"Ohne Fleiß, kein Preis."
"Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen."
Noch ein dummer Spruch gefällig? Nein? Egal:
"Kunst von Können. Käme es von Wollen, hieße es Wunst."
Genug der Sprüche. Ich glaube die meisten würden mir zustimmen, dass Talent allein nicht reicht, sondern, dass man auch sehr viel Üben und Lernen muss, um gut (oder zumindest nicht vollkommen katastrophal) im Zeichnen und Malen zu werden. Wahre geniale Naturtalente, denen alles von alleine zufliegt, gibt es nur wenige, wenn überhaupt welche.
Doch wie übt und lernt ihr? Tut ihr es überhaupt?
Ich kann nur davon berichten wie ich es mache bzw. machte:
Eigentlich habe ich früher überhaupt nie geübt oder gelernt für's Zeichnen, zumindest nicht bewusst oder einfach nur so. Ich mag es gerne sofort ein Ergebnis zu haben und nicht erst 10 Jahre zu üben, bevor ich mich an ein Werk wage. Zumindest für Einzelbilder gilt das bei mir. An einen kompletten Comic traue ich mich trotzdem nicht.
Wenn ich also ein Bild zeichnen wollte, habe ich entweder versucht es so gut hinzubekommen wie es mir möglich war, oder aber ich habe mir Tipps, Tutorials, Referenzmaterial und andere Bilder angeschaut, um das zu erreichen, was ich vorhatte. Weiterentwicklung kam bei mir dann meistens entweder aus der Erfahrung (durch's Zeichnen/Malen der Bilder an sich) oder weil ich mich an neue Dinge (andere Posen, andere Charaktere, mehr Hintergrund, ...) gewagt habe, die ich bisher nicht probiert hatte. Nach ein paar Mal Wiederverwenden der Erfahrung, gelingt es in zukünftigen Bildern immer besser. Sozusagen implizites Lernen. Skizzen, die im Skizzenzustand blieben gab es bei nur wenige. Im Grunde war immer der Versuch da ein komplettes Bild oder zumindest einen kompletten Charakter zu zeichnen. Oft genug geht der Lerneffekt in den Frustrationspausen (weil irgendetwas nicht klappte oder nicht so aussah wie gewünscht) wieder verloren.
Seit gerade mal etwas über einer Woche versuche ich mich nun an einem neuen Ansatz: Ich setze mich jeden Abend mindestens eine halbe Stunde hin und kritzele mehrere kleinen Zeichnungen ohne besonderes Ziel. Mal sind es grobe Skizzen von kompletten Figuren, mal haufenweise Portraits, mal nur eine Reihe von einzelnen Körperteilen (bisher hauptsächlich Gesichtselemente).
In erster Linie geht es mir um den Spaß und um das Erkunden und gleichzeitige Erweitern meiner Grenzen. Das hat den Vorteil, dass ich weniger frustriert bin, wenn mal einzelne Dinge schief gehen.
Unterstützung hole ich mir von Referenzmaterial, Tutorials und Werken anderer Künstler. Dabei tue ich auch etwas, was ich sonst immer abgelehnt habe: Das Abzeichnen von Werken anderer Künstler. Wobei ich hier nicht so viel Wert auf das 100%ig korrekte Kopieren lege, als vielmehr darauf, dass ich ein Gefühl für andere Linienstruktur und neue Details bekomme. Auch hilft es besser zu erkennen wie andere Künstler bestimmte Probleme lösen. Manchmal ist es auch interessant zu sehen wie falsch auch Zeichnungen von Profis aussehen können, wenn man sie nur lange genug betrachtet.

(Wenn man lange genug ein Foto von Körperteilen aus ungewöhnlichen Winkeln betrachtet, sehen die auch irgendwann falsch aus, obwohl sie es nicht sein können. Insofern ist realistisches Zeichnen manchmal etwas sinnlos...)
Nebenergebnis meines neuen Weges ist allerdings, dass zwar mein "Output" steigt, aber weniger bei heraus kommt was man ernsthaft anderen Leuten zeigen kann.
Kritik fliesst bei mir nur relativ begrenzt ins Lernen ein. (Vielleicht sollte ich mich deswegen auch mal ins Thema zum Umgang mit Kritik begeben.) Ich muss auch gestehen, dass ich mit Kritik an Bildern von mir nur begrenzt umgehen kann. Nach Fertigstellung möchte ich meist erst einmal ein Weilchen Stolz darauf sein. Ich fange oft schnell genug selbst an es wieder auseinanderzunehmen, weil mir eine Reihe von Fehlern schon beim Zeichnen/Malen auffallen. Wenn dann jemand vorher alles auseinander nimmt, ist das ein wenig deprimierend.
Und genervt bin ich dann, wenn jemand so kritisiert, dass einfach nur ein völlig anderer Stil von Betrachter gewünscht ist. Extrembeispiel wäre, dass ein Fan amerikanischer Superheldencomics anfängt den Stil von Shoujo-Manga zu kritisieren. Ausgehend davon ist die meiste Kritik an Bildern leider unbrauchbar oder einfach nicht umsetzbar. Und das ist ein anderer Punkt: Wenn tatsächlich brauchbare Kritik kommt, die generelle Probleme und nicht nur einzelne Striche oder den Stil anspricht, dann setze ich diese garantiert nicht mehr in dem kritisierten Werk um. Dafür ist es dann nämlich zu spät. Aber ich versuche gerne, wenn ich die angesprochenen Punkte anerkenne, es in zukünftigen Werken zu beachten. (So sind zum Beispiel die Köpfe meiner Figuren mit der Zeit dann doch etwas weniger gigantisch geworden.

)
Doch sagt... werte Zeichner und Zeichnerinnen. Wie übt und lernt ihr, wenn überhaupt? Und bringt euch Kritik etwas im Lernprozess oder ändert sogar an sich als fertig betrachtete Bilder dafür?