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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der König der purpurnen Stadt - von Rebecca Gablé


Rotkätzchen
30.05.2008, 16:50
So! Zurück aus dem Freibad und wieder eine dicke Lektüre durch! :)

Kurzbeschreibung von Amazon:
London 1330: Der achtzehnjährige Jonah hat kein leichtes Leben als Lehrjunge im Haushalt seines trunksüchtigen Cousins, des Tuchhändlers Rupert Hillock. Einzig seine Großmutter Cecilia schenkt ihrem verwaisten Enkel ein wenig von der Zuneigung, die der verschlossene Junge braucht. Doch eine Begegnung mit dem jungen König Edward und Königin Philippa lenkt Jonahs Schicksal in neue Bahnen. Als jüngstes Mitglied ihrer Geschichte findet er Aufnahme in der elitären Londoner Tuchhändlergilde, und gemeinsam mit Königin Philippa revolutioniert er die englische Tuchproduktion. Aber je größer sein Erfolg, desto heimtückischer werden die Intrigen seiner Neider und Widersacher, allen voran seines Cousins Rupert, und Jonahs Schwäche für Frauen - vor allem für die Königin - macht ihn verwundbar. Als der Hundertjährige Krieg ausbricht, gelangt Jonah als Bankier der Krone dennoch zu Reichtum und politischem Einfluss. Doch der alte Adel betrachtet die neue Macht der Kaufleute mit Missgunst, und der ungestüme König Edward führt die Seinen nicht nur in finanzielle Wagnisse...

Nun, die Kriege Englands sind ja sehr oft Thema bei Rebecca Gablé, scheint es, allen voran in der Waringham-Trilogie. Hier jedoch erhät man eine gänzlich andere Perspektive als gewohnt: Denn hier stehen keine Ritter und Adelshäuser im Fokus, sondern die Kaufleute (Die Pfeffersäcke :D). Die Zutaten sind hier ähnlich wie in der Waringham-Trilogie. Gablé verknüpft geschichtliche Tatsachen mit fiktiven Figuren und Ereignissen, flechtet sie quasi in die reale Geschichte Englands hinein.

Historische Roman haben ja eigentlich selten (ich kenne eigentlich nur einen) einen konsequenten Spannungsbogen bzw. einen durchgehenden roten Faden in der Handlung. Es geht immer bergauf, dann wieder bergab, und glaubt man den Helden endlich glücklich kommt die nächste böse Bescherung. Prinzipiell bevorzuge ich zwar konsequente Spannungsbögen, aber hin und wieder ist auch sowas ganz interessant - wenn es denn auch WIRKLICH interessant ist, versteht sich. ;)

Mich hat der Roman jedenfalls gut unterhalten. Bei Gablé habe ich zumindest den Eindruck, dass sie fleißig recherchiert, bevor sie schreibt. Ich fand die Zusammenhänge sehr interessant zwischen den damaligen Steuern und den Einfuhrzöllen, die Methoden und Gepflogenheiten der Kaufmannsgilde, ihr Umgang mit dem Adel (und anders herum!) und die Möglichkeiten, durch Intrigen schon damals durch Schmuggel und anderweitigen Schwindel als Kaufmann an Geld zu kommen - und sogar die Krone zu prellen. Schauplatz bei all dem ist zumeist die "purpurne Stadt" = London. Der Held war mit Ecken und Kanten versehen, die anderen beteiligten Figuren wussten auch zu überzeugen, waren sympathisch oder eben nicht. Der Storyverlauf war bisweilen zu erahnen, zum Beispiel war mir völlig klar, dass Jonah, nachdem er zu Reichtum kam, sehr schnell auch wieder verarmt sein würde. Wie gesagt, es ist in Historischen Romanen immer ein AUF und AB und die Geschichte zieht sich über Jahrzehnte hin. Hin und wieder hätte ich mir bei den hiesigen Figuren ein wenig mehr Grauabstufungen zwischen Gut und Böse gewünscht, aber sowas finde ich zumeist verzeihlich, wenn der Rest stimmt und gut unterhält.

Schön war auch, dass der Roman quasi ein Prequel zur Waringham-Trilogie darstellt. Etliche Adelshäuser waren mir noch bekannt, auch der "schwarze Prinz" spielte im "Lächeln der Fortuna" eine wichtige Rolle. Doch wo man bei den Waringhams Englands Krieg aus der Warte der königlichen Ritter zu Gesicht bekam, sah man sie hier aus Sicht der Kaufleute - die durch Krieg natürlich ihren Profit machen können, wenn sie es nur schlau anstellen.

Man könnte natürlich bei jedem Roman ein bisschen Mecker anbringen, doch wenn er insgesamt einen guten Eindruck hinterlassen hat, sehe dazu eigentlich keine Veranlassung. Eines stört mich generell bei Historischen Romanen, was auch in den mir bekannten Gablé-Romanen stets zu Tage kommt: Der Held hat immer einen Erzfeind (hier sein Cousin Rupert). Dieser Erzfeind tut ihm im Laufe der Jahrzehnte viele Dinge an. Er stellt ihm Fallen, schickt ihm Mörder hinterher, ruiniert ihn, spinnt Intrigen, verleumdet ihn und was weiß ich noch alles. Begegnungen zwischen den Kontrahenten gibt es genug, aber der heldenhafte Held sorgt nie für eine endgültige Lösung. Vielleicht sehe ich das zu hart, aber jemand der mir wiederholt nach dem Leben trachtet, mich als Kind zudem dauerhaft verprügelt hat, meine Freundin vergewaltigt, mich um meinen Ruf und mein Geschäft bringt, meine Freunde und Kinder wie Dreck behandelt... naja, so einen Menschen lasse ich nicht immer wieder ungeschoren davon kommen! Vor allem weil ja sowieso klar ist, dass der früher oder später wieder Ärger machen wird.

Ein wenig OFF-TOPIC, aber egal:
Im "Lächeln der Fortuna" trifft Robin seinen Erzfeind bereits als früher Teenager und hat fortan nur Schwierigkeiten mit ihm (wobei "Schwierigkeiten" noch etwas harmlos ist). Bis die Sache dann endgültig geregelt wird, müssen beide Charaktere über 50 werden! Hätte das sein müssen? Wie gesagt, ich glaube, ich wäre da weniger zimperlich als diese heldenhaften Kerle. ;)

Im vorlegenden Roman ist es nicht so krass, aber dennoch vorhanden. Obwohl dieser Rupert den Helden Jonah IMMER NUR PROBLEME gemacht hat, unternimmt dieser nichts, um seine Familie dauerhaft vor ihm zu beschirmen! Dadurch erlaubt er ihm weitere Intrigen. Tja, und ein Teil von mir hätte dem Helden zuletzt fast gewünscht, dass er Opfer der Intrige wird, weil er sein Leben lang inkonsequent war, seinen schäbigen Cousin endlich einem Sheriff auszuliefern oder es endgültig mit ihm auszutragen. Spätestens als Besagter als Gast des Hauses die hochschwangere Frau Jonahs (der Held) schlug, wäre so etwas nötig gewesen.