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Hathor
18.05.2008, 09:25
Tödliche Intrige

In diesem psychologischen Thriller von Arnaldur Indriðason über eine isländische Femme fatale geht es um Leidenschaft und Liebe - und um einen überaus raffiniert geplanten Mord.

Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe: Indriðason ist für mich ein Meister unter den Kriminalschriftstellern. In allen seinen Romanen faszinieren mich seine Erzählkunst und die wunderbar eingestreuten Landschaftsbeschreibungen.

Tödliche Intrige ist eines seiner Meisterstücke. Ein sehr sehr spannender Thriller der anderen Art. Es geht um Liebe, Leidenschaft und Mord. Die üblichen Zutaten - aber Indriðason mixt daraus eine gar nicht so übliche Geschichte. Leider kann ich nichts über den Inhalt schreiben ohne zu spoilern.

Indriðason scheint die menschliche Seele erforscht zu haben, denn das ist in allen seinen Romanen zu spüren. Hier ganz besonders. Dieses Buch war mir eine durchlesene Nacht wert und es hat mich sehr beeindruckt. Auch die unerwarteteten Wendungen und Entwicklungen finde ich bemerkenswert.

Hathor
18.07.2008, 16:06
In einem angesehenen Hotel in Reykjavík wird der Portier erstochen aufgefunden, als Weihnachtsmann verkleidet. Ein rätselhafter Mord, den Erlendur und seine Kollegen von der Kripo Reykjavík aufklären sollen, ohne die internationalen Gäste zu verschrecken - Island darf nicht zu spannend und zu abenteuerlich sein. Um den Tod des Mannes schert sich eigentlich niemand, kein Mensch will etwas mit ihm zu tun gehabt haben. Wer aber hat Interesse, einen zurückgezogen lebenden Portier aus dem Weg zu räumen? Erlendur quartiert sich kurzerhand im Hotel ein, um den Beweggründen auf die Spur zu kommen. Wieder einmal reichen die Fäden weit in die Vergangenheit zurück ...

Das war mein erster Krimi dieses Autors.
Anfangs hatte ich Probleme mit den isländischen Namen und der isländischen Eigenart, jeden zu duzen. So werden auch fast nur die Vornamen der Personen angegeben und verwendet. Und die Tochter des Kommissars heißt Eva Lind, was ich anfangs für Vor- und Familiennamen hielt. Doch schon nach wenigen Seiten hatte ich mich eingelesen. Der Krimi ist ausgezeichnet geschrieben, zudem ungeheuer spannend. Neben der Mördersuche gibts noch genauso interessante Nebenhandlungen und einen überraschenden, aber sehr logischen Schluss. Es ist ein Krimi mit einem schlimmen, aber wichtigen Thema.

Mit der Lektüre dieses Romans wurde ich - und bin ich immer noch - ein großer Fan von Arnaldur Indriðason.

Hathor
25.08.2008, 19:27
Ein offenbar kaltblütig ausgeführter Mord lässt den Menschen in Island das Blut in den Adern gefrieren - mehr noch als die eisigen Stürme, die in diesem ungewöhnlich kalten Winter über die Insel im Nordatlantik hinwegfegen: Ein kleiner Junge isländisch-thailändischer Abstammung wird erstochen aufgefunden. Im eigenen Blut am Boden festgefroren. Wie kann es zu einem derart grausamen Mord kommen? Wer bringt so etwas fertig? Die Ermittlungen von Erlendur, Sigurður Óli und Elinborg von der Kripo Reykjavík konzentrieren sich zunächst auf das direkte Umfeld des Kindes: die Lehrer, die Mitschüler und die Angehörigen. Je mehr sie dabei in Erfahrung bringen, desto tragischer erscheint der Tod des kleinen Jungen. Kommissar Erlendur Sveinsson ermittelt in seinem siebten Fall, der ihm auch aus persönlichen Gründen schwer zu schaffen macht ...


Trotz des frostigen Titels fasst Indridason ein sehr heißes Eisen an: die Problematik der Einwanderer, die Sprach- und Integrationsprobleme und den damit verbundenen Konflikt.
Und es gefiel mir sehr, wie einfühlsam der Autor dieses Thema aufarbeitet: ohne erhobenen Zeigefinger und von beiden Seiten beleuchtend.

Und wieder gibt es einen weiteren Einblick in die traurige Vergangenheit Erlendurs, der den Tod seines Bruders einfach nicht verarbeiten kann. Schön auch, dass man diesesmal auch einiges Privates von Sigurður Óli, der diesbezüglich in früheren Büchern eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Der Mord an dem kleinen Jungen wird von Erlendur wie immer gelöst, aber (auch wie immer) nicht ohne Probleme und nicht ohne Irrtümer.

Und die Lösung ist ebenso überraschend wie traurig.

Ein sehr schöner Island-Krimi. Der Autor hat mich ein weiteres Mal begeistert.

Rotkätzchen
25.08.2008, 21:22
Mmmmjamm! Den hast du mir jetzt wirklich schmackhaft gemacht. Habe ihn gerade bestellt. Nachdem ich vom neuesten Donna Leon ziemlich enttäuscht war, kann ich mich also drauf freuen, dass wenigstens mein zweiter Lieblings-Krimi-Autor wieder eine Bravourleistung abgeliefert hat. Ich freue mich drauf! :D

Hathor
15.09.2008, 18:55
Dann trage ich die Indriðason-Romane nach, die ich früher mal gelesen habe:

Menschensöhne

Zwei kurz aufeinander folgende Todesfälle beschäftigen die Mordkommission Reykjaviks unter Kommissar Erlendur Sveinsson: Der pensionierte Lehrer Halldór Svavarsson stirbt in den Flammen, die sein kleines Holzhaus vernichtet haben. Dabei deuten alle Spuren darauf hin, dass er Opfer eines brutalen Mordes wurde. Etwa zur gleichen Zeit begeht der Patient einer Nervenklinik Selbstmord: Daníel, der sich seit mehr als fünfundzwanzig Jahren in psychiatrischer Behandlung befand, war ein ehemaliger Schüler Svavarssons.

Die Amazon-Rezensionen sind vergleichsweise bescheiden. Mir hat dieser erste Band der Erlendur-Reihe trotzdem sehr gefallen. Es ist verständlich, dass die Charaktere noch nicht so ausgeprägt sind, aber die Handlung ist wie immer spannend, die Atmosphäre düster bis bedrückend und trotzdem voller Hoffnung.

Immer wieder begeistert mich Indriðasons Sprache: diese Klarheit und Ausdruckskraft findet man selten. Und man bekommt nicht nur einen spannenden Krimi, sondern immer auch ein Bild der isländischen Gesellschaft.


Nordermoor

Was zunächst aussieht wie ein typisch isländischer Mord - schäbig, sinnlos und schlampig ausgeführt, erweist sich als überaus schwieriger Fall für Erlendur von der Kripo Reykjavík. Wer ist der tote alte Mann in der Souterrainwohnung in Nordermoor? Warum hinterlässt der Mörder eine Nachricht bei seinem Opfer, die niemand versteht? - Während schwere Islandtiefs sich über der Insel im Nordatlantik austoben, wird eine weitere Leiche in Nordermoor gefunden ...

Wie alle seine Romane habe ich auch den in einem Rutsch gelesen. Wieder ein bisschen was über Island gelernt... Zum Beispiel, dass die Namen im Telefonbuch zwar auch alphabetisch gereiht sind, aber nach Vornamen. Wenn ihr also den Autor nachschlagen wollt, musst ihr unter "A" suchen.
Solche Details liebe ich - weil sie mir mein Traumland näher bringen und vertrauter machen.

Lasst euch von dem Cover und dem Titel nicht in die Irre führen: Nordermoor ist keine ländliche Gegend, sondern ein Stadtteil von Reykjavik.

Rotkätzchen
30.10.2008, 15:19
Bin gerade mit Frostnacht durch. Lange habe ich es vor mir hergeschoben, jetzt endlich fand ich unser deutsches Wetter Isalnd-gerecht und hab das Buch in 2 Tagen ausgelesen. Meine Erwartungen wurden eigentlich fast alle erfüllt. Isländisch kühl, beharrlich erzählt, menschlich, unspektakulär. Zu Beginn empfand ich es etwas träge, die umständlichen Gespräche mittels der Dolmetscherin und das lange Gezetere im Wohnblock der Mutter. Sobald sich die Handlung dann mehr und mehr auf das schulische Umfeld verlegte, gab sich das.

Dass der bzw. die Täter erst im letzten Drittel namentlich und körperlich eingeführt werden, ist laut Experten bei Krimicouch eigentlich eine Todsünde. Angesichts des hiesigen Falles fand ich das aber nicht weiter tragisch. Indridasons Krimis sind keine effekthaschenden Sensations-Thriller, sondern meiner Meinung nach realistische Entwicklungen innerhalb einer polizeilichen Ermittlung. Der Fall insgesamt betrachtet war auch glaubwürdig und sicher auch in Zukunft noch brisant. Ich hätte gar nicht erwartet, dass sogar ein kleines Land wie Island solche innerpolitischen Probleme hat, wenn es um Einwanderer geht.

Hathor
01.02.2010, 21:08
Den Thread gibts ja auch noch ;)

Endlich ist dieser Roman als TB und auf Deutsch erschienen:

einer hellen isländischen Sommernacht wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Sie liegt auf dem mit Blumen geschmückten Grab des isländischen Freiheitskämpfers Jón Sigurðsson. Kommissar Erlendur und seine Kollegen Sigurður Óli und Elinborg von der Kripo Reykjavík finden schnell heraus, dass es sich bei der Toten um eine Drogenabhängige handelt. Warum aber wurde die Leiche gerade auf dieses Grab gelegt? Was sollte mit dieser Inszenierung erreicht werden? Die Ermittlungen erweisen sich als heikel, denn namhafte Persönlichkeiten gehören zum Kreis der Verdächtigen ...

Anfangs war ich recht verwirrt, bis ich auf die Idee kam, die Erscheinungsdaten der Originalromane zu recherchieren. Todesrosen ist zwar als 7.Roman der Erlendur-Reihe bei uns erschienen, eigentlich ist es aber der 2.
Manchmal frage ich mich wirklich, was sich die Verlage dabei denken :rolleyes:

Der Roman ist gut. Nicht ganz so schwermütig wie spätere Indriðason-Krimis, sogar mit ab und zu ganz feiner Ironie. Erlendurs Privatleben ist ein einziges Chaos, und da werden ein paar Tatsachen erklärt, die in späteren Romanen ohne dieses Vorwissen verwirrend sind.
Schön fand ich auch, dass man mehr von Sigurður Óli erfährt.

Für Spannung ist bis zuletzt gesorgt - auch wenn die geübte Krimileserin schon ein wenig früher die Lösung erraten hatte ;)

Eines feiner Islandkrimi - volle Punktzahl von mir.