Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fortsetzungsgeschichte Die Gilde der Neun
So, ich will euch auch mal etwas schreiben, dies ist eine meiner vielen Nebengeschichten....
Ich bitte schon im Voraus um Verzeihung, ich hab mir natürlich viel Mühe gegeben, aber alle Wiederhol-,Rechtschreib- und Tippfehler konnte ich nicht finden (Nobody is Perfect:))
1.Kapitel
Gellendes Geschrei tönte durch die kalten Gassen von London. Rufe waren zu vernehmen. Wenn sie genauer lauschte, hörte sie die Worte “Die Gilde der Neun” ganz deutlich aus dem Gebrüll heraus. Kiyara kicherte, noch nie war der Aufstand so groß gewesen. Sie stand auf dem flachen Dach, das jedes Hauses in dieser Umgebung hatte, und blickte auf das Geschehen hinab. Und all das wegen dem Geldbeutel des Steuereinziehers, der jetzt an ihrem Gürtel hing. Nun wurde es aber Zeit, dass sie ihren Auftrag abschloss und die Sache erledigte. Sie drehte sich um und wollte zum Sprung ansetzen, als sie am anderen Ende des Daches eine vermummte Gestalt erblickte, die völlig in rot gekleidet war.
Kiyara erstarrte, was machte denn jemand so gekleidet hier? Und wer war er? Ein Dieb? Nein, sonst hätte er sich längst zu erkennen gegeben, denn alle Mitglieder der “Gilde der Neun” kannten sich, vor allem weil die meisten miteinander verwandt waren. Er stand aber nur da und schaute in ihre Richtung. Sie wurde skeptisch, ein Feind hätte längst angegriffen. Ihr wurde es unheimlich zu Mute. Wäre sie nun ihren Gefühlen gefolgt, hätte sie sich längst in eine andere Richtung gewandt und wäre vom Haus gesprungen. Aber eines der wichtigsten Gesetze der Diebesgilde hielt sie zurück, “Kehre niemandem den Rücken zu, den du nicht kennst!” Halte es in ihrem Kopf, man hatte es ihr als Kind immer wieder eingeschärft. Also blieb sie stehen und suchte ihn nach sichtbaren Waffen oder sonstige Utensilien, die ihr gefährlich werden konnten, ab. Sie fand aber weder ein Dolch, noch eine andere Waffe. Kiyara wurde langsam ungeduldig, was wollte dieser vermummte Mann, wie sie nach seinem Körperbau vermutete, von ihr? Es gab eine Möglichkeit, dass herauszufinden, blitzschnell nahm sie ihre beiden identischen Dolche hervor und stürmte auf ihn zu.
Ein schneller Angriff würde ihn überraschen, dachte Kiyara, als er auch schon auswich. Ausweichen konnte man nicht sagen, er trat einfach einen Schritt beiseite. Kiyara konnte sich gerade noch auffangen um nicht vom Haus zu fallen. Sofort wandte sie sich um, einen Angriff abzuwehren, der nicht kam. Die rotgekleidete Gestalt stand etwa zwei Meter von ihr entfernt, genauso regungslos wie vorher. Verwundert blieb Kiyara stehen, Er war schnell. Wieder rannte sie auf ihn zu, er wich ihr abermals aus, diesmal aber kannte sie seine Absichten. Die “Gilde der Neun” war berühmt für ihre beweglichen und schnellen Diebe. Kiyara wurde dem gerecht und machte einen Rückwärtssalto, landete neben dem Mann und hielt ihm das Messer an die Kehle. Noch besser wäre es gewesen, dass sie hinter dem Vermummten gelandet wäre, aber dazu musste sie wohl noch ein bisschen üben, dachte Kiyara belustigt. Sie zeigte dem Mann ihr triumphierenstes Lächeln. Zum ersten Mal sah sie seine Augen, sie waren von einem dunkleren Grün mit etwas Braun drumherum, die außergewöhnlichsten Augen, die sie je gesehen hatte. Der Mann hob langsam seinen linken Arm und packte den ihren. Ohne auch nur reagieren zu können, wurde Kiyara von dem Rotgekleideten in einem hohem Bogen vom Dach geschleudert.
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Der zweite Teil des ersten Kapitels:
Das wachsende Gefühl von Panik, drohte ihre Gedanken zu übernehmen. Was sollte sie tun? Würde sie das überleben? Sie flog genau auf die Strasse, in der der aufgebrachte Zug von Menschen, der sich wegen ihr gebildet hatte, stand. Mit einem lauten Krachen landete Kiyara auf einem Marktstand. In ihrem Rücken explodierte es, vor ihren Augen erschienen schwarze Flecken. Sie stöhnte, griff sich an den Kopf, indem sich alles drehte, und stöhnte nochmals. Erst jetzt erkannte sie die gaffenden Leute um den zerstörten Marktstand herum. Sie schreckte auf, zuckte dann aber gleich wieder zusammen. Ihre Rippen brannten. Kiyara versuchte ihre Schmerzen zu unterdrücken und aufzustehen, Sie schaffte es halbwegs. Es klimperte und alle Augen richteten sich auf ihren Gürtel. Sofort ging ein lautes Schreien los. Von allen Seiten kamen sie auf Kiyara zugestürmt. Sie kletterte stöhnend wieder auf den Stand und weiter auf ein Fenstersims an der Hauswand des Standes. Die Leute versuchten nach ihr zu greifen. Mehrmals schafften sie es sogar, doch Kiyara konnte sich immer wieder losreißen und sich weiter hochziehen.
Das nächste Fenster war schon ein wenig weiter oben, sodass mit ihren verletzten Rippen alle Anstrengung bedurfte zum nächsten Fenster zu kommen. Sie ächzte auf vor Schmerz und schaute hoch, noch ein soweit entferntes Fenster, dann würde sie endlich oben auf dem Dach sein und niemand konnte ihr mehr gefährlich werden. Der Vermummte glaubte sicher sie wäre beim Sturz umgekommen oder so schwer verletzt, dass es nicht mehr wert war vom Dach zu kommen und sie umzubringen. Bald hätte sie es geschafft. Nur noch der Weg vom letzten Fenster zum Dach. Kiyara klammerte sich keuchend an dem Anfang des Daches, als sich der Fensterladen, auf dem sie stand, sich mit einem Knacken von dem Fenster löste. Kiyara konnte schon auf das Dach sehen, nun aber sackte sie zurück und hing mit schmerzenden Armen und brennenden Rippen am Dachanfang. Die Leute unter ihr hofften natürlich, dass sie herunter fiel, sodass man ihr den Beutel entnehmen, die Steuern dem König übergeben werden und man sie erhängen konnte. Kiyara schauderte, nein, an so was durfte sie jetzt nicht denken. Nur mit allergrößter Mühe schaffte sie es sich heraufzuziehen. Nun lag sie da, mit schmerzendem Körper und keuchte.
Sie wusste nicht, wie lang sie schon auf dem flachen Hausdach lag, aber als ihr Körper nicht mehr so fest schmerzte, zog sie sich weiter in die Mitte des Daches hinein. Langsam fing ihr Gehirn wieder an zu arbeiten. Ihre Gedanken galten nur der Vermummten Gestalt. Dieser Mann war gut, zu gut für einen normalen Dieb. Vielleicht war es aber auch ein Meisterdieb der Gilde, der sie testen wollte. Aber spätestens als sie ihm das Messer an den Hals gesetzt hatte, hätte er lachend aufgegeben und sich ihr offenbart. Vielleicht war es auch einer der Neun, ging es ihr durch den Kopf, nein, einer der Anführer der “Gilde der Neun” würde seine Zeit doch nicht mit ihr verplempern. Das alles schoss in Sekundenschnelle durch ihr Gehirn. Sie musste schleunigst der Gilde davon erzählen.
Langsam, ganz langsam versuchte sie sich aufzurichten, ihre Rippen und Arme schmerzten, es fühlte sich nicht an, als wäre etwas gebrochen. Aber sie war doch von einem Haus gefallen? Diese Frage schaffte in Kiyaras Kopf große Verwirrung und sie suchte fieberhaft eine Erklärung dafür. Das einzige, was sie fand, war dass das Tuch sie aufgefangen hatte, da war ja immer noch die Holzstange, die sich durch das Tuch zog. Schließlich gab sie es auf und sah sich um. Sie war auf einem Haus, etwa in der Mitte von London. Sofort wusste sie wo der nächste Eingang zum Versteck der “Gilde der Neun” war. Es gab Hunderte von ihnen in London. Nun musste sie nur noch unerkannt dorthin gelangen. Sie lauschte, hörte kein Geschrei, jedoch lautes Hämmern und Klopfen, dann eine Stimme die rief: “Nur noch eine Leiter dann bin ich oben!” Kiyara schreckte hoch, wenn die Leute eine riesige Leiter bauten, war das Haus also unbewohnt. Sie konnte durch das Haus hinuntersteigen und sich dann unter die Leute mischen. Nur musste sie noch einen Weg finden, in das Haus zu gelangen. Eine Möglichkeit war es, durch das Fenster ins Innere des Hauses zu gelangen, damit würde sie aber riskieren, dass man sie unten sah. Das Gehämmer wurde lauter. Nun, dieses Risiko musste sie wohl oder übel eingehen. Die gebaute Leiter lehnte an der Wand rechts neben ihr, also war es am besten, sich links in ein Fenster zu schwingen. Kiyara setzte sich wieder und schaute nach links, das nächste Haus war nicht mehr so weit entfernt wie das vorige, dass hieß es war also eine kleiner Gasse. Nun kroch sie auf allen vieren zum Ende des Flachdaches und blickte nur ganz kurz hinunter. Die Strasse war tatsächlich sehr schmal. Das Fenster hatte keine Glasscheiben und war weit unten, aber zu erreichen. Sie musste schnell sein, sehr schnell. Kiyara atmete kurz durch und schloss die Augen. In ihrem Kopf ging sie noch einmal die genaue Situation durch, bevor sie sich vom Dach schwang.
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Soo nun kommt der letzte (sehr kleine) Teil des ersten Kapitels:
Ein kurzer flackernder Schmerz durchzuckte Kiyaras Seite, als sie sich in das Fenster hineinschwang, dann war sie plötzlich drinnen. Im Haus hatte scheinbar einmal ein Brand stattgefunden, denn die Balken im obersten Stock waren alle Schwarz und nur wenige hielten sich noch am richtigen Platz auf. Diese Haus wird bald einstürzen, dachte Kiyara und gab sich einen Ruck um weiterzulaufen. Irgendwo musste es hier doch eine Treppe geben, dachte sie verzweifelt und gleichzeitig hoffnungsvoll. Sie schaute sich im Raum um, der keiner mehr war. Überall lagen verkohlte und schwarze Holzbalken. Sie machte einen Schritt vorwärts, es knarrte laut. Instinktiv duckte sich Kiyara, hatten die über ihr etwas gehört? Es war ganz still. So leise sie konnte, machte sie einen Schritt vorwärts, ein Knarren war nicht mehr zu hören. Auch war es sehr Düster, sie konnte nur das andere Fenster, gegenüber von ihr sehen. Die Anderen wurden durch die heruntergestürzten Balken verdeckt. “Wo ist nur die Treppe, in diesem gottverdammten Haus?”, Murmelte sie leise vor sich hin.
Wenn es in diesem Stock wirklich keine Treppe gab, musste sie eben noch einmal von außen eine Etage tiefer klettern. Nur würde sie jetzt noch ein größeres Risiko eingehen, denn jetzt würde man sie größer und besser sehen. Dieses Risiko musste sie wohl ebenfalls eingehen. Sie wandte sich um und schritt zum Fenster, immer noch bedacht keinen Lärm auszulösen und schaute vorsichtig hinaus. Das untere Fenster, war zwar kleiner, aber die Entfernung bis zu dem war kürzer. Plötzlich zerriss ein ohrenbetäubendes Gekreische die Luft. Kiyara schreckte zurück und hielt die Luft an. Mist, sie hatten sie gesehen. Wenn ich mich habe entdecken lassen, muss ich diesen Moment schon nutzen, dachte Kiyara verärgert, hielt aber inne. Wenn sie nun jetzt nicht hinunterkletterte, sondern ins gegenüberliegende Fenster sprang? Sie lächelte und holte Anlauf.
Es ist schwierig, aus einem Fenster zu springen, dass nicht einmal halb so gross ist, wie man selbst. Das merkte auch Kiyara, aber erst als sie durch das Fenster war. Sie hatte keinerlei Abstoßhilfe für einen solchen Sprung gehabt. Das würde knapp werden, sehr knapp. Es wird nicht reichen, es wird nicht reichen, dachte Kiyara immer wieder. Aber es reichte! Nur hing sie mit schmerzenden Armen am Fenstersims. Ein starker Schmerz durchfuhr Kiyaras Arme. Sie versuchte sich vergeblich hochzuziehen, was die Schmerzen natürlich nur verschlimmerte. Nein, jetzt durfte sie nicht abrutschen. Immer weniger konnten sich ihre Finger am Sims festhalten, gleich würde sie hinunterfallen!
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Weiter gehts! :D
2.Kapitel
Eine Hand packte sie. Im ersten Schreckensmoment dachte sie, es wäre einer der aufgebrachten Einwohner Londons, aber dann erkannte sie die Hand, Ben! Lachend zog er Kiyara hoch. Sie ließ es erschöpft zu. Als er sie in das Haus gezogen und sie sich aufgerichtet hatte, merkte sie, dass ihre Beine zitterten. Sie musste sich an Ben abstützen, um nicht umzufallen. Bens Lachen schwand. “Was ist mit dir los? Ich hab dich erst vorher, als du vom Haus gegenüber in dieses gesprungen bist, gesehen, du siehst übel aus.” Sagte er und schloss seine Worte mit brüderlichem Mitgefühl, als er ihr in die Augen blickte. Bens blondes Haar war fast immer zerwuschelt und er hatte meistens ein Lächeln im Gesicht. Sie sah ihn nur selten traurig oder besorgt und dann meistens nur wegen ihr. Seine lebhaften samtblauen Augen schauten jetzt tief in die ihren. Solche Blicke heiterten sie sonst immer auf, aber heute, und vor allem in ihrem Zustand hatte das keine Chance. Sie murmelte nur: “Bitte hilf mir ins Versteck zu kommen, da erzähl ich es dir dann.”
Das Haus schien bewohnt zu sein. Kiyara wusste aber nicht von wem, sie hatte aber auch nicht vor zu fragen, denn dafür war sie viel zu Erschöpft. Als sie zu der Treppe kamen und Ben Kiyaras verzweifelten Blick auffing, hob er sie auf seine Arme und trug sie hinunter, wobei sorgfältig darauf achtete, dass ihr Kopf nicht an der Wand anschlug. Warum machte Ben so etwas für sie? Das hatte sie sich schon oft gefragt und auch schon oft darüber nachgedacht, aber heute löste diese Frage etwas in ihr aus, dass sie nicht erklären konnte. Dennoch ließ sie die Frage offen. Kiyara schloss ihre Augen, legte ihren Kopf auf Bens Schultern und atmete seinen schweißigen und doch so außergewöhnlichen Geruch ein.
Als sie unten ankamen, flüsterte Ben ihr leise zu: “Ich glaube du warst noch nie hier, oder?”, Ohne auch nur eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort: “Dies ist eines der wenigen Häuser die mit dem Versteck der Gilde verbunden ist. Auch ist es eines der Hauptzulieferhäuser vom Händler.”
Der Händler einer der besten Schmuggler Englands und darum auch einer der Anführer der “Gilde der Neun”. Er war es, der das Versteck der Gilde mit Vorräten belieferte, ging es Kiyara sofort durch den Kopf. Solche Sachen hatten Ben und sie als Kinder auswendig gelernt.
Der untere Raum sah ähnlich aus wie der Vorige. Ben stand nun ihn der Mitte des Raumes und schritt direkt auf eine Tür zu. Vor dieser blieb er stehen, flüsterte ihr ins Ohr: “Achtung, ich lasse dich runter.” Und ließ sie vorsichtig auf den Boden. Er öffnete die Tür und zum Vorschein kam eine kleine Plattform, die fast so gross war, wie der Raum selbst. An allen Wänden hatte es Seile. “Setz dich da drauf, dann wirst du, oh warte ich helfe dir!”, Sagte Ben und stützte Kiyara um auf die kleine Plattform zu kommen. “Unten wirst du in den Vorratskammern ankommen.” Fuhr er fort. “Ich kann nicht mit dir kommen, ich muss noch einen Auftrag erledigen, aber Dorvon hilft dir sicher zur Sammelhalle zu kommen.” Kiyara saß nur da und nickte müde. Den Kopf nach unten rief er etwas, Kiyara aber bemerkte es gar nicht. Er umarmte sie und nun konnte sie noch einmal seinen außergewöhnlichen Geruch riechen, bevor er sich von ihr abwandte und hinter sich die Tür schloss. Dann saß sie in völliger Dunkelheit da.
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Bei diesem Teil will ich unbedingt wissen, was ihr davon haltet! D.h Feedback ist sehr gerne gesehen;)
Vor Kiyaras Augen erschien ein heller schmaler Spalt und sie erblickte das fahle Gesicht von Dorvon. Ihn kannte sie schon seit einer Ewigkeit, früher hatten Ben und sie ihm seine Waren, die er dringend abliefern musste, versteckt und sich manchmal auch über sein Aussehen lustig gemacht. Seine fettigen glänzenden Haare hingen ihm ins Gesicht. Einen Moment lang starrte er sie voller entsetzen an, dann klappte sein Mund auf und er stotterte etwas mit seiner krächzenden Stimme. Kiyara suchte nach Worten, bis sie schließlich herausbrachte: “Ben hat mich hier hergebracht, ich hab mich verletzt und sowieso war halb London hinter mir her.” Als Dorvon das Wort “verletzt” hörte, öffnete er schlagartig die Tür und griff ihr unter die Arme. Trotz der Streiche, die sie ihm gespielt hatte, hatte Dorvon sie ins Herz geschlossen. Als Kiyara endlich aus dem Raum hinaus war und stehen konnte, blickte sie sich um. Das ganze Versteck der “Gilde der Neun” war im Untergrund von London, in Höhlen untergebracht. Gelegentliche Fackeln erleuchteten die rötlich schimmernden Höhlenwände. Überall lagen Holzkisten und Fässer. Kiyara schüttelte den Kopf, sie musste sich beeilen und ihren Auftrag abschließen und damit auch ihr Jungdiebdasein. Wenn sie diesen Auftrag erfüllt hatte, würde sie endlich zu den richtigen Dieben gehören und richtige Sachen stehlen dürfen. Entschlossen machte sie einen Schritt vorwärts knickte aber gleich wieder ein. Sofort war Dorvon zur Stelle und hob sie hoch. Er nahm ihren einten Arm und legte ihn um seinen Hals. Ganz langsam begann er zu gehen, wobei er immer wieder besorgt ihr Gesicht betrachtete. Kiyara seufzte genervt: “Ich bin nur ein wenig erschöpft und habe mich an den Rippen verletzt, sonst nichts, bitte lauf normal.” Trotzdem ging er immer noch langsam. Kiyara hatte nur eines im Sinn, das riesige Pult in der Mitte der Sammelhalle, wo sie endlich ihren Auftrag abschließen konnte.
Dann, nach einer Ewigkeit wie es Kiyara vorkam, erblickte sie die Sammelhalle, die mit jeder wichtigen und unwichtigen Höhle verbunden war. Der Boden dieser Halle war aus feinstem Marmor, jedoch immer ein wenig schmutzig. Nur wenige Leute waren in der Halle. In der Mitte war dann das so ersehnte Holzpult, über das sich ein glatzköpfiger Mann beugte. Reron. Voller Entschlossenheit wollte Kiyara auf ihn zu gehen, doch Dorvon hielt sie fest um den Arm und sagte: “Wir müssen dich zuerst zum Verletztenlager bringen.” Nur widerwillig gab sie nach, schaute aber immer noch in Rerons Richtung, in der Hoffnung er würde aufschauen, sie erkennen und Dorvon den Befehl erteilen zurück zur Arbeit zu gehen. Reron war ein Meisterdieb und Dorvon nur ein Lagerverwalter, es war schon immer so, dass die mit höherem Rang über die mit niedrigerem Rang verfügten. Jedoch hielt man sich an die Regel, solche nicht auszunutzen. Endlich wandte sie den Blick von Reron ab und in die Richtung, in der sie gingen. Sie schritten auf einen grossen Höhleneingang zu, vor der eine Wächterin, sie hatte ein riesiges Schwert an der Seite, mit wasserstoffblondem Haar stand. Im Licht der Fackeln erschienen ihre Haare sogar noch ein wenig heller. Kiyara wurde immer noch von Dorvon gestützt und als die Wächterin sie nun erblickte, reif sie jemandem hinter ihr etwas zu. Zu Kiyaras großem Schrecken waren es zwei Männer mit einer Bahre. Bevor sie auch nur etwas sagen konnte, hatten sie die Männer schon sanft gepackt und auf die Bahre, die nur aus zwei Holzstangen und einer Wolldecke bestand, gelegt. Ihr Blickfeld beschränkte sich jetzt nur noch auf die Höhlendecke. Sie war erstaunlich hoch. Ein kurzer Gedankenblitz streifte durch ihren Kopf: Als sie das erste mal die Sammelhalle betrat, um ihren Weg als Diebin zu beschreiten. Damals konnte sie den Kopf kaum von der Decke abwenden.
Sie wurde aus diesen Gedanken gerissen, als die zwei Männer losgingen und die Bahre zu schaukeln begann. Trotz dem Schaukeln und ihrer Aufgewühltheit, sank Kiyara in einen tiefen Schlaf, der an Ohnmacht grenzte.
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Da wär wieder etwas, auf das ihr euch stürzen könnt^^
Das erste was Kiyara wahrnahm, war ein leises Summen, das sich in ihren Ohren aber schnell zu einer Melodie zusammenfügte. Die Melodie war schön und irgendwie geheimnisvoll. Sie öffnete ihre Augen, um herauszufinden, woher dieses Lied stammte. Die vertraute rötlich schimmernde Höhlendecke begrüßte sie in ihrem bedrohlichen aber auch beruhigenden Aussehen. Langsam begann sie sich zu regen um herauszufinden, auf was und wo sie lag. Sie spürte weiches Fell und auch, dass sie nicht mehr vollständig angezogen war. Man hatte Kiyara ein altes und zerschlissenes Hemd übergezogen. Erst jetzt bemerkte sie, das dass Summen deutlicher und auch lauter geworden war. Es schien von links zu kommen, sie drehte ihren Kopf in diese Richtung. Das erste was Kiyara sehen konnte, waren weitere Felle. Es waren Bärenfelle, die der Händler aus dem Norden in das Versteck geschmuggelt hatte und sie da allgemein als Decken und Bette benutzt wurden. Dann erblickte sie einen Tisch, mit etwa Zwei oder Drei Stühlen drumherum. Auf einem dieser Stühle saß eine Frau, denn Rücken ihr zugewandt. Ihr zusammengebundenes Silbergraues Haar, lag auf dem Rücken. Kiyara wollte dieser Frau sagen, dass sie Wach war, doch kein Wort kam über ihre Lippen, nur ein leises Krächzen. Ihr wurde langsam warm unter den Felldecken, sie versuchte sich herauszuwinden doch sie war fest darin eingewickelt. Kiyara schloss ihre Augen wieder und spürte dann, wie die heißen Strömungen durch ihren Körper wallten.
Ein leises Geräusch vermochte ihre Augen wieder zu öffnen. Sie schaute nach links, dorthin wo sie glaubte, es gehört zu haben. Kiyara erblickte die Frau, die völlig in Weiß gekleidet war und ihr zugewandt dastand. Sie hatte eine kleine Schale in der Hand und kam nun auf sie zu. Vor ihr kniete sie sich nieder und hielt ihr die Schale liebevoll hin. Kiyara gab ihr wortlos zu verstehen, dass sie sich nicht bewegen konnte. Erst jetzt sah sie in das Gesicht der Frau. Die Augen schienen aus dem Gesicht herauszustechen, die Iris leuchtete grau, fast weiß aus den großen Augen heraus. Ihre Puppillen dagegen waren nur kleine Pünktchen. Sie hatte ein langes Gesicht, doch ein breites Lächeln machte es ein wenig breiter. Die Frau legte die Schale, ohne die Augen von ihr abzuwenden, neben sich auf den Boden. Mit ihrer Hilfe schaffte es Kiyara aus den verschlungenen Bärenfellen heraus. Als sie ihre Arme aus den Decken heben konnte, streifte sie ein kühler aber angenehmer Windhauch. Die Frau langte neben sich, hob die Schale auf und hielt sie ihr noch einmal genauso liebevoll hin. Zögernd streckte Kiyara ihre Hände aus, noch ein leichter Windhauch streifte sie, und nahm die Schale entgegen. Als sie die Schale berührte, ging eine wohlig warme Welle durch ihren ganzen Körper, obwohl es ihr schien nächstens zu Bersten vor Hitze. Sie sah in die kleine Schale und erblickte eine braune Suppe darin. Der Inhalt schwappte leicht hin und her, ein kleiner Tropfen löste sich von der braunen Flüssigkeit und fiel auf ihre Knie. Kiyara war sorgfältig darauf bedacht, den Rest nicht zu verschütten als sie die Schale mit der braunen Suppe an die Lippen hob. Nach dem ersten Schluck breitete sich einen schmerzenden Hungerstich in ihrem Bauch aus. Kiyara trank die Suppe hastiger, dieses Gefühl verursachte in ihrem Körper Panik. Unterdessen war die Frau aufgestanden und zu dem Tisch zurückgekehrt, nun aber stand sie plötzlich wieder vor Kiyara, beugte sich über sie und streckte ihre schneeweiße Hand nach ihr aus, eine Hand, so weiß, das sie fast mit der weißen Kutte, die sie anhatte, verschmolz.
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