Akissi
18.05.2008, 15:20
Joah, der Titel klingt ein wenig "cheesy" : D
Das ist meine Kurzgeschichte, die ich vor... mh... nem halben Jahr für den Deutschunterricht geschrieben habe, genau wie Ollowain ihr Rote Tränen (http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?t=673).
Ich hoffe mal, das liest auch iwer, obwohl ich selber so selten Feedback gebe *hide*...
Ein Cover hab ich dazu auch gebastelt, weil... äh... mir war langweilig xDD
http://s2.directupload.net/images/080518/9m7heriz.jpg
Naja *räusper*
Viel Spaß, hoffentlich^^
---
Hallo. Ich bin Steve.
Es gibt nicht viele Dinge, die für mich wichtig sind.
Da gibt es zum Beispiel all die Programmtexte, ohne die ich gar nicht bestehen würde.
Und das ganze Zubehör, ohne das man mich gar nicht nutzen kann.
Strom.
Und Anna.
Anna hat mir meinen Namen gegeben. Nach zwei der Männer, die mich und meine Art erfunden haben.
Anna lächelt mich jeden Tag an und liest gebannt, was in meinem Gesicht zu lesen ist, erkundet jeden Tag wieder eine neue Kleinigkeit meinerseits.
Ohne Anna gibt es für mich kein Morgen.
Sie muss nur einen kleinen Knopf drücken. Und doch ist das das Wichtigste überhaupt, denn ohne diesen Knopfdruck geht überhaupt nichts.
Ich bin ein Computer. Ein gräulichsilberner kleiner Computer mit bunten Klebebildchen drauf. Ich stehe auf Annas Schreibtisch und kann den ganzen Nachmittag ihr schmales Gesicht mit den hellbraunen Augen drin und dunkelbraunen Haaren drumrum betrachten, durch den neuen Flachbildschirm, den sie zum Geburtstag bekommen hat. Am Wochenende sogar noch länger. Oben auf meinem Desktop ist immer eine Anzeige, welcher Wochentag und wieviel Uhr es ist, deswegen weiß ich auch immer, wann Anna das nächste Mal länger da ist. Wieviele Tage, Stunden, Minuten das noch sind.
Und wie lange es noch dauert, bis sie wieder aus der Schule kommt. Ihren Stundenplan hat sie irgendwann mal eingescannt. Sie scannt immer alles ein, was irgendwie wichtig sein könnte oder ihr gefällt. Insgesamt hat sie schon 53 Dateien eingescannt, das sind zusammen 217,7 MB.
Nach dem Scannen packt sie die Bilder auf eine externe Festplatte, damit mein Speicher nicht zu voll wird, sonst laufe ich nicht mehr schnell genug. Sie ist ein kluges Mädchen, sie weiß sowas.
Sie weiß überhaupt sehr viel über mich und die Programme auf meinem Speicher. Manchmal ärgert sie sich aber auch, wenn sie nicht mit einem der Programme klarkommt. Dann würde ich ihr gerne helfen, ich kenne ja die Daten und Funktionen alle, aber ich kann nichts sagen, nur manchmal Warngeräusche ertönen lassen.
Ich kann nur schauen. Die meisten Menschen wissen wahrscheinlich nicht mal, dass ich das kann. Aber Anna weiß das, da bin ich sicher. Sie redet auch mit mir. Manchmal wütend, aber oft lacht sie über die Texte, Bilder oder Videos, die sie durch mich anschauen kann und ist froh, dass sie mich hat. Und sie hat mich Steve genannt. Sie wünscht mir immer eine gute Nacht, bevor sie mich ausschaltet.
Ich weiß nicht sehr viel darüber, was es mit Annas sonstigem Leben auf sich hat. Oft wirkt sie traurig, wenn sie von der Schule kommt und mich einschaltet. Sie sagt auch oft, dass niemand sie mag.
Sie hat ein Programm installiert, über das sie mit anderen geschriebene Nachrichten austauschen kann. Von dem, was sie da über die Tastatur eintippt und dem, was zurückkommt, scheint es mir aber nicht so, als würde sie niemand mögen. Schließlich reden sie ja mit ihr, nicht mal unfreundlich, wobei sie oftmals bald darauf das Programm schließen. Dann kuckt Anna wieder traurig und sagt, dass ich wohl doch ihr bester Freund sei. Ich weiß eigentlich nicht mal, was daran so traurig ist.
Annas Mutter sagt auch oft, dass sie sich weniger mit mir beschäftigen soll, wenn sie Freunde haben will. Anna wird dann meistens sauer. Kann ich verstehen. Schließlich bin ich auch wichtig für sie. Sie hat doch in der Schule genug Gelegenheit, Freunde zu finden. Anna sieht das glaube ich auch so.
Ohne Anna geht es nicht und umgekehrt ist es genauso. Sie braucht mich. Weil ich ihr bester Freund bin.
Jedenfalls war das die Situation bis vor etwa zwei Wochen. Seitdem kennt Anna nämlich jemanden, mit dem sie vorher noch nie Nachrichten ausgetauscht hat.
Ein Junge, nach allem, was ich weiß. Der schließt nicht sofort das Programm, wenn Anna ihm etwas schickt. Und Anna sieht immer sehr fröhlich aus, wenn sie mit ihm schreibt. Sie benutzt mich deshalb ja nicht weniger, aber sie macht es nicht mehr wegen mir... sie macht es wegen ihm. Deswegen lasse ich das Programm manchmal abstürzen, aber das bringt auch nichts... sie flucht und schimpft dann mit mir und öffnet es einfach wieder.
Sie hat ihm auch schon einmal eine lange E-Mail geschrieben. Vielleicht, weil sie bei einer E-Mail länger über den Text nachdenken kann. Sie hat auch oft überlegt, während sie schrieb.
Sie hat ihm geschrieben, dass sie den ganzen Tag nur vor dem Computer sitzen und das gern ändern würde.
Wieso? Ich war doch bisher auch gut genug.
Dass sie keine Freunde habe.
Hat sie nicht immer gesagt, ich sei ihr bester Freund?
Dass sie ihn wirklich gern mag und sich gern mit ihm treffen würde. Weil er ja nicht so weit weg wohnt und das deswegen einfach zu machen sein sollte.
Ich stehe in ihrem Zimmer, das ist doch noch viel einfacher.
Anna schaltet mich in der Woche um halb zwei ein und um halb elf wieder aus. Am zweiten Tag der Woche schaltet sie mich erst um vier Uhr ein, am Wochenende normalerweise um elf Uhr am Morgen. Das sind in der Woche 65,5 Stunden, also 3.930 Minuten, im Jahr 23.907,5 Stunden, also 1.434.450 Minuten. Vor drei Wochen hatte Anna schon 107.583,75 Stunden, also 6.455.025 Minuten mit mir verbracht, das heißt viereinhalb Jahre.
Eigentlich hätten es nach diesem Muster jede Woche 65,5 Stunden mehr werden sollen. Jeden Tag den gleichen Rhythmus. Aber seit Anna sich das erste Mal mit diesem neuen Freund getroffen hat, ist der Rhythmus durcheinander. Sie schaltet mich am Nachmittag irgendwann aus und erst abends ein zweites Mal an oder sie lässt mich gleich aus. Am Wochenende bleibe ich manchmal vollständig ausgeschaltet.
Noch dazu kennt sie diesen Jungen doch nicht einmal halb so lang wie mich. Um ihn halb so lang zu kennen, muss sie noch fast 2,25 Jahre mit ihm verbringen.
Ich verstehe es nicht.
Sie redet nicht mehr mit mir. Aber ohne Anna geht es doch nicht.
Das stimmt nach wie vor. Aber ich bin ein Computer. Ich funktioniere auf Knopfdruck und das ist auch eigentlich der einzige Grund, aus dem es ohne Anna nicht gehen sollte. Auch, wenn der Knopfdruck zu anderen Zeiten kommt als sonst. Auch, wenn es seltener als früher ist. Auch, wenn ich nicht mehr wichtig bin.
Ich funktioniere.
Auch dann, wenn mir niemand mehr eine gute Nacht wünscht.
Das ist meine Kurzgeschichte, die ich vor... mh... nem halben Jahr für den Deutschunterricht geschrieben habe, genau wie Ollowain ihr Rote Tränen (http://www.fantasy-forum.org/showthread.php?t=673).
Ich hoffe mal, das liest auch iwer, obwohl ich selber so selten Feedback gebe *hide*...
Ein Cover hab ich dazu auch gebastelt, weil... äh... mir war langweilig xDD
http://s2.directupload.net/images/080518/9m7heriz.jpg
Naja *räusper*
Viel Spaß, hoffentlich^^
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Hallo. Ich bin Steve.
Es gibt nicht viele Dinge, die für mich wichtig sind.
Da gibt es zum Beispiel all die Programmtexte, ohne die ich gar nicht bestehen würde.
Und das ganze Zubehör, ohne das man mich gar nicht nutzen kann.
Strom.
Und Anna.
Anna hat mir meinen Namen gegeben. Nach zwei der Männer, die mich und meine Art erfunden haben.
Anna lächelt mich jeden Tag an und liest gebannt, was in meinem Gesicht zu lesen ist, erkundet jeden Tag wieder eine neue Kleinigkeit meinerseits.
Ohne Anna gibt es für mich kein Morgen.
Sie muss nur einen kleinen Knopf drücken. Und doch ist das das Wichtigste überhaupt, denn ohne diesen Knopfdruck geht überhaupt nichts.
Ich bin ein Computer. Ein gräulichsilberner kleiner Computer mit bunten Klebebildchen drauf. Ich stehe auf Annas Schreibtisch und kann den ganzen Nachmittag ihr schmales Gesicht mit den hellbraunen Augen drin und dunkelbraunen Haaren drumrum betrachten, durch den neuen Flachbildschirm, den sie zum Geburtstag bekommen hat. Am Wochenende sogar noch länger. Oben auf meinem Desktop ist immer eine Anzeige, welcher Wochentag und wieviel Uhr es ist, deswegen weiß ich auch immer, wann Anna das nächste Mal länger da ist. Wieviele Tage, Stunden, Minuten das noch sind.
Und wie lange es noch dauert, bis sie wieder aus der Schule kommt. Ihren Stundenplan hat sie irgendwann mal eingescannt. Sie scannt immer alles ein, was irgendwie wichtig sein könnte oder ihr gefällt. Insgesamt hat sie schon 53 Dateien eingescannt, das sind zusammen 217,7 MB.
Nach dem Scannen packt sie die Bilder auf eine externe Festplatte, damit mein Speicher nicht zu voll wird, sonst laufe ich nicht mehr schnell genug. Sie ist ein kluges Mädchen, sie weiß sowas.
Sie weiß überhaupt sehr viel über mich und die Programme auf meinem Speicher. Manchmal ärgert sie sich aber auch, wenn sie nicht mit einem der Programme klarkommt. Dann würde ich ihr gerne helfen, ich kenne ja die Daten und Funktionen alle, aber ich kann nichts sagen, nur manchmal Warngeräusche ertönen lassen.
Ich kann nur schauen. Die meisten Menschen wissen wahrscheinlich nicht mal, dass ich das kann. Aber Anna weiß das, da bin ich sicher. Sie redet auch mit mir. Manchmal wütend, aber oft lacht sie über die Texte, Bilder oder Videos, die sie durch mich anschauen kann und ist froh, dass sie mich hat. Und sie hat mich Steve genannt. Sie wünscht mir immer eine gute Nacht, bevor sie mich ausschaltet.
Ich weiß nicht sehr viel darüber, was es mit Annas sonstigem Leben auf sich hat. Oft wirkt sie traurig, wenn sie von der Schule kommt und mich einschaltet. Sie sagt auch oft, dass niemand sie mag.
Sie hat ein Programm installiert, über das sie mit anderen geschriebene Nachrichten austauschen kann. Von dem, was sie da über die Tastatur eintippt und dem, was zurückkommt, scheint es mir aber nicht so, als würde sie niemand mögen. Schließlich reden sie ja mit ihr, nicht mal unfreundlich, wobei sie oftmals bald darauf das Programm schließen. Dann kuckt Anna wieder traurig und sagt, dass ich wohl doch ihr bester Freund sei. Ich weiß eigentlich nicht mal, was daran so traurig ist.
Annas Mutter sagt auch oft, dass sie sich weniger mit mir beschäftigen soll, wenn sie Freunde haben will. Anna wird dann meistens sauer. Kann ich verstehen. Schließlich bin ich auch wichtig für sie. Sie hat doch in der Schule genug Gelegenheit, Freunde zu finden. Anna sieht das glaube ich auch so.
Ohne Anna geht es nicht und umgekehrt ist es genauso. Sie braucht mich. Weil ich ihr bester Freund bin.
Jedenfalls war das die Situation bis vor etwa zwei Wochen. Seitdem kennt Anna nämlich jemanden, mit dem sie vorher noch nie Nachrichten ausgetauscht hat.
Ein Junge, nach allem, was ich weiß. Der schließt nicht sofort das Programm, wenn Anna ihm etwas schickt. Und Anna sieht immer sehr fröhlich aus, wenn sie mit ihm schreibt. Sie benutzt mich deshalb ja nicht weniger, aber sie macht es nicht mehr wegen mir... sie macht es wegen ihm. Deswegen lasse ich das Programm manchmal abstürzen, aber das bringt auch nichts... sie flucht und schimpft dann mit mir und öffnet es einfach wieder.
Sie hat ihm auch schon einmal eine lange E-Mail geschrieben. Vielleicht, weil sie bei einer E-Mail länger über den Text nachdenken kann. Sie hat auch oft überlegt, während sie schrieb.
Sie hat ihm geschrieben, dass sie den ganzen Tag nur vor dem Computer sitzen und das gern ändern würde.
Wieso? Ich war doch bisher auch gut genug.
Dass sie keine Freunde habe.
Hat sie nicht immer gesagt, ich sei ihr bester Freund?
Dass sie ihn wirklich gern mag und sich gern mit ihm treffen würde. Weil er ja nicht so weit weg wohnt und das deswegen einfach zu machen sein sollte.
Ich stehe in ihrem Zimmer, das ist doch noch viel einfacher.
Anna schaltet mich in der Woche um halb zwei ein und um halb elf wieder aus. Am zweiten Tag der Woche schaltet sie mich erst um vier Uhr ein, am Wochenende normalerweise um elf Uhr am Morgen. Das sind in der Woche 65,5 Stunden, also 3.930 Minuten, im Jahr 23.907,5 Stunden, also 1.434.450 Minuten. Vor drei Wochen hatte Anna schon 107.583,75 Stunden, also 6.455.025 Minuten mit mir verbracht, das heißt viereinhalb Jahre.
Eigentlich hätten es nach diesem Muster jede Woche 65,5 Stunden mehr werden sollen. Jeden Tag den gleichen Rhythmus. Aber seit Anna sich das erste Mal mit diesem neuen Freund getroffen hat, ist der Rhythmus durcheinander. Sie schaltet mich am Nachmittag irgendwann aus und erst abends ein zweites Mal an oder sie lässt mich gleich aus. Am Wochenende bleibe ich manchmal vollständig ausgeschaltet.
Noch dazu kennt sie diesen Jungen doch nicht einmal halb so lang wie mich. Um ihn halb so lang zu kennen, muss sie noch fast 2,25 Jahre mit ihm verbringen.
Ich verstehe es nicht.
Sie redet nicht mehr mit mir. Aber ohne Anna geht es doch nicht.
Das stimmt nach wie vor. Aber ich bin ein Computer. Ich funktioniere auf Knopfdruck und das ist auch eigentlich der einzige Grund, aus dem es ohne Anna nicht gehen sollte. Auch, wenn der Knopfdruck zu anderen Zeiten kommt als sonst. Auch, wenn es seltener als früher ist. Auch, wenn ich nicht mehr wichtig bin.
Ich funktioniere.
Auch dann, wenn mir niemand mehr eine gute Nacht wünscht.