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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fabel Die andere Geschichte vom Löwen und der Maus oder


Sanatii
23.01.2008, 21:43
So, ich trau mich auch mal. Diesmal was Neues, was ich noch nie probiert hab. Eine Fabel.


Die andere Geschichte vom Löwen und der Maus oder
Wie der Löwe der Versuchung nicht widerstehen konnte



Zu einer Zeit, als die Welt jung, deren Bewohner unschuldig waren und noch die gleiche Sprache sprachen, lebten die Tiere in Frieden miteinander. Dennoch gab es unter den Tieren immer welche, die anderen Angst einjagten. Zu diesen gehörten die Löwen. Zwar waren sie zahm wie Kätzchen und würden keiner Fliege absichtlich ein Leid zufügen, dennoch war ihr Brüllen markerschütternd. So vermieden die anderen Tiere, eingeschüchtert durch ihre Mähnen, ihre Pranken, ihre angsteinflößenden scharfen Zähne und vor Allem durch das ohrenbetäubende Gebrüll, jeglichen Kontakt zu den Königen der Tiere.

So begab es sich, dass ein einsamer, kleiner Löwe sich auf die Suche nach einer Gefährtin machte. Er suchte im Norden, im Süden, im Westen und im Osten. Er durchstreifte die Wüsten, die Wälder wagte sich in Höhen und Tiefen, doch er wurde nicht fündig. Kein einziges Tier wollte sich ihm zeigen. Viel Zeit verstrich und der Löwe ward betrübt, denn wo auch immer er hinkam, er war immer noch allein.
Eines Nachts, als er sich auf einem Berg zur Ruhe begeben wollte, hörte er in einem nahen Busch ein Knistern und Knattern. Neugierig sprang er auf und pirschte zu dem ausladenden Strauch. Die Hoffnung auf jemanden zu treffen, mit dem er sich anfreunden könnte, beflügelte ihn. Vorsichtig lugte er durch die dornigen Äste, ins Innere.
Doch so sehr er sich bemühte, er konnte nichts erkennen. Enttäuscht zog er sich zurück, als ihm plötzlich eine Maus auf den Kopf sprang. „Was machst du da?“, fragte der Löwe „Hast du denn keine Angst vor mir?“
Die Maus antwortete linkisch. „Sollte ich denn? Was willst du mir tun? So lange ich dir auf dem Kopf sitze, kannst du mich ja schlecht fressen.“
„Da hast du wohl Recht, meine Liebe. Aber bedenke, dass du nicht ewig auf meinem Kopf sitzen kannst.“
„Kannst du dich denn in den Schwanz beißen?“ fragte sie vorwitzig.
„Wieso sollte ich denn so was machen, da würde ich mir ja selbst wehtun.“
„Siehst du“, sprach die Maus und wanderte über den Rücken des Löwen zu dessen Schwanz. „Wenn ich schon nicht ewig auf deinem Kopf sitzen kann, kann ich es mir ja auch auf deinem Schwanz bequem machen.“
So verbrachten der Löwe und die Maus die ganze Nacht damit, sich zu unterhalten. Er erzählte ihr von seiner langwierigen Suche und von den Abenteuern, die er erlebt hatte, während sie ihm geduldig zuhörte. Als der Morgen graute, befand die Maus es als sicher, vom Kopf des Löwen zu steigen. Sie setzte sich vor ihn, um ihm in die Augen zu blicken. Doch obwohl sie zu Freunden geworden waren, konnte der Löwe seinem Instinkt nicht trotzen. Mit einem Schnapp, verschlang er sie und noch während er schluckte, bereute er seine Tat. Schließlich war sie die einzige Freundin gewesen, die er je gehabt hatte. Er trauerte den ganzen Tag und wollte sich nicht von Fleck rühren.
Als es wieder dämmerte, vernahm er erneut ein Rascheln. Vor Freude getrieben, hastete er abermals zu dem Gebüsch und traf nochmals auf eine Maus. Tatsächlich freundete sich auch diese mit ihm an und auch sie verbrachten die ganze Nacht mit Reden. Er versprach sich, den Fehler, denn er begangen hatte, nicht zu wiederholen, denn er sehnte sich nach einer Gefährtin. Doch als die Maus des Morgens von seinem Rücken sprang, verschlang er auch diese.

Trauer und Zorn, gegen sich selbst übermannten ihn. Des Abends, saß er wieder vor dem Gebüsch und hielt Ausschau. Doch kein Mäuschen ließ sich mehr blicken.

Edit: Die Moral von der Geschicht

treogen
25.01.2008, 08:58
Hallo Sanatii

ohne jetzt genauer auf die Geschichte selbst einzugehen:
Es fehlt etwas entscheidendes, was aus der Geschichte eine Fabel macht - die belehrende Wirkung, die allgemeingültige Moral.
Also, was könnte die Moral von deiner Geschichte sein?
Traue keinen Löwen?
Hüte dich vor falschen Freunden?
Friss keine Freunde (dazu müsste es den Löwen am Ende richtig mies gehen)?

Irgendwas in der Richtung mußt du noch formulieren - sonst ist die Geschichte nicht vollständig.

Sanatii
25.01.2008, 10:14
Die Schlusspointe ist meiner Meinung offensichtlich, wobei sie auch wieder im Auge des Betrachters liegt.
Schließlich lernt der Löwe weder durch die lange einsame Reise, noch durch die für ihn so wichtige Gesellschaft der ersten Maus, dass man sich zurückhalten muss und Vorgenommenes einhalten sollte, damit ein Freundschaft bestand hat. Alles in allem, begeht er den selben Fehler erneut, weil er nicht anders kann.

Aber ich hab auch schon andere gute Pointen dazu gehört. Von Fünf Leuten konnte jeder eine für sich zutreffende finden und das fand ich gut. Deshalb beließ ich es auch so wie es ist, damit der Leser sie für sie selbst herausfindet. Was eigentlich eher weniger einer Fabel entspricht, wo ich dir auch recht geben muss, also sollte ich eher auf die Bezeichnung Fabel verzichten.

Aber wie gesagt war ein Versuch und schrieb sich wiedermal schnell und wie von selbst. Meinem Löwennarrischen Sohn (Leon übrigens :)) hat sie gut gefallen und er konnte daraus auch eine Lehre für sich ziehen, was mir sowieso am wichtigsten war. Wobei Löwen ja hier momentan eher einen schlechtes Standbein haben. ;)

Hathor
25.01.2008, 10:25
Ich muss treogen Recht geben. Ich hatte eigentlich vermutet, dass die Geschichte noch nicht fertig war. Wie schon treogen gesagt hat: das Wesen einer Fabel ist "die Moral von der Geschichte", die in deiner Erzählung aber fehlt. Sowas wie, dass niemand gegen seine Natur handeln kann (dazu gibt es übrigens eine Fabel vom Frosch und dem Skorpion, die du sicher mal gelesen hast).

Sanatii
25.01.2008, 10:51
Ich reichen noch den ursprünglichen letzten Sätze nach, die aufgrund der vielen unterschiedlichen Assoziationen, die ich gehört habe, von mir nicht gepostet wurde, euch aber fehlt.


Trauer und Zorn, gegen sich selbst übermannten ihn. Des Abends, saß er wieder vor dem Gebüsch und hielt Ausschau. Doch kein Mäuschen ließ sich mehr blicken.

Hathor
25.01.2008, 11:09
Ja, jetzt ist die Geschichte "rund", jetzt ist auch der Sinn klar.

Ich finde die Geschichte nett, sie ist flüssig erzählt und hat zudem eine Aussage. Auch deine Rechtschreibung ist so gut wie perfekt. Da und dort ein Komma weniger, und sogar ich finde dann nichts mehr, was ich kritisieren könnte ;)

Außer vielleicht das:


Die Maus antwortete linkisch.


Das Wort "linkisch" ist in diesem Zusammenhang nicht sehr passend...

Aber ansonsten: großes Lob *ja*

Sanatii
25.01.2008, 11:16
Danke .. werd mich bemühen nichts mehr vorzuenthalten, was die Aussage einer Geschichte betrifft.

Was die Rechtschreibung angeht, geht ein riesiges Dankeschön an meinen Beta-Leser.

Keck oder so wäre wohl passender.

Akissi
25.01.2008, 14:03
Ich finde die Geschichte gelungen und auch irgendwo lehrreich, allerdings muss ich leider sagen, dass mir das Ganze etwas zu rasant ging^^" Er ist allein, er reist, er frisst 2 Mäuse, Ende. Ich hätte es schöner gefunden, wenn du zB seine Reise genauer beschrieben oder zwischen den beiden Begegnungen eine kleine Zeitspanne gelassen hättest.
Die Moral kommt rüber, allerdings nicht ohne die letzten 2 Zeilen, wie treogen und Hathor schon angemerkt haben.
Ich finde die Geschichte aber schön geschrieben, wirkt stellenweise so... altertümlich und das passt, da es ja vor sehr langer Zeit spielt^^ Und die Idee an für sich ist auch nett *ja*

Eine Frage, aus reinem Interesse: Wie lauten denn die anderen Deutungen, die du zu hören bekommen hast? Ich kann mir nämlich ehrlich gesagt gerade keine andere vorstellen, als dass man erkennen soll, was wichtig ist, bevor es zu spät ist/man es selbst zerstört^^ (Ich kann's allerdings auch verstehen, wenn du die nicht auflisten willst, damit andere noch von selbst drauf kommen oder so^^)

treogen
25.01.2008, 14:30
So - nun passt es auch ;)

Und nun kannst du es eigentlich auch wieder Fabel nennen :D

Ich würde es auch nicht länger ausgestalten, bei den klassischen Fabeln wird auch nicht mehr geschildert, als dass, was zum erkennen der Moral notwendig ist.
Mir gefällts.

Sanatii
25.01.2008, 14:53
Freu mich, dass es euch doch gefällt, vielleicht ändere ich es ja doch wieder in die Fabel um, nachdem jetzt die Moral wieder da ist. :)

Es unnötig in die Länge zu ziehen fand ich überflüssig, da ja alles Wichtige gesagt wurde.

Naja wäre schon nett zu erfahren, was sich andere bei der Geschichte so denken.

Aber ich glaub ich verrate damit nicht zu viel.
Also zwei Deutung fand ich überaus spannend weil sie total gegensätzlich ausfielen. Die Geschichten dazu ist etwas kompliziert. Bei der ersten Person handelt es sich um jemanden, der sich des öfteren von seinem Partner getrennt hat, um kurz darauf wieder zusammen zukommen. Jedenfalls bezog jene Person es automatisch auf sich und das ständige hin und her und das man es ja nochmal versuchen könnte. *nein*
Die andere Person, die gerade vor einer Scheidung steht, fand es auch auf sich bezogen, nur in der Hinsicht, dass die Lehre draus war, keinen erneuten Versuch zur Rettung zu starten, weil es eh aussichtslos sei. *ja*
Mein Sohn allerdings meinte damals nur, das die Mäuse dumm waren dem Löwen Vertrauen zu schenken. Er würde ja auch nicht mit Fremden reden. Wobei mir die Lehre mit dem zerstören, gerade bei ihm, auch nützlich gewesen wäre. :D

schneeeule
25.01.2008, 14:58
Ich finde die Fabel auch sehr schön. Ich war auch schon im alten Forum ein richtiger Fan von dir.

Den Schluss, diese beiden letzten Zeilen deiner Geschichte, die du noch hinzugefügt hast, müssen meiner Meinung nach auch noch dort hin, damit , wie Hathor es schon erwähnt hat, die Geschichte abgeschlossen ist.

Akissi:

Ich hätte es schöner gefunden, wenn du zB seine Reise genauer beschrieben oder zwischen den beiden Begegnungen eine kleine Zeitspanne gelassen hättest.


Ich hätte die Reise áuch nicht weiter beschrieben, denn eine Fabel ist immer sehr kurz gehalten (jedenfalls die ich kenne und wie ich es in der Schule gelernt habe) und beschränkt sich nur auf das Geschehen das wichtig und deutend für die Moral ist. Sonst wäre die Geschichte warscheinlich zu lang und zu ausschweifend geworden und die Moral wäre nicht richtig erkennbar.

Ich finde die Geschichte so sehr sehr gut :-)

Großes Lob an die Autorin*ja*

Ollowain
26.01.2008, 15:07
Auch mir hat die Fabel sehr gut gefallen. :)

Meiner Meinung nach war soweit alles Notwendige enthalten.
Wie Akissi schon gesagt hat, ist die Fabel rasant geschrieben, was jedoch alles andere als störend ist.
Zudem gefällt mir dein Schreibstil sehr gut und ich würde mich freuen mehr von dir lesen zu können ^^

Sanatii
26.01.2008, 15:12
Puh ... so viel Lob und das mir. :)

Mal sehen, vielleicht stell demnächst noch was älteres von mir rein, über das ihr dann nochmal herziehn könnt. Bzw. mit dem ich die "neuen" foltern kann.

Warin
26.01.2008, 19:54
Die erste Frage, die sich mir stellte war, sind Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wirklich rein zufällig? Ich hatte da direkt so jemanden vor Augen... Aber der würd' die Moral sicher nicht verstehen.*nein*

Die Fabel ist in der Tat fabelhaft, erfüllt alle Anforderungen an diese Stilform. Sowohl die Kürze, als auch der schnörkellose, klassische Ausdruck passen. Und die Moral stimmt. Ziel erreicht würde ich sagen*ja*

Dornkirk
27.01.2008, 09:52
Ich muss leider sagen dass mir die Geschichte nicht so gut gefallen hat. Der Schreibstil ist OK abgesehen von einigen Wortwiederholungen die den Sprachfluss etwas stören. Trotzdem, die Moral von der Geschichte bleibt mir bis jetzt verschlossen. Er ist ein Löwe, ich hatte nichts anderes von ihm erwartet als das er die Maus frisst und so fehlt mir eine spannende Wendung in deiner Geschichte. Auch finde ich es schade, dass der Löwe die Maus frisst, weil du ja im ersten Absatz geschrieben hast, dass er keiner Fliege etwas zu leide tun könnte. Mir fehlt einfach etwas zum Schluss, etwas das klar macht worum es in der Geschichte ging. So ist mir das Ende zu offen…

Sanatii
27.01.2008, 11:23
Da komme ich auf Hathors Fabelbeispiel vom Frosch und Skorpion zurück, da erwartet man genau das selbe, dass der Skorpion der Versuchung auch nicht widerstehen kann. Ich sag nur, besser hätte ich es nicht machen können und ich bin relativ zufrieden. Es ist ja gut, dass es nicht bei allen anklang findet, wäre ja erschreckend.

Da sich aber der Großteil einig ist, dass es sich um eine Fabel handelt, freu ich mich und mache mich auf die Suche nach neuen Herausforderungen. :)

RickyLee
31.01.2008, 20:43
Über diese Geschichte musste ich längere Zeit nachdenken, nachdem ich sie gelesen hatte, denn irgendetwas kam mir... seltsam vor.
Inzwischen bin ich darauf gekommen, was: Die Geschichte an sich ist gut erzählt (bis auf den Widerspruch, der bereits erwähnt wurde, dass Löwen zahm seien und dann doch nicht), das Ende ist sehr traurig, in zwei Hinsichten. Tote Maus und einsamer Löwe und allgemein konnte ich, in Sachen Fabel, keine direkte Moral daraus ziehen als: "Eine Maus sollte sich nicht mit einem Löwen anfreunden, das kann nur schief gehen", mit dem Bild im Hinterkopf von einer typischen reichen Familienmama, die ihrer Tochter verbietet mit einem Punker auszugehen, aber das hast du ja hoffentlich nicht gemeint 0.o

Es ist so, dass ich die Fabel eher als eine Art Gleichnis sehen will... also ein Beispiel in der Tierwelt ohne direkte Moral. Eine Art Illustration für Personen, die man bereits kennt, zB ein Ehemann, der seine Frau schlägt, sich hinterher entschuldigt, es aber doch immer tut. Wenn man hier weiterdenkt, sollten Maus und Löwe vielleicht zu einer Paartherapie, damit sich der Löwe das Mäusefressen abgewöhnen kann und rein psychologisch ermittelt wird, weshalb der Löwe das denn immer wieder tut. Alleine schafft er es ja offensichtlich nicht, gegen seinen Trieb anzukommen.
Hehe, ich glaub, der obrige Kommentar ist ein Bisschen sehr verworren. Aber auf jeden Fall hat mich deine Geschichte schön zum nachgrübeln gebracht und vielleicht, weil sie keine eindeutige Moral hat, kann jeder, wie bei einem Tintenkleks, seine ganz eigene Wahrheit darin entdecken.

Sanatii
01.02.2008, 11:22
Stimmt, du hast vollkommen recht was den Widerspruch betrifft, (aufmerksame Leserin :)) aber auch das ist von mir durchaus absichtlich so beibehalten worden. Der "zahme" Löwe der einsam durch die Lande streift, verliert in gewisser Weise seine "Unschuld".

Nein, auf eine Tochter aus gutem Haues und einen Punker hab ich nicht gedacht :D aber genau das find ich schön an dieser Geschichte, das sich jeder seine eigenen Assoziationen dazu bilden kann. Was an und für sich bei einer Fabel nur eine Moral sein kann, ist hier für jeden irgendwie eine andere.
Und da ist deine Aussage mit dem Tintenklecks sehr passend.
Jedenfalls find ich schön, dass die Geschichte zum Nachdenken anregt, schließlich will ich genau das.