gehört. Dann stolpert der Restaurator Willibald Adrian Metzger über einen Toten. Einen ehemaligen und höchst unbeliebten Klassenkameraden. Als die Polizei am Fundort eintrifft, ist die Leiche allerdings verschwunden. Einbildung des rotweinumnebelten Restaurators oder perfide Inszenierung? Am darauffolgenden Tag erhält der Metzger die Gewissheit, dass auch er selbst in den Fall verwickelt ist: der Schuh des Opfers wird ihm zugespielt. Notgedrungen beginnt er mit den Nachforschungen. Doch die Odyssee in die Vergangenheit fördert noch mehr Leichen zu Tage.


In drei Wörtern: spannend, amüsant, berührend.

Und ein bisschen ausführlicher: anfangs war ich skeptisch und argwöhnte einen zweiten Wolf Haas, dessen Schreibstil ich absolut nicht mag.
Aber Thomas Raab ist ganz anders. Viel besser. Für Nicht-Österreicher ist möglicherweise der eine oder andere Ausdruck ungewohnt wie etwa Sackerl oder Hundstrümmerl. Aber die Austriazismen halten sich wirklich in Grenzen.

Die Geschichte ist toll aufgebaut. Als LeserIn erlebt man sie, man erlebt sogar die Rückblicke in Metzgers Vergangenheit. Willibald Adrian Metzger ist verschroben und tief philosophisch. Er trägt die alten Schuhe seines Vaters, aber nicht aus Geiz. Die alten Schuhe tuns eben noch, neue sind nicht nötig. Dafür gönnt er sich und anderen gerne einen erstklassigen Tropfen und trinkt auch mal (oder öfters) einen über den Durst.

Die Krimihandlung ist wie gesagt sehr spannend. Sie tritt aber gegenüber dem menschlichen Aspekt in den Hintergrund. Es steckt so viel Wahres in Metzgers Aussagen, dass ich mehr als einmal verblüfft innegehalten und eine Stelle zwei- oder dreimal gelesen habe. Weil sie so gut ist.

Ich mache Thomas Raab das größte Kompliment, das ich zu vergeben habe: Wenn ich Romane schreiben würde, würde ich so schreiben wollen wie Thomas Raab.

Der Folgeband ist schon bestellt und zu mir unterwegs :D

Rotkätzchen
14.10.2009, 11:18
Kurzbeschreibung
Wenn sich ein prominenter Wiener Geschäftsmann mit privaten Problemen und einem mißglückten Selbstmordversuch im Gepäck auf seinem Firmengelände in den Tod stürzt, sind die Untersuchungen der Todesumstände auch für Chefinspektor Damian Bergmann reine Formsache. Es sei denn, ein ambitionierter Jungreporter namens Albin Fischer erscheint auf der Bildfläche und rückt die Angelegenheit mit seinen haarsträubenden Theorien in ein ganz anderes Licht...
Ich habs auch mal wieder zu einem Krimi gebracht! Und er war gut! *cool*

Ich beginne immer mehr, Krimis mit viel Lokalkolorit zu schätzen. Hierbei handelte es sich um einen WIENER Krimi - mit tollen Charakteren zwischen heißer, gemütlicher Melange und dem verkehrsgeplagten Wien zur kalten Winterszeit.

Der zu Tage kommende Fallgegenstand ist jetzt nicht sonderlich spektakulär oder überraschend, vielmehr lebt diese Geschichte von ihren lustigen oder bisweilen auch tragischen Charakteren. Entgegen wie es der Klappentext vermuten lässt, ist die zentrale Figur nicht der Reporter Fischer, sondern Chefinstspektor Damian Bergmann. Und der ist ein echter Hit. Er ist sozusagen ein sympathischer Grantler. Die Midlife-Crisis gerade hinter sich und das Altwerden notgedrungen akzeptiert, hat er meist miese Laune, behandelt seine Mitmenschen lieber von oben herab als zuvorkommend und scheut sich auch nicht, seine gehobene Stellung als Chefinspektor bei jeder Gelegenheit (auch im alltäglichen Straßenverkehr) rauszukehren. Schön ist, dass er immer wieder in Fettnäpfchen tritt und als Alleinstehender gegenüber Frauen stets unsicher wird, wodurch sich weitere Fettnäpfchen auftun. Richtig gelacht habe ich als
Hofrat Fiedler bei einer Misseinschätzung einer Situation zu dem Schluss gelangte, Bergmann würde in seinem Büro onanieren.
Alles in allem ein großes Lesevergnügen, wobei der Kriminalfall als solches bei dieser Bewertung eine sehr untergeordnete Rolle spielt.



Und nun habe ich wieder einen Tipp für alle Krimifreunde. Den großartigen Erstlingsroman eines ganz großen Erzähltalents:

Fünfundzwanzig Jahre lang hat er nichts von seinen Schulfreunden gehört. Dann stolpert der Restaurator Willibald Adrian Metzger über einen Toten. Einen ehemaligen und höchst unbeliebten Klassenkameraden. Als die Polizei am Fundort eintrifft, ist die Leiche allerdings verschwunden. Einbildung des rotweinumnebelten Restaurators oder perfide Inszenierung? Am darauffolgenden Tag erhält der Metzger die Gewissheit, dass auch er selbst in den Fall verwickelt ist: der Schuh des Opfers wird ihm zugespielt. Notgedrungen beginnt er mit den Nachforschungen. Doch die Odyssee in die Vergangenheit fördert noch mehr Leichen zu Tage.


Wurde auf meiner Einkaufsliste notiert. ;)

Rotkätzchen
20.10.2009, 12:42
In Mount Dragon, einem Forschungslabor in der Wüste von New Mexico, arbeiten Wissenschaftler an einem Präparat, das Tausenden von Menschen das Leben retten könnte. Doch etwas läuft gewaltig schief in diesem Labor...'Wer die Gentechnologie für gefährliches Teufelswerk hält, wird sich durch die atemberaubende Spannung bestätigt sehen, die ein tödliches Virus über stolze 600 Romanseiten aufrechtzuerhalten vermag.' (Die Welt)
Tja, das nennt man wohl einen Öko-Thriller. Die Thematik ist so fesselnd wie erschreckend. Gentechnik-Gegner und Antivirologen finden in diesem Buch sicher ausreichend Bestätigung, weiterhin Gentechnik-Gegner und Antivirologen zu sein. :p

Das Setting in dem Buch war schon mal sehr neu und vollkommend unbekannt für mich: Eine sozusagen vollkommen abgeschiedene Welt, fernab der Zivilisation in einem Komplex in der sengenden Wüste von New Mexico, voller Labors, Schutzanzüge und seltsamer Wissenschaftsgestalten. Dort werden Enzyme gezüchtet, an Schimpansen getestet und ... ähm ... das menschliche Genmaterial neu sortiert. Nun ja, letzteres könnte zumindest passieren und ob das gut wäre, darüber sind sich die Buch-Protagonisten uneinig.

Die Gefahren der Gentechnik werden hier sehr drastisch aufgezeigt, ebenso die Gefährlichkeit biologischer Kampfstoffe. Inwieweit das der Realität entspricht, vermag ich nicht zu beurteilen, bisweilen kam mir das ganze allerdings etwas übertrieben vor. Nichts desto Trotz war das eine ganz hervorragend unterhaltende Thrillerllektüre, fesselnd geschrieben und von interessanten Charakteren getragen. Im letzten Drittel verliert sich die Dramatik leider ein wenig, und die Lösung des Problems kommt dann ein wenig zu plötzlich, aber das tut der durchweg interessanten Unterhaltung keinen Abbruch. Das Buch mischt zu den Komponenten des Ökothrillers auch die eines Cyber-Reality-Thrillers und das eine oder andere Abenteuerelement, was einen interessanten Mix ergibt. Nicht herausragend aber gut.

Rotkätzchen
02.11.2009, 12:35
Eigentlich wollte Edwin Holle nicht in den Urlaub fahren und schon gar nicht nach Griechenland. Denn mit Griechenland verbinden ihn unangenehme Erinnerungen. Doch Hannah, Holles Frau, besteht auf der Reise. So pflegt er nun in flirrender Hitze seine schlechte Laune und verweigert sich - wie er es im Leben eigentlich immer gehalten hat - jeglichen Vergnügungen. Und wie um seinem Missmut Recht zu geben, nehmen die Gespenster der Vergangenheit plötzlich Gestalt an - in Form von Jens Kretschmer, dem die Holles zufällig begegnen. Kretschmer hat in der alten Geschichte eine wesentliche Rolle gespielt und lebt heute mit seiner jungen attraktiven Frau in einem pompösen Haus auf der griechischen Insel. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich; und fast scheint es, als würde sich Geschehenes wiederholen. Zumindest die Konstellation ist gleich: drei Männer und zwei Frauen, Eitelkeit, Habsucht, Hoffnung und Enttäuschung auf engstem Raum beieinander, damals auf der Jacht Gyges und heute in Kretschmers Haus. Damals gab es am Ende zwei Tote, mindestens einer davon ermordet - da ist sich Holle sicher und beschließt, diesmal nicht nur der Spielball anderer zu sein. Doch die Spielregeln entziehen sich dem Willen eines Einzelnen ...
Puh, das war etwas ganz anderes als ich erwartet hatte. Ich hatte mit einer Art Urlaubskrimi unter der strahlenden Sonne der griechischen Ägäis gerechnet. Der Schauplatz war zwar der Erwartete, aber sowas wie Urlaubsstimmung oder Schönwetterträumerei kam leider nicht auf. Der Krimi ist ein astreiner und sehr ausgefeiter Psychokrimi.

Was die Schwerpunkte angeht, ist er sozusagen ein Spiegelbild von Der Zweite Mann, das ich kürzlich gelesen habe. Die Charaktere überzeugen in beiden Krimis, aber wo Der Zweite Mann auf sympathische Charaktere, Wortwitz und Situationskomik setzte (und dafür die Story eher schlicht gehalten war), setzt Alptraum in Blau auf eine verflucht verschachtelte Geschichte, die darüberhinaus in verschiedenen Zeitebenen erzählt wird. Dem hin und herspringen zwischen diesen kann der Leser leicht folgen, was definitiv für das Können des Schreibers spricht. Spiegelbildtechnisch gegenteilig angepasst sind die Charaktere eher unsympathisch gezeichnet.

Sonderlich glücklich war ich mit dieser Lektüre jedoch nicht. Dramaturgisch finde ich sie klasse, aber Lesespaß hatte ich wenig. Die Sonne Griechenlands und die Inselkulissen waren hier nicht wirklich "Urlaubsgefilde", sondern gingen seitens der Hauptfigur stets mit Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen, mürrischer Laune und großer Trägheit einher. Die Stimmung war die ganze Zeit über bedrückend, angespannt und bedrohlich. Das ist sicher kein handfester Kritikpunkt, hat aber auch kein großes Lesevergnügen aufkommen lassen. Dranbleiben musste ich trotzdem, weil ich Antworten wollte. Umso enttäuschender war dann das Ende, welches viel Interpretationsspielraum hinterlässt. ò.ó
Dass die große Frage, was aus Dora wurde, die mich bis zum Schluss dranbleiben ließ, dann gar nicht direkt aufgeklärt wurde, fand ich schon fast eine Frechheit.

Nichtsdestotrotz kann und will ich das Buch nicht runtermachen, denn dazu ist es zu kompakt und intelligent. Psychologisch sind die Personen allesamt sehr genau durchdacht und überzeugend - vor allem die Hauptperson, die man getrost als Weichspüler bezeichnen kann. Die verschiendenen Zeitebenen waren komischerweise nicht weiter verwirrend, obgleich sehr häufig und viel gesprungen wird - und manche erzählte Fragmente der früheren Ereignisse sich dann auch noch als Lügen entpuppten! Rein handwerklich ist das Buch deshalb nach meinem bescheidenen Ermessen grandios geschrieben. Was mir halt eben fehlte war ein gutes Gefühl beim Lesen und ein klarer und die Kernfrage des Buches ("was wurde aus Dora?") aufklärender Schluss, um den ich mich ganz einfach betrogen fühle.

Hathor
02.11.2009, 20:11
Kalteis basiert auf einem wahren Fall, der sich im München der dreißiger Jahre ereignet hat: Es ist der Fall des Johann Eichhorn, der 90 Frauen vergewaltigte und fünf ermordete, ihnen zum Teil das Geschlecht abschnitt, um darum herumzuknabbern, bis er nach einem Überfall auf ein Kind gefasst und hingerichtet wurde. Auch Eichhorn ist im Buch der Frauenmörder Kalteis geworden.

Ein kurzer Roman (nur 160 Seiten), sehr rasch zu lesen - aber sicher ein nachhaltiger Eindruck.

Das Buch ist stilistisch kein Kunstwerk. Die Sprache will kraftvoll sein, das gelingt aber nur ansatzweise. Viel zu oft bemerkt man das Bemühen der Autorin, sich einer authentischen Sprache der einfachen Leute, die sie beschreibt, zu bedienen.

Trotzdem beeindruckt mich dieses Buch. Der Inhalt ist packend und enthält die Faszination des Bösen. Und wenn ich bedenke, dass der Roman auf einer wahrend Begebenheit beruht und der vielfache Mörder Kalteis eine Vorlage im echten Leben hatte, dann kann einem schon das Gruseln kommen...

Rotkätzchen
03.11.2009, 11:29
Nachdem mir Tannöd gefallen hat, wollte ich auch Kalteis haben. Ich konnte es aber nicht zu Ende lesen. Obwohl nur 160 Seiten hatte ich mehrfach den Eindruck, die Autorin versucht das ganze künstlich in die Länge zu ziehen. Zuviele überflüssige Einwürfe und Erzählungen. Wenn ich da nur an das Einmaleins der Schlachtordnung denke, das in einer Vernehmung so viel zu suchen hat wie der Osterhase an Weihnachten. :rolleyes:

Mich hat Kalteis jedefalls sehr enttäuscht. Abgebrochen habe ich als an ihrgendeinem Bach (oder wars ein Badeweiher) von zwei Männern wieder eine Leiche gefunden wurde.

Hathor
03.11.2009, 22:11
Wenn ich da nur an das Einmaleins der Schlachtordnung denke, das in einer Vernehmung so viel zu suchen hat wie der Osterhase an Weihnachten. :rolleyes:

Mich hat Kalteis jedefalls sehr enttäuscht. Abgebrochen habe ich als an ihrgendeinem Bach (oder wars ein Badeweiher) von zwei Männern wieder eine Leiche gefunden wurde.

Da hast du gerade an der Stelle abgebrochen, an der diese beiden Handlungsstränge verknüpft worden wären. Falls du jemals fertiglesen magst, wirst du erfahren, was das Schweineschlachten und die aufgefundene Leiche gemeinsam haben.

Zudem ist das Schildern der Schlachtung eine Schlüsselstelle zum Verständnis von Kalteis' Charakter.

Rotkätzchen
03.11.2009, 22:43
Hmmmmmmm, naja, ich habe das Buch schon noch im Regal, aber ob ich es nochmal lese... weiß noch nicht. Jedenfalls gut zu wissen, dass es da einen Sinn dahinter gibt. Mich hat die Geschichte jedenfalls nicht gepackt. Tannöd war zwar auch eigenwillig, aber da fand ich mich schnell rein und fand es auch interessant. Bei Kalteis wollte irgendwie kein Feeling aufkommen. Mal sehen! Vielleicht schau ich nochmal rein, wenn mal Notstand aufkommt. ;)

Hathor
04.12.2009, 20:02
Der Metzger fasziniert mich:

Was tut man nicht alles aus Liebe? Willibald Adrian Metzger zum Beispiel, der feinsinnige Restaurator, überwindet seine Abneigung gegen Massenveranstaltungen und begleitet seine heiß verehrte Danjela zu einem Heimspiel ihrer Lieblingsmannschaft mit tragischem Ende. Denn auch der Tod löst diesmal seine Eintrittskarte und zeigt auf dem Spielfeld die finale Rote Karte. Als tags darauf überdies Danjela ihrer Neugierde zum Opfer fällt, ist es vorbei mit der Gelassenheit des Willibald Adrian Metzger. Mit einer ordentlichen Portion Wut im Bauch macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und findet dabei etwas erschreckend anderes.

Unglaublich, welch Erzähltalent Thomas Raab ist... Ich bin wieder begeistert von der Wortgewalt, dem Sprachwitz, der Intelligenz und dem Stil dieses Autors.

Wie der erste Band der Reihe Der Metzger muss nachsitzen geht es zwar auch um einen Kriminalfall und dessen Aufklärung, aber die Betonung liegt auf "auch". Wer jetzt der Mörder ist, diese Frage ist es nicht, der einen zum Weiterlesen zwingt. Des Rätsels Lösung ist eigentlich zweitrangig, eher ein nettes Gimmick. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem Protagonisten, der ein wahres Original ist, ein liebenswerter Sonderling, voller Herzenswärme und skurriler Einfälle.

Wieder gibts für Nicht-Österreicher vielleicht die eine oder andere kleine sprachliche Hürde, aber keine Angst, es baut sich keine Sprachbarriere auf :D

Ein feines Buch, gleichsam unterhaltend wie lehrreich. Und dieses Mal kommen sogar Fußballfans auf ihre Kosten ;)

Verwirrend finde ich allerdings das Cover. Wiederum wie bei Der Metzger muss nachsitzen hat es absolut nichts mit der Handlung, den Charakteren oder der Atmosphäre zu tun.

Feuerfluegel
05.12.2009, 00:13
Das Buch war ja nur ein Spontankauf, aber ein Spontankauf der mich zu fesseln wusste:

er Fall einer misshandelten Patientin wird für die Psychiaterin Ellen Roth zum Alptraum: Die Frau behauptet, vom Schwarzen Mann verfolgt zu werden. Kurz darauf verschwindet sie spurlos. Bei ihren Nachforschungen wird auch Ellen zum Ziel des Unbekannten. Er zwingt sie zu einer makaberen Schnitzeljagd um ihr Leben und um das ihrer Patientin. Für Ellen beginnt ein verzweifelter Kampf, bei dem sie niemandem mehr trauen kann. Immer tiefer gerät die Psychiaterin in ein Labyrinth aus Angst, Gewalt und Paranoia. Und das Ultimatum läuft ...

Ein nervenzerrender Psychothriller, der seine Leser schonungslos in die Abgründe der menschlichen Psyche zieht.

Ein ganz großartiges Buch. Die erste Hälfte des Buches scheint noch sehr angenehm zu sein, mit einigen Wirrungen, Rätseln und Geheimnisschen, aber mit der Zeit wird es immer düsterer, immer spannender. Es zerrt an den Nerven des Lesers. Manchmal hat man das Gefühl, schon begriffen zu haben, was eigentlich geschieht, aber immer wieder hat der Autor eine neue Überraschung auf Lager.
Auch die Lösung, so einfach sie am Ende zu sein scheint, ist fesselnd und gut gemacht.
Die Charaktere und ihre Gedanken und inneren Monologe wirken glaubhaft und machen viel für die Atmosphäre aus.
Perfekt wird zum Höhepunkt am Ende hingespielt und lässt den Leser irgendwann endlich aufatmen. Trotzdem ist noch nicht alles vorbei. Es gibt noch einiges zu klären und auch das gelingt dem Autor sehr gut.
Ich bereue auf keinen Fall, das Buch gekauft zu haben und würde es immer wieder empfehlen. Jetzt brauche ich erstmal weniger aufwühlende Lektüre. :)
5 Punkte

Bardin
05.12.2009, 10:16
Wenn es um wirklich gute Krimis geht, halte ich mich am liebsten an Agatha Christie. Deren Bücher sind in dieser Hinsicht einfach unschlagbar.

Für sehr empfehlenswert halte ich dabei ihr Buch "And then there were none", das schon Züge eines Thrillers hat.
10 Personen werden auf eine Insel eingeladen. Den Gastgeber aber finden sie dort nicht. Während des Essens geht dann auf einmal eine Schallplatte los... und beschuldigt sie alle eines ungesühnten Verbrechens. Unruhe kommt auf, sie wollen die Insel verlassen - doch es gibt keine Möglichkeit dazu. Ein Boot existiert nicht, zum Schwimmen ist es zu weit.
Am nächsten Tag finden sie einen von ihnen tot auf - vergiftet.
Und am nächsten Tag stirbt ein weiterer... tags darauf noch einer.
Die Kette der Morde ziehnt sich fort... und der Mörder ist dabei mitten unter ihnen.

Ein unglaublich interessanter Krimi, der tief ins psychologische geht - ein Muss für Agatha Christie-Fans

Gerne gelesen habe ich auch den Klassiker "Rebecca" von Daphne Du Maurier.

Die Protagonistin heiratet einen Witwer, dessen Frau vor kurzem verunglückte. Mit ihm zieht sie in das prächtige Haus "Manderley". Doch schnell wird aus dem vermeintlichen Traum ein Albtraum: Rebecca, die verstorbene Frau, scheint immer noch in den Köpfen der Menschen in Manderley zu existieren. Ständig fühlt sich die Protagonisti mit dieser schönen, atemberaubenden Fruau verglichen, der sie nichts im geringsten ähnelt - sie selber ist schüchtern und ungeschickt.
Dann auf einmal taucht in einem Sturm das Boot, mit dem die Frau verunglückte, wieder auf. Neue Indizen liegen vor, der Fall wird neu aufgerollt.
Und nichts ist mehr, wie es war...

Dieser Roman zeichnet sich durch eine wunderschöne, herrliche Sprache aus. Die Charaktere sind tiefgründig und glaubwürdig, die gesamte Handlung fabelhaft erzählt. Das Buch lässt einen so schnell nicht los.

Hathor
05.12.2009, 19:42
Ja, die Agatha Christie Romane sind alt, aber gut :) Das von dir vorgestellte Buch habe ich auch zuhause. Allerdings heißt meines nicht wie die neue Augabe Und dann gabs keines mehr, sondern Zehn kleine Negerlein. Nicht gerade politically correct, aber genauso spannend :D

Mit Rebecca konnte ich allerdings gar nichts anfangen. Mich hat diese farblose Person, die sich pausenlos dafür entschuldigt, zu existieren, rasend gemacht und ich hätte sie am liebsten erwürgt, diese Dulderin ;)

Bardin
05.12.2009, 19:59
Mit Rebecca konnte ich allerdings gar nichts anfangen. Mich hat diese farblose Person, die sich pausenlos dafür entschuldigt, zu existieren, rasend gemacht und ich hätte sie am liebsten erwürgt, diese Dulderin ;)

Ich selbst habe die peinlichen Stellen manchmal schier nicht ausgehalten. Ich musste das Buch allerdings für eine Buchpräsentation durchlesen, weshalb ich mich doch weitergekämpft habe.

Und letztendlich war ich dann ziemlich beeindruckt. Ich kann dir das Weiterlesen wirklich nur raten, du verpasst sonst was ^^
Der Reiz der Geschichte liegt nämlich darin, dass die Autorin sehr vorsichtig und glaubwürdig eine Atmosphäre aufbaut, die sie am Ende radikal zerreisst. Auch die Protagonisten verändern sich während der Geschichte, Eindrücke werden berichtet, um sie doch wieder zu zerstören-
Es ist dieser Überraschungsmoment, wenn sich auf einmal alles, wirklich alles ändert.

Also: Greif dir das Buch und versuch's nochmal. Es lohnt sich :-)

Hathor
10.12.2009, 22:10
Robert Stern wird in ein perfides Spiel hineingezogen: Zehn Jahre ist es her, dass sein Sohn an plötzlichem Kindstod starb. Jetzt erfährt er, dass er noch leben könnte, und gleichzeitig führt ihn ein mysteriöser Junge auf die Spur eines lange vergangenen Mordes...
Es ist ein typisches Fitzek-Setting: Ein einsames Industrieglände bei Nacht. Robert Stern, der erfolgreiche Anwalt, wartet in seiner Limousine auf eine Kontaktperson. Mit vielem hatte er gerechnet, nur nicht mit einem Zehnjährigen, der fest davon überzeugt ist, in seinem früheren Leben ein Mörder gewesen zu sein. Auf unheimliche Weise wird Stern schließlich von der Geschichte überzeugt - als ihn der Junge zu einer verwesten Leiche führt. Es soll nicht die einzige bleiben...


Wieder ein typischer Fitzek-Roman: viel Spannung, viel Psychologie und unheimliche Elemente. Ein richtiger Pageturner. Und dennoch bin ich nicht ganz zufrieden. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Autor immer denselben Grundgedanken wieder und wieder aufarbeitet. Außerdem ist mir das Ende zu ungenau, zu schlampig erzählt. Mit der Erklärung des Autors bin ich so gar nicht zufrieden. Als ob er das Buch nur irgendwie - Hauptsache rasch - zu Ende bringen hätte wollen...

Ein echt spannender Thriller, dem aber irgendwas fehlt. Das gewisse Krimi-Etwas ist einfach nicht da. Ein schaler Nachgeschmack bleibt.

Rotkätzchen
14.12.2009, 09:57
Kurzbeschreibung aus Amazon:
Vier Männer, zwischen denen es keinen Zusammenhang zu geben scheint und die in ganz unterschiedlichen Ländern leben, werden brutal ermordet. Von einem Bischof erhält Interpol-Ermittler Nick Dial den entscheidenden Hinweis: Verbindet man auf einer Weltkarte die Fundorte der Toten mit zwei geraden Linien, entsteht ein Kreuz. Dort, wo sich die Linien treffen, liegt Orvieto, jene Stadt in Umbrien, die im Mittelalter zeitweise Sitz der Päpste war - und in deren geheimen Katakomben nichts Geringeres verborgen liegt als das größte Geheimnis des Christentums. Eine skrupellose Gruppe ist bereit, dafür über Leichen zu gehen ...

Ein passender Gesichtsausdruck zu diesem Buch: ò.ó

Trotzdem ist es einigermaßen unterhaltend, wenn man beide Augen zudrückt.

Wie kommt das? Nun ja, die Geschichte bietet viele Schauplatzwechsel, etliche Figuren und ne Menge Action, Explosionen und pipapo. Aber auch die tragen dazu bei, dass die Geschichte ziemlich unglaubwürdig und künstlich aufgebläht wurde. Fast schien es mir, als wollte der Autor auf Teufel komm raus einen Bibel- Und Vatikanthriller mit möglichst viel Action aufschreiben. Dabei lässt er sich es auch nicht nehmen, Seitenhiebe auf Dan Brown vom Stapel zu lassen oder Harry Potters Hogwarts zu verhöhnen. Na gut, das kann man noch als schlechten Scherz hinnehmen, aber es geht ja noch weiter:

Das Buch strotzt vor amerikanischer Arroganz, dass es nur noch ärgerlich war. ò.ó
Nach der Darstellung dieses Autors ist die dänische Polizei vollkommen unfähig und unprofessionell, die italienische Polizei durch und durch korrupt und Spanien eine Art Dritte-Welt-Land, in der noch archaische Zustände in Sachen Rechtsstaatlichkeit und Zivilisaton herrschen. In Sachen Recherchen glänzt der Autor auch nicht. Zum Beispiel weiß er nicht, dass die Polizei in Italien durch die Carabinieri ein wenig anders organisiert ist, als man es sonst kennt. Allerdings glaubt er zu wissen, dass die italienische Polizei bei der Suche nach zwei Flüchtigen auch mal mit der Panzerfaust auf einen vollbesetzten Bus schießt ... nur mal so nebenbei.

Klischees kommen auch nicht zu kurz. Der japanische Geschäftemacher (und zweites Opfer) ist zum Beispiel auch ein geiler Sextourist, der sich regelmäßig in Thailand vergnügt. Wer ausnahmslos gut wegkommt, sind die amerikanischen Figuren des Romans. Der Hauptermittler fasst zum Beispiel sofort Vertrauen zu einem Kardinal, weil der Texaner ist. Und der gibt ihm natürlich prompt sein "texanisches Ehrenwort", worauf sie einander auch schon ins Herz geschlossen haben.

Es wäre noch mehr zu nennen, aber das erspare ich mir. Das Buch ist durchaus unterhaltend, aber gnadenlos überzeichnet, unglaubwürdig in der Handlung und eine Frechheit in Bezug auf den Respekt vor anderen Nationalitäten. Ein Fauxpax vielleicht noch: Zwei der amerikanischen Helden (Ex-Soldaten der härtesten Soldateneinheit der Welt) treffen in einem italienschen Nest auf einen anderen Amerikaner. Der sagt gleich sinngemäß: "Endlich mal wieder Leute, mit denen man sich normal unterhalten kann." Ich finde sowas zum kotzen! Nicht die geringste Anerkennung, anderer Sitten und Gepflogenheiten, nicht mal vor fremden Sprachen. Selbstherrlichkeit, dass es nur so trieft davon. *mph*

Feuerfluegel
20.12.2009, 18:34
Jetzt habe ich nach langer Zeit endlich "Level 26 - Dark Origins" beendet.

Strafverfolgungsbehörden teilen Mörder in verschiedene Kategorien der Bösartigkeit ein, angefangen bei Zufallstätern der Stufe 1 bis hin zu Folterern und Schlächtern der Stufe 25, deren Grausamkeit und Perversität sich dem normalen Begriffsvermögen entziehen.
Kaum jemand weiß, dass eine neue Kategorie entstanden ist, eine unvorstellbare und bisher unbekannte Dimension des Schreckens. Und nur jene namenlose Elitetruppe von Männern und Frauen, die in keiner offiziellen Akte geführt wird und deren Aufgabe es ist, die gefährlichsten Killer und Psychopathen der Welt auszuschalten, weiß von dieser neuen Kategorie.
Eine Kategorie, in die bislang erst eine Person gehört.

Seine Opfer:
Jeder


Seine Methoden:
Alles, was ihm geeignet erscheint

Steve Dark war der Beste: Als Kopf einer streng geheimen Spezialeinheit der amerikanischen Regierung jagte er die brutalsten und entsetzlichsten Serienmörder der Welt. Insbesondere diejenigen, deren Existenz der Öffentlichkeit verborgen blieb.

Steve Dark besitzt die Fähigkeit, seine eigene Persönlichkeit zu unterdrücken, in die Gedankenwelt eines unbekannten Killers einzutauchen und dessen Persönlichkeit zu imitieren. Seine Methoden erfordern ein Leben abseits des Normalen. Zur gleichen Zeit wird der Preis, den er dafür zahlen muss, größer und größer – der Verlust der eigenen Identität rückt unaufhaltsam näher und droht irreversibel zu werden.

Steve Dark war der Beste: Denn ein Blutbad, bei dem seine gesamte Familie ausgelöscht wird, ändert alles, und Steve Dark quittiert den Dienst.

Doch es kommt der Tag, an dem die Welt mit einem Killer konfrontiert wird, der eine neue Dimension des Bösen schafft. Ein Killer, der nur von einem Menschen aufgehalten werden kann: Steve Dark.

Es wird als etwas vollkommen Neuartiges, vollkommen Inovatives dargestellt und ist in Wirklichkeit leider nur ein belangloses Buch mit einigen belanglosen Zwischenfilmen.

Weder ist die Geschichte besonders neuartig oder interessant, noch sind die Charakter spannend dargestellt. Darks tolle Eigenschaft, sich in den Verstand eines Killers versetzen zu können, wird genau zweimal angedeutet und ansonsten ist er nicht Wichtiger, als der Rest der Figuren.
Squeegle wird als Level 26 Killer dargestellt und ist doch nicht schlimmer, als hunderte von anderen irren Serienmördern aus hunderten von anderen Psychothrillern. Natürlich wird er widerlich und krank und wahnsinnig und dabei natürlich genial dargestellt, aber er unterscheidet sich kaum von anderen „herkömmlichen“ Antagonisten aus zeitgenössischen Psychothrillern.
Außerdem fehlen fast alle Spannungsmomente. Entweder werden sie durch ein verwackeltes (Absicht) Filchen ersetzt, oder das Kapitel endet und ein Neues beginnt an anderer Stelle.

Des Weiteren empfand ich die Filmchen, die sogenannten Cyberbridges als störend. Die meisten von ihnen erscheinen zunächst wichtig, sind dann meist entweder ekelig, oder langweilig, oder doch nicht so besonders wichtig. Sie dienen vielleicht zu ein wenig Nebenunterhaltung, aber erschweren es einem Vielleser enorm.
Das Buch kann fast nur am Schreibtisch gelesen werden, da fast alle 20-30 Seiten ein Filmchen angesehen werden soll. Unterwegs ist es eher schwierig, sich ständig ins Internet einzuloggen und die Seite zum Buch zu besuchen und dort den Code einzugeben. Auch abends im Bett kann man nicht lange lesen, bevor man aufstehen muss, um sich die Cyber Bridge anzusehen.
Auch ohne die Filme gibt das Buch nur wenig her. Lässt man die Filme also außer Acht, hat man einen mittelmäßigen Krimi. Die Kapitel sind oft nur drei Seiten lang, mit riesiger Schrift, und durch die häufige Unterbrechung ist es schwierig für den Leser sich wirklich in dem Buch fallen zu lassen.
Lässt man die vielen Leerzeilen außer Acht, minimiert die Schriftgröße um zwei Punkte und entfernt die Illustrationen aus dem Buch, verringert sich die Anzahl der Seiten sofort von über 400 auf unter 300.
Ich war enttäuscht. Immerhin habe ich so eine Erfahrung gemacht. Die Erfahrung, dass ich Digi-Novels in Buchhandlungen nicht brauche.

Cover:
Naja, wie erwartet düster, mit einer mysteriösen Gestalt und überdimensionaler Schrift. In der Buchhandlung sicher ansprechend. Aber nichts besonderes.

Preis:
14,99 Euro ist eine ganze Menge für wenig Spannung, viel zu großer Schrift, viel zu vielen Leerzeilen, uninteressanten Videos und platten Charaktern.

0,5 Punkte

ExLibris
05.01.2010, 20:59
Jussi Adler-Olsen: Erbarmen
Der Albtraum einer Frau.
Ein dämonischer Psychothriller.
Der erste Fall für Carl Mørck
vom Sonderdezernat Q in Kopenhagen.

Die verzerrte Stimme kam aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen: »Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort: Warum halten wir dich fest?«

Am 2. März 2002 verschwindet eine Frau spurlos auf der Fähre von Rødby nach Puttgarden, man vermutet Tod durch Ertrinken. Doch sie ist nicht tot, sondern wird in einem Gefängnis aus Beton gefangen gehalten.

Wer sind die Täter?
Was wollen sie von dieser Frau?
Und: Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?

Was ich an diesem Krimi besonders toll fand, war die Liebe zu den Figuren. Carl Morck als unmotivierter Ermittler (mit seinem Sonderdezernat eher zwangsbeglückt) der lieber die Beine hoch legen würde und sich Strategien überlegt wie er die letzte halbe Stunde vor Dienstschluss noch rumbekommt. Sein eifriger und naiver Assistent Assad (eigentlich als Putzmann und Kaffeekocher eingestellt), der ihn dann doch auf den besonderen Fall von Merete aufmerksam macht.
Witzig auch Morcks eher eindimensionales Interesse an Frauen. "Erotische Individuen" werden da auf optische Merkmale begrenzt, die es zu erobern gilt. Im Gegensatz zu Assads charmanter Art in jeder Frau eine interessante Schönheit zu erkennen.
Diese beiden unterschiedlichen Charaktere entwickeln sich zu einem unerwartet guten Team. Und irgendwann hat man dann auch Carl Morck einfach gern.

Die Frage wer Merete entführt hat, und warum, hält die Spannung bis zum Schluss. Sehr empfehlenswert!

woken
05.01.2010, 22:19
Was ich persönlich empfelen kann ist

Nelsen DeMille: Das Spiel des Löwen

Ist sehr gut geschrieben und Spannend. Die Geschichte wird von der Seite des Protagonisten und des Antogonisten erzählt.

crazy otaku
06.01.2010, 11:11
Kurzbeschreibung
Wer tot sein will, muss leiden... ... und manchmal ist der Tod ein Geschenk!

Nur der grausamen Willkür von Gretchen Lowell verdankt Archie Sheridan, dass er noch lebt. Nachdem er die eiskalte Serienmörderin jahrelang gejagt hat, wird der Detective selbst ihr Opfer und erleidet in ihren Händen unvorstellbare Qualen. Doch in letzter Sekunde rettet sie sein Leben und stellt sich der Polizei. Seitdem folgt Archie jeden Sonntag dem gleichen zerstörerischen Ritual: Er erhöht seine Dosis Psychopharmaka und fährt zu Gretchen, die ihm im Gefängnis nach und nach die Namen ihrer Opfer und die Leichenfundorte verrät. Doch da ist noch etwas, das ihn zu der aufregend schönen Frau treibt und weswegen er sogar seine Familie verlassen hat ... Als erneut ein Serienmörder in Portland auftaucht und Sheridan die Fahndung übernimmt, hofft er, dadurch seine Obsession in den Griff zu bekommen. Viel zu spät erkennt er: Gretchens Netz reicht weiter als vermutet. Neben Gretchen Lowell ist Hannibal Lecter ein blutiger Anfänger!


Die Geschichte von Archie und der charmanten Serienmörderin Gretchen hat mir wirklich sehr gut gefallen. So gut das ich gerade mal einen Tag dafür gebraucht habe:eek:.

Das Buch war von Anfang an packend und spannend und irgendwie bin ich auch ziemlich
schnell in den Bann von Gretchen geraten.
Es hat mich selbst ein wenig erstaunt, aber ich fand ihre Taten sogar irgendwie faszinierend. Naja das was mich wohl wirklich gepackt hat war ihre stets gelassene Art und ihre Austrahlung auf andere.

Spoiler
Es war irgendwie ziemlich krass wie sich Archie ihr gegenüber benommen hat wenn man bedenkt was sie alles mit ihm angestellt hat und das gilt ja nicht nur für ihn sondern auch für ihre "Assistenten".



Die Story um Gretchen hat mich wirklich gepackt aber dafür hat mich der eigentliche Fall eher nicht gejuckt.
Ich hätte lieber nur von Gretchen gelesen:D

Zum Schreibstil muss ich nicht sehr viel sagen, es war durchgehend spannend dargestellt und sehr flüssig zu lesen. Man konnte gar nicht anders als weiter lesen und alles andere liegen lassen.


Für den nächsten Band wünsche ich mir aufjedenfall noch mehr Gretchen.
Wie viel Punkte gebe ich dem Buch also?

Machen wir mal 9 Punkte draus:)

Hathor
09.02.2010, 13:05
Jo Nesbø - Die Fährte

Bei einem Bankraub in Oslo wird eine junge Angestellte vom Täter kaltblütig und völlig sinnlos erschossen. Harry Hole, der auf den Fall angesetzt wird, kann nur schwer begreifen, warum ein Profiverbrecher sich plötzlich von sadistischen Emotionen leiten lässt. Da wird eine von Harrys Exgeliebten tot aufgefunden - die ausgerechnet er als Letzter lebendig gesehen hat. Bevor er sich's versieht, gerät er selbst unter Mordverdacht und muss untertauchen, um auf eigene Faust weiterermitteln zu können. Eine heiße Fährte führt ihn bis nach Südamerika ...

Ich mag den Autor einfach. Seinen Schreibstil. Seine Charaktere. Besonders seine Charaktere. Seine Themen und Tabubrüche. Sein Erzähltempo, das auch immer wieder Raum für Hintergrundinformationen und stückweise Einblick in das Privatleben der Ermittler und das Seelenleben der Täter lässt.

Nun habe ich endlich den dritten Harry-Hole-Krimi gelesen und ich habe beschlossen, dass ich mich nicht davon irritieren lasse, dass mir Fakten schon bekannt waren, von denen ich eigentlich erst im vierten Buch der Reihe erfahren sollte ;)

Ich wiederhole es: falls jemand mal Nesbø lesen möchte: haltet euch an die Reihenfolge, das bringt eindeutig mehr Spannung :)

Plusquamperfekt
16.02.2010, 21:05
Habe ich in der Krimileserunde zusammen mit Rotkätzchen gelesen.

Arthur Conan Doyle - Späte Rache (Sherlock Holmes)
„Dr. Watson, Mr. Sherlock Holmes“, stellte Stamford uns vor. „Guten Tag“, sagte er kollegial und schüttelte meine Hand so kräftig, wie ich es ihm gar nicht zugetraut hätte. „Ich sehe, Sie sind in Afghanistan gewesen.“ „Wie um alles in der Welt können Sie das wissen?“ fragte ich erstaunt.

Klappentext:
Eine Leiche wird in einem leerstehenden Haus gefunden. Scotland Yard ist ratlos und ruft Sherlock Holmes zu Hilfe. Dem gelingt es mit einem Trick den Mörder ins Haus zu locken.

Späte Rache" musste ich für die Schule lesen. Habe ich anfangs noch gezweifelt, sonst ist das Krimi-Genre eher nicht so meins, hat mich das Buch schlußendlich doch überzeugt.
Die Charaktere sind nach einem einfachen Muster gestrickt, ihre Handlungen sind fast alle vorhersehbar, dennoch will ich das Wort Klischee nicht in den Mund nehmen. Doyle's Sherlock Holmes gehört schließlich zu den Mitbegründern heutiger Kriminalliteratur, Holmes ist das Vorbild für alle stillen Ermittler unserer Zeit, Watson gehört als Freund und Gefährte zum Detektiv, wie die Butter aufs Brot. Es war schön mal einen "Ur"krimi zu lesen, für die Entstehungszeit von Späte Rache ist das Buch ohne Frage außergewöhnlich. Aus diesem Blickwinkel sollte man auch die Charaktere betrachten.
Auch bei dem Fall an sich wird der erfahrene Krimifan, zu denen ich mich weiß Gott nicht zähle, nicht unbedigt etwas neues finden. Eine düstere Ecke Londons, eine leerstehende Wohnung und riesige Blutbuchstaben sind wahrlich nichts nie-da-gewesenes, doch auch hier sollte man berücksichtigen, dass Holmes das Orginal und etweilige Plagiate die Fälschung sind. Nachdem die Rahmenbedigungen "geklärt" sind, verläuft die Geschcihte gradlinig, Schlingen werden vor allem dadurch gelegt, dass die Handlung aus Watsons Perspektive gezeigt wird, welcher sich immer wieder fragt, was Holmes vorhat. Nach eingem Wirrwarr (u. a. wird noch ein weiterer Toter gefunden) sagte Sherlock ungefähr bei der Hälfte des Buches er habe den Mörder gefasst und die Perspektive wechselt.
...Nach Utah ungefähr 30 Jahre in der Vergangenheit. Um ehrlich zu sein (ganz subjektiv) gefällt mir das gar nicht. Ich bin eher ein Anhänger einer Perspektive, die gradlinig durch das Buch geführt wird. Meiner Meinung nach ist die Kunst hierbei den Fokus zu halten und sich nicht zu verzetteln sehr viel schwerer als mehrere Perspektiven zusammenlaufen zu lassen. Nach kurzer Eingewöhnungszeit, fande ich den Wechsel dan aber doch recht interessant, z.B. finde ich Doyle hat genau an der richtigen Stelle eingesetzt (natürlich bleiben auch hier Fragen offen, beispielsweise, was mit der Mutter passiert ist), zwar war mir erst nicht ganz klar was das alles nun mit unserem Fall zu tun hat, doch änderte sich das, als die Namen Stangerson und Drebber fielen. Dieses kleine Drama innerhalb unseres Krimis endet mit dem Tod von Hope's Geliebter und wird dann via großen Zeitsprüngen zu Watson und co. geführt.
Das letzte Kapitel, in welchem alle Fäden zusammengeführt werden ist nett und interessant, wenn ich auch einige Erklärungen unwahrscheinlich (und einmal auch komplett unlogisch) fand.
Alles in allem, ein Buch welches mir gefallen hat. Krimis werden nie wirklich mein Ding sein, doch von "Späte Rache" war ich recht angetan.
3 von 5 möglichen Sternen.

Mit freundlichen Grüßen
Plusquamperfekt

Rotkätzchen
26.02.2010, 20:18
Soooo, da ich ja ein Fan von Donna Leons Venedig-Krimis bin, habe ich mich nun mal nach mehreren Empfehlungen (auch hier im Forum) an die deutsche Version eines gemütlichen Lokal-Ermittlers herangewagt: Den Heidelberger Alexander Gerlach.
Alexander Gerlach glaubt, mit seiner Beförderung zum Chef der Heidelberger Kriminalpolizei einen ruhigen Posten bekommen zu haben. Doch schon am ersten Tag wird die Leiche eines Chemiestudenten gefunden, der auf grausamste Weise ermordet wurde. Der Fall scheint rasch zu lösen zu sein, denn der junge Mann hatte synthetische Drogen hergestellt, um sein Budget aufzubessern. Doch bald kommt es zu einem weiteren Mord, der alle bisherigen Vermutungen über den Haufen wirft. Als Gerlach beginnt, das grausame Spiel zu durchschauen, ist es fast zu spät ...
Ein spannender Roman mit einem ungewöhnlich sympathischen Helden, der sich nicht nur ständig in die falschen Frauen verliebt, sondern zudem als allein erziehender Vater von seinen beiden Töchtern in Atem gehalten wird.

Die Ich-Perspektive ist eher nicht so mein Fall, aber man konnte sich schnell und leicht daran gewöhnen. Witzige Dialoge, flüssiges Lesen und auch der Protagonist passt ins Szenario und in die Landschaft. Alexander Gerlach ist kein selbstgefälliger Superinspektor, sondern ein eher ruhiger und bedachter Ermittler - ganz ähnlich wie halt auch Brunetti. Neben dem Fall hat er auch noch sein Liebesleben auf Vordermann zu bringen und mit seinen Zwillingstöchtern fertig zu werden.

Der Fallgegenstand als solches war nun nicht der große Überhammer, aber rundum sympathisch, schlüssig und lokalkoloritisch erzählt. Ich habe den Krimi ohne Unterbrechung an zwei Tagen verschlungen, was bei 250 Seiten ja auch locker machbar ist.

Fazit: Sehr gute, solide Krimiunterhaltung. Ich werde bestimmt über kurz oder lang auch die Nachfolgekrimis lesen. *ja*

Hathor
01.03.2010, 08:29
Jo Nesbø - Schneemann

Die Leiche, die Gert Rafto in der Nähe von Bergen im Schnee liegen sieht, ist nur anhand ihrer Brust als Frau zu erkennen. Den Rest hat der Mörder bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt. In der Nähe der Leiche findet der Polizist einen Schneemann: wie noch bei vielen anderen Frauen, die auf ähnlich bestialische Weise ermordet worden sind -- und werden. Kommissar Harry Hole findet heraus, dass die Morde unmittelbar mit den Kindern der Ermordeten zusammenhängen. Und er steigt hinab in die dunkle Seele eines Täters, den die Presse publikumswirksam „Schneemann“ nennt -- und der es nicht zuletzt auf Holes große Liebe Rakel abgesehen hat. Aber welche Rolle spielen der zwielichtige Gert Rafto und seine Tochter in dem tödlichen Spiel?

Nobody is perfect... In Nesbøs Romanen bin ich es ja schon gewöhnt, und deshalb schätze ich den Autor auch so, dass die Charaktere nicht nur Ecken und Kanten, sondern Fehler, Schwächen und schlechte Eigenschaften haben. Schneemann ist in dieser Hinsicht noch ein wenig authentischer - wie im echten Leben gibt es niemanden, der absolut perfekt ist. Weder im Aussehen noch im Handeln.

Harry Hole kennt seine Schwächen ganz genau, versucht sie zu bekämpfen und scheitert immer wieder. Vielleicht ist mir dieser Ermittler deshalb so sympathisch. Er könnte jemand sein, den man kennt. Er ist zwar ein brillianter Ermittler, aber baut dann wieder fatale Fehler, die zu schlimmen Reaktionen führen.

Jo Nesbø hat sich in diesem Roman wieder gesteigert. Der Roman ist unsagbar spannend, man will jedes Wort aufsaugen und kann es nicht erwarten, umzublättern. Und wenn man das Buch zu Ende gelesen hat, ist man erstmal erschlagen von den Emotionen, das es ausgelöst hat.

Momentan ist Nesbø dabei, meinem Lieblings-Krimiautor Indridason den Rang abzulaufen :D

Rotkätzchen
01.03.2010, 17:56
Ich werde mir jetzt auch demnächst einen Harry-Hole-Krimi zulegen. Bin einfach neugierig! Kannst du mir ein Einstiegsbuch empfehlen, Hathor?

Der erste der Reihe ist ja "Der Fledermausmann". Jedoch soll der nicht so gut sein, darum spiele ich damit, den einfach zu überspringen. Der zweite wäre "Kakerlaken". Jetzt habe ich aber gelesen, dass der in Thailand spielt, so wie der erste in Australien spielt. Ich hätte eigentlich lieber was mit norwegischem Lokalkolorit. Jetzt grüble ich über "Rotkehlchen", dem dritten Buch der Reihe. Laut deinen Rezensionen war es ja kein Problem, die Reihenfolge nicht einzuhalten. Oder rätst du mir ab, mit "Rotkehlchen" einzusteigen? Falls ja würde ich auf dich hören! *ja* *cool*

LG

Hathor
01.03.2010, 20:27
Naja, am besten - rückblickend gesehen - wäre es schon, mit dem Fledermausmann zu beginnen und die Reihe chronologisch zu lesen.

Allerdings habe ich auch nicht mit dem ersten Buch begonnen. Rotkehlchen ist sicher ein schönes Einstiegsbuch in die Reihe. Bitte nimm aber keinen späteren Roman, sonst wirst du zu sehr gespoilert ;)
Denn die Harry-Hole-Geschichte ist fortlaufend und hat einen roten Faden. Und Nesbø schreckt nicht davor zurück, auch mal einschneidende Veränderungen geschehen zu lassen.

Ja, also... Rotkehlchen ist sicher geeignet, dich in die Reihe reinschnuppern zu lassen. Und vielleicht bekommst du dann Lust auf mehr. Mehr Harry Hole. Und dann greifst du dir die gesamte Reihe ;)

Rotkätzchen
05.03.2010, 10:48
Sooooo, jetzt halte ich „Rotkehlchen“ in meinen Händen, nachdem es mir die Buchhändlerin meines Vertrauens bestellt hat. Ich werde es noch nicht gleich lesen (erst kommt noch der 4. Twilight-Band und „Die Tore der Welt“), aber wenn ich durch bin, schreibe ich hier meine Eindrücke. Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt. Ich bemerke schon länger, dass mich die großen Namen der internationalen Krimi-Szene immer weniger interessieren. Patricia Cornwell, Karen Rose, Mary Higgins-Clarke, irgendwie bekommt man da immer vorgefertigte Kost, die bisweilen sehr vorhersehbar ist - vor allem bei Karen Rose! Ich beginne immer mehr, die unscheinbareren Krimis zu schätzen, nicht selten auch von deutschsprachigen Autoren, die Krimis mit viel Lokalkolorit schreiben. Wenn man wie Nesbo schon 6 oder 7 Bücher geschrieben hat, ist man zwar kein Unbekannter mehr, aber ich muss gestehen, ich habe hier im Forum zum ersten Mal von ihm gehört. Na wie auch immer! Ich freue mich drauf! :)

ExLibris
05.03.2010, 11:29
Ich beginne immer mehr, die unscheinbareren Krimis zu schätzen, nicht selten auch von deutschsprachigen Autoren, die Krimis mit viel Lokalkolorit schreiben.
Dann könnte dich vielleicht Manfred Wieninger und seine Marek Miert-Krimis interessieren. Ist allerdings österreichischer Lokalkolorit. (wenn mans mag :p) Also sarkastisch, grantig, kein Mainstream, sehr anders, trotzdem sehr unterhaltsam. Ist aber wahrscheinlich nicht für jeden etwas.

Rotkätzchen
05.03.2010, 11:36
Dann könnte dich vielleicht Manfred Wieninger und seine Marek Miert-Krimis interessieren. Ist allerdings österreichischer Lokalkolorit. (wenn mans mag :p) Also sarkastisch, grantig, kein Mainstream, sehr anders, trotzdem sehr unterhaltsam. Ist aber wahrscheinlich nicht für jeden etwas.

Ha, ich glaube, das wäre durchaus was für mich. Vor allem "grantig" erinnert mich auch an einen anderen Wiener Chefinspektor, der mich sehr gut unterhalten hat: Nämlich das Buch "Der zweite Mann" von Bernhard Salomon. Hab in dem Thread hier auch irgendwo ne Rezi dazu hinterlassen. Ja, sowas mag ich mittlerweile sehr gern. Manfred Wieninger ist hiermit vorgemerkt. :)

ExLibris
05.03.2010, 11:50
"Der zweite Mann" von Bernhard Salomon.
Bernhard Salomon kannte ich wiederum nicht. Klingt auch nicht schlecht! :)

Hathor
05.03.2010, 21:41
@Rotkätzchen und ExLibris: eure beiden Tipps habe ich notiert. Die beiden Schriftsteller könnten auch was für mich sein :)

Ob ich euch im Gegenzug folgenden Thriller empfehlen soll? Nur dann, wenn ihr einen guten Magen und noch viel stärkere Nerven habt:

Franck Thilliez, Der rote Engel

Eine grausige Mordserie fordert die ganze Aufmerksamkeit von Kommissar Franck Sharko. Er ist froh um die Ablenkung, denn vor einem halben Jahr ist seine Frau spurlos verschwunden. Die Ermittlungen führen in die düsteren Bereiche des Internets, zu gewaltsamen Sexualpraktiken und mörderischen Snuffvideos. Der Mörder will Sündern die Hölle auf Erden bereiten. Und er hat Sharkos Frau in seiner Gewalt.

Als Thriller ist der Roman sehr gut: sehr sehr spannend, die Handlung packt einen auf der ersten Seite und lässt einen erst auf der letzten wieder los.

Von der Thematik her ist das Werk sehr schwer zu verkraften: entsetzlich realistische Beschreibungen von Folter, SM-Praktiken, Tierversuchen, Schlachthöfen und anderer Grausamkeiten und Perversitäten.

Dazu ein Kommissar, der fast durchdreht und selber vor sehr zweifelhaften Methoden nicht zurückschreckt.

Puh, jetzt brauche ich unbedingt eine Aufheiterung.

Rotkätzchen
05.03.2010, 21:50
Puuuuuh, sowas lese ich lieber nicht. Hab ich zwar schon, aber das wühlt mich zu tief auf. Die Handlung erinnerte mich an Peter James Stirb schön. Snuff-Videos, kranker Sadismus, Folterer und andererseits Voyeure, die sich daran aufgeilen. Ich bin eigentlich nicht zart besaitet, aber in solche Milieus, wo dann gezwungenermaßen auch der Ermittler nen psychischen Schaden wegbekommt, da tauche ich nach Möglichkeit nicht mehr ein. Ich verkrafte in Krimis und Thrillern schon ne ganze Menge, auch wenns mal richtig blutig wird, aber sowas ist mir dann doch zu harter Tobak. Es ist verstörend.

ExLibris
08.03.2010, 12:33
@ Hathor
Das klingt wirklich nach starkem Tobak! Grausig darf es gerne sein, aber das könnte auch mir zu steil sein. :p

Dafür bin ich beim Durchsuchen des Threads auf Thomas Raab (http://www.fantasy-forum.net/showpost.php?p=56496&postcount=120) gestoßen, den du einmal empfohlen hast. Den hab ich mir gleich aufgeschrieben.

Rotkätzchen
12.03.2010, 13:43
Heiligabend in Boston. Eine ermordete und verstümmelte Frau wird in ihrer Wohnung aufgefunden. Die Spuren am Tatort deuten auf einen Ritualmord hin. Pathologin Maura Isles und Detective Jane Rizzoli müssen in Tess Gerritsens nervenaufreibendem Thriller bald erkennen, dass sie es nicht mit einem einzelnen Mordfall zu tun haben. Die Blutmale häufen sich.
Schwarze Kerzen, umgekehrte Kreuze und das lateinische Wort „Peccavi“ (ich habe gesündigt) an der Wand bilden den makabren Rahmen für die übel zugerichtete Leiche der jungen Lori-Ann Tucker, der zudem der Kopf und die linke Hand abgetrennt wurden. Zu ihrem Entsetzen erkennt Maura Isles während der Obduktion, dass die Hand nicht zum Mordopfer gehört. Wo also befindet sich Tuckers Hand wirklich und wessen Hand liegt auf dem Obduktionstisch? Bei ihren Ermittlungen stößt Rizzoli auf eine geheimnisvolle Gruppierung mit dem Namen „Mephisto“ und mehr als einmal stehen ihr nun ihre unverrückbaren Vorurteile im Weg. So kann sie auch den nächsten Mord nicht verhindern.


Zwar hat mich „Schwesternmord“ nicht sonderlich vom Hocker gehauen, weil es doch ziemlich aufgesetzt wirkte, aber „Blutmal“ versprach einen düsteren Mysterie-Thriller in einem ansonsten durchaus rationellen Kriminalkontext. Und genau darauf hatte ich unerwartet Lust verspürt und hab mir prompt das Buch gekauft. Immerhin sind die Heldinnen dieselben wie in Schwesternmord, und wie ich mittlerweile weiß, hat Tess Gerittsen eine ganze Reihe mit den beiden verfasst. Rationalität ist also grundsätzlich gegeben. Na wie auch immer. Auf genau so einen Thriller hatte ich jedenfalls Lust. Das Endfazit ist leider besorgniserregend.

Der Mysteriethriller bedient an sich nicht viel mehr als die üblichen Klischees. Nacht, Kerzenlicht, satanische Kreuze und rituell durchgeführte Morde. Rein auf die Story bezogen war es nichts halbes und nichts ganzes. Es bleibt Interpretationsspielraum für überirdische Kräfte, aber letztendlich ist doch alles rationell erklärbar. Ein finsterer Geheimbund, religiös verblendete Angehörige, Anspielungen und Theorien über Halbgötter und eine Menge Blut in der Geschichte.

Was mich insgesamt sehr gestört hat und was ich so besorgniserregend fand, war dass die Autorin ein ziemlich plattes Schwarzweißbild von Gut und Böse präsentiert. Wobei der American Way of Life natürlich das Gute ist. Dabei sind diese Begriffe völlig relativ. Sicher finde ich den AWoL und unser westliches Leben besser als die Scharia oder was auch immer, aber man muss Kulturen auch immer von beiden Seiten betrachten, bevor man mit dem Finger auf Missstände zeigt. Menschen führen keine Kriege und terrorisieren andere, weil eine der Seiten vom „Bösen“ befallen wäre, sondern weil sie verschiedenen Ideologien nacheifern, verschiedenen Religionen angehören und verschiedene Auffassungen von Werten haben. Von einer Distanziertheit und einer beider Perspektiven gerecht werdenden Betrachtungsweise ist in diesem Roman aber nicht die geringste Spur. Es ist vollkommen eindimensional, wie die Autorin hier die Definition von Gut und Böse als Faktum anführt.

Nach meinem Auffassen ist es die Pflicht der Literatur, für Verständnis und Annäherung zu kämpfen. Dieses Buch macht genau das Gegenteil.

Das war vermutlich mein letzter Krimi von Frau Gerritsen. Es gibt so viele gute Krimis, ich glaube, da brauche ich nicht auf ein weiteres Werk von ihr zu warten. :)